Post-Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller hat nach dem Postauto-Skandal einen Neuanfang versprochen. Doch danach sieht es momentan nicht aus. Laut einem Bericht von «Blick» hat Jörg Vollmer, Chef von Swiss Post Solutions (SPS), mehr als 100 Kader zu einem üppigen Treffen nach Vietnam geladen. Der ausgefallene Anlass fand während zwei Tagen im Januar statt.

Urs Schwaller

Urs Schwaller

Weltweit sind rund 7000 Personen an 24 Standorten für Swiss Post Solutions tätig. Das jährliche Treffen fand in der Vergangenheit in Deutschland oder der Schweiz statt. Das macht auch Sinn: Die meisten Kadermitglieder kommen aus Europa.

Opulente Veranstaltungen auf Firmenkosten

Nicht so dieses Jahr. Dass der Anlass in Ho Chi Minh City abgehalten wurde, verblüfft ein ehemaliges Kadermitglied gar nicht. Es sei bekannt, dass Vollmer gerne kostspielige Veranstaltungen organisiert und es sich gut gehen lässt – natürlich auf Firmenkosten.

Jörg Vollmer

Jörg Vollmer

Der Insider schätzt die Reisekosten auf mindestens 200'000 Franken. Mit dabei soll auch Interims Post-Chef Ulrich Hurni gewesen sein. Selbstverständlich reiste er – wie Vollmer – in der Business-Klasse.

Ulrich Hurni

Ulrich Hurni

Für Aufsehen sorgte auch ein Leadership-Meeting im Januar 2017. Vollmer veranstaltete ein Weindegustation in Flims GR – gespart wurde an nichts. So wurden der SPS-Führung im Viersternhotel Adula nur die besten französischen Weine aufgetischt. Angeblich liess man das geplante Essen sausen und trank fröhlich weiter.

Kritik an der SPS-Führung

Gegenüber den Angestellten ist die Luxusreise nach Vietnam ein ungeheurer Affront. SPS-Mitarbeiter beklagen neben diversen Missständen auch die «schlechte Bezahlung».

Im September 2018 verkündete die Postfinance, dass 120 Mitarbeiter an die SPS ausgelagert werden, wie der «Blick» berichtet. Während einem Jahr sollen die Betroffenen zu gleichen Konditionen weiterarbeiten können – danach müsse mit Einbussen gerechnet werden.

Gewerkschaften kritisierten den Entscheid und sprachen von «konzerninternem Lohndumping». Dabei hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Post-Tochter schon einmal wegen Verstössen gegen den Lohnschutz gebüsst.

Keine Angaben zu Kosten

Die Post will zum Vietnam-Trip keine Angaben machen. Nur soviel: «Die Gesamtkosten für das diesjährige Meeting mit rund 100 Teilnehmern entsprachen exakt den Kosten der Vorjahre und bewegen sich im normalen Rahmen für die Reise dieser Grössenordnung», sagt Sprecherin Léa Wertheimer.

Man sei zudem der Auffassung, dass die Konditionen stimmen. «Auf die Branche und damit auf vergleichbare Dienstleistungsunternehmen bezogen, bezahlt SPS faire Löhne», zitiert der «Blick» eine schriftliche Stellungnahme.

Die Gewerkschaft Syndicom verlangt, dass sämtliche Kosten und das Programm für den Kaderanlass in Vietnam offengelegt werden – die Post will der Aufforderung keine Folge leisten. (vom)