Prognose
Der etwas andere Jahresausblick: Wie sich die Kriminalität 2022 entwickeln könnte

Corona verändert fast alles – auch Straftaten. Datenanalysen zeigen, welche Probleme das dritte Pandemiejahr bringen könnte. Es gibt aber auch eine gute Nachricht.

Andreas Maurer 1 Kommentar
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Als die Pandemie vor zwei Jahren begann, an den Landesgrenzen Gitter und Betonklötze aufgestellt wurden und das soziale Leben stillstand, gab es immerhin einige Good News. Wohnungseinbrüche, Raubüberfälle und Angriffe auf Bankomaten gingen vorübergehend zurück.

Nun, zu Beginn des dritten Pandemiejahres, ist der positive Effekt verpufft. Im Jahr 2022 wird die Kriminalität ansteigen. Diese Prognose macht Dirk ­Baier, Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Er sieht vier Probleme auf die Schweiz zukommen.

1. Problem: Mehr Kriminaltouristen

Für die Entwicklung der Kriminalität in der Schweiz ist entscheidend, welche ökonomischen Folgen die Pandemie und die Massnahmen in anderen Ländern haben. Baier sagt: «Steigen im osteuropäischen oder südeuropäischen Raum Arbeitslosigkeit und Armut, werden mehr Menschen auf der Suche nach schnellem Geld sein – online und offline.» ­Offline heisst: mehr Wohnungseinbrüche, Taschendiebstähle, Geldautomaten-Sprengungen und Raubüberfälle.

Baiers Prognose: Diese Delikte werden 2022 zunehmen.

Bei den Einbrüchen könnte es damit zu einer Trendwende kommen. Bis 2020 gingen die Zahlen jahrelang zurück. Die Aargauer Kantonspolizei verzeichnet 2021 zum ersten Mal wieder einen Anstieg – um fast 20 Prozent. In Basel-Stadt meldet die Staatsanwaltschaft für das erste Halbjahr 2021 sogar einen Anstieg von 25 Prozent.

Zudem sind die Cybercrimedelikte regelrecht explodiert. Beim Nationalen Zentrum für Cybersicherheit sind im vergangenen Jahr 21000 Meldungen eingegangen – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Vor allem Angriffe mit Erpressungssoftware haben zugenommen.

Baier prognostiziert: «Auch hier dürften Taten aus dem Ausland 2022 weiter zunehmen.»

2. Problem: Mehr Jugendgewalt

Das zweite Problem verschärft sich unabhängig von der Pandemie. Seit 2015 nimmt die Jugendgewalt Jahr für Jahr zu.

Aus dem grössten Kanton der Schweiz liegen erste Zahlen zu Jugendlichen vor, die 2021 wegen Raub angezeigt wurden. Die Zürcher Oberjugendanwaltschaft bezeichnet dieses Delikt als Pulsmesser der Jugendgewalt. Denn das vergangene Jahrzehnt hat gezeigt: Wenn Jugendliche mehr Raubüberfälle begehen, steigt auch die Zahl der Gewaltstraftaten insgesamt – und umgekehrt. Von Januar bis September 2021 ist es zu einem weiteren Anstieg gegenüber der Vorjahresperiode gekommen.

Im Kanton Aargau stellt die Polizei im vergangenen Jahr generell mehr Gewalt fest. Das Täterprofil: jung, männlich, Migrationshintergrund. Als Tatwaffe liegt das Klappmesser schweizweit im Trend.

Baier geht davon aus, dass die Pandemie keinen Einfluss auf die Jugendgewalt hat. Sie stieg schon vorher an. Und könnte 2022 weiter zunehmen.

3. Problem: Aggressive Skeptiker

Entzweien die Coronamassnahmen die Gesellschaft? Nein, meint Baier, die Rede von einer Spaltung sei übertrieben und schädlich. Doch die gesellschaftlichen Spannungen seien unverkennbar. Die Skeptiker-Bewegung trete zum Teil aggressiv auf. Davon seien vor allem Polizistinnen und Polizisten betroffen, aber auch andere Angestellte im Sicherheitsbereich.

Baiers Prognose: Anzeigen wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte werden 2022 noch häufiger.

4. Problem: Psychische Probleme

Die Pandemie verstärkt Einsamkeit, Rückzug und damit verbundene psychische Probleme. Baier warnt vor zwei Folgen. Einerseits entstünden dadurch vulnerable Gruppen, die anfällig für Betrugsformen wie Enkeltrick und Romance Scamming (vorgetäuschte Liebe) seien. Andererseits könnten psychische Störungen wie Depressionen und Manien auch schwere Straf- und Gewalttaten auslösen. Man dürfe psychisch Kranke zwar nicht unter Kriminalitätsverdacht stellen. Denn sie seien eher gefährdet als gefährlich. «Deutlich wird aber, dass eine frühzeitige Erkennung und angemessene Unterstützung dringender denn je ist», sagt Baier.

Die Lösung: Mehr Prävention

Die vier Trends haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind in einem gewissen Mass beeinflussbar. Baier fordert deshalb: «Prävention sollte sich im Jahr 2022 einerseits auf Jugendliche beziehen; anderseits sollten Angebote für psychische Belastungen und Erkrankungen weiter ausgebaut werden.» Er ruft auch die Bevölkerung zu Prävention auf: «Gegen Wohnungseinbrüche und Cyberkriminalität kann sich jede Person selber schützen.» Dafür müsse das Bewusstsein gestärkt werden. «Und die gesellschaftlichen Spannungen», sagt er, «können wir nur über einen gemeinsamen, besonnenen Dialog überwinden, zu dem alle eingeladen sind.»

Die gute Nachricht: Was besser wird

Gibt es aber wirklich nur düstere Prognosen zur Kriminalitätsentwicklung? Baier sagt, er sei eigentlich kein Berufspessimist. Dennoch erwarte er bei den meisten Delikten einen Anstieg. Das hänge auch damit zusammen, dass wir in der Schweiz in den vergangenen Jahren positive Entwicklungen hatten, etwa bei den Diebstählen und Einbrüchen, und diese nun auch aufgrund der Pandemie an ihr Ende kommen könnten. Ein Delikt könnte allerdings dennoch weiter zurückgehen: der Autodiebstahl. Weil die technischen Schutzmassnahmen besser werden.

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Elisabeth Beck

Die meisten Probleme sind hausgemacht wegen der unterwürfigen Haltung zur EU etc.: 1. Kriminaltouristen: Grenzen besser kontrollieren, bes. grüne. Geldautomaten: Die Banken könnten die Automaten längst besser sichern, so dass bei einer Sprengung das Geld in Farbe getraucht würde. Die Sprengungen würden rasch aufhören. 2. Jugendgewalt: Es ist sattsam bekannt, woher die kommt. Trotzdem lässt man fremde Kulturen mit faulen Ausreden Asyl beantragen und hier bleiben. Zudem drohen ihnen nur lächerliche Strafen, über welche diese nur lachen. 3. Aggressive Skeptiker: Nicht nur Skeptiker, was ist mit Antifa etc.? Da bleibt die Politik still. 4. Psychische Probleme: Diese hat die Politik mit der Angstschürerei und der Spaltung der Gesellschaft eine grosse Schuld. Fazit: Nicht jammern, vieles lässt sich beheben, aber nur, wenn man will…. genau da liegt der Hund begraben. 

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