Bundesratswahlen

Pierre Maudet: Kein Zutritt für Nicht-Mitglieder

Pierre Maudet. Key

Pierre Maudet. Key

Die letzten Jahre zeigen: Regierungsräte haben bei Bundesratswahlen nur in Ausnahmesituationen Chancen. Das musste auch Pierre Maudet schmerzlich erfahren.

Wie ein Verlierer sah er nicht aus, Pierre Maudet, eine gute Stunde nach vollendeter Bundesratswahl. Bereitwillig stellte er sich auf dem Bundesplatz den Fragen der Journalisten, schäkerte mit anwesenden Zaungästen und versteckte sich auch danach beim Apéro im Bundeshaus nicht. «Bezüglich Chancen bin ich bei minus 10 gestartet. Man sagte mir, dass ich das falsche Geschlecht habe, aus dem falschen Landesteil komme und das falsche Mandat habe. Dafür habe ich ein gutes Resultat gemacht, finde ich», so Maudet.

Ein Verlierer war er aber natürlich trotzdem, der umtriebige Genfer Sicherheits- und Wirtschaftsdirektor. Denn in der Politkarriere des 39-Jährigen gab es bis anhin nur eine Richtung – nach oben. Und er hatte in den letzten sechs Wochen alles getan, um gewählt zu werden: Er zog mit einem professionellen Wahlkampfteam durchs Land, sprach in jedes offene Mikrofon und umgarnte die National- und Ständeräte persönlich.

Pierre Maudet joggt vor Wahl durch Bern

Pierre Maudet joggt vor Wahl durch Bern

Vor dem Bundeshaus in Bern verraten Ignazio Cassis, Pierre Maudet und Isabelle Moret, wie erleichtert sie am Tag der Bundesratswahl sind.

Nur deshalb ging der Plan auf

Doch jegliche Charmeoffensive nützte nichts, das Parlament hat ein weiteres Mal einem Exekutivmitglied aus den Kantonen den Einzug in die Landesregierung verweigert. Allein in den letzten zehn Jahren gibt es dafür mehrere Beispiele: Norman Gobbi (Lega/TI) scheiterte 2015 gegen Guy Parmelin, Pierre-Yves Maillard (SP/VD) 2011 gegen Alain Berset und Karin Keller-Sutter (FDP/SG) 2010 gegen Johann Schneider-Ammann.

Pierre Maudets Enttäuschung nach der Nicht-Wahl

Pierre Maudets Enttäuschung nach der Nicht-Wahl

  

Schaut man etwas weiter zurück, gibt es zwar Gegenbeispiele – also Politiker, die es direkt aus einer Kantons- in die Landesregierung geschafft haben. Die Wahlen standen aber allesamt unter speziellen Vorzeichen: Micheline Calmy-Rey (2002) und Ruth Metzler (1999) setzten sich gegen andere Regierungsräte durch (Ruth Lüthi bzw. Rita Roos), und bei der Abwahl von Christoph Blocher im Jahr 2007 konnte das Manöver mit der Bündner SVP-Regierungsrätin Eveline Widmer-Schlumpf nur gelingen, weil es geheim blieb. Mit einem SVP-Sprengkandidaten aus dem Bundeshaus wäre es zum Scheitern verurteilt gewesen.

«Sag niemals nie»

Parlamentarier von links bis rechts betonen, es sei ein zentrales Argument, dass der Wahlkörper die Kandidaten gut kennt. «Auf einer Skala von eins bis zehn? Acht», sagt CVP-Fraktionschef Filippo Lombardi auf die Frage nach der Gewichtung des Kriteriums. Man arbeite zusammen im Rat und den Kommissionen, duze sich und wisse, dass der Kandidat die Bundespolitik aus dem Effeff beherrsche. SP-Fraktionschef Roger Nordmann sagt: «Es ist klar, dass persönliche Bekanntschaften ein Trumpf sind.»

Gleichzeitig spielen bei einer Bundesratswahl derart viele Faktoren mit, dass der politische Werdegang kein abschliessendes Kriterium ist. Unter der Bundeshauskuppel zollt man Maudet jedenfalls Respekt für seinen Achtungserfolg von immerhin 90 Stimmen. Für FDP-Vizepräsident Christian Lüscher hat er sich während seiner Kampagne «vom Kantonal- zum Bundespolitiker» gemacht. Man werde auch auf nationaler Ebene noch viel von ihm hören in den nächsten Jahren. Maudet selbst sagte – angesprochen auf allfällige erneute Bundesratsgelüste – gestern Mittag das, was ambitionierte Politiker stets zu sagen pflegen: «Im Moment ist das kein Thema mehr. Aber man soll niemals nie sagen.»

Meistgesehen

Artboard 1