Schweiz

Personenfreizügigkeit: Bund meldet für 2019 leicht rückläufige Zuwanderung aus EU

Der Anteil der EU-Ausländer ist in Berufen mit niedrigen Löhnen höher als jener der Schweizer. (Symbolbild)

Der Anteil der EU-Ausländer ist in Berufen mit niedrigen Löhnen höher als jener der Schweizer. (Symbolbild)

Die Zuwanderung aus den EU-Staaten ging im vergangenen Jahr leicht zurück. Gemäss einem neuen Bericht des Bundes wird zudem das Potenzial inländischer Arbeitskräfte zunehmend besser ausgeschöpft.

(wap/gb.) Im Jahr 2019 sind 30'700 Personen aus den EU- und EFTA-Staaten in die Schweiz eingewandert. Laut einem Bericht des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) sind das leicht weniger als im Vorjahr. Der Rückgang ist aber weniger stark als auch schon. Während sich die Zuwanderung aus den EU-Staaten in den letzten drei Jahren bei 30'000 Personen pro Jahr eingependelt hat, waren es 2013 noch 68'000 Personen gewesen.

Die Entwicklungen sind laut dem vom Seco am Montag in Bern vorgestellten Bericht mit einem hohen Beschäftigungsgrad und einer rückläufigen Arbeitslosigkeit in der Schweiz einhergegangen. Parallel zur Zuwanderung sei es in allen drei Sprachregionen zudem gelungen, auch das inländische Arbeitskräftepotenzial gut – gar zunehmend besser – auszuschöpfen, heisst es in dem Bericht weiter.

Zugewanderte haben höhere Erwerbsbeteiligung

Das Seco hält fest, dass die Zuwanderung aus der EU weiterhin stark an die Bedürfnisse der Wirtschaft geknüpft ist. Dies zeigt sich laut Staatssekretariat für Wirtschaft auch an der hohen Erwerbsbeteiligung der EU-Bürgerinnen und -Bürger. Von den Männern zwischen 15 und 64 Jahren, die unter dem Personenfreizügigkeitsabkommen in die Schweiz gekommen sind, sind laut Seco 89 Prozent erwerbstätig. Bei den Frauen liegt dieser Anteil bei 80 Prozent. Beide Werte liegen damit über dem gesamtschweizerischen Durchschnitt.

Nicht nur deshalb spricht das Seco von einem «positiven Beitrag» zur Schweizer Wirtschaft, den die Zugewanderten leisten würden. Sie leisteten beispielsweise auch häufiger Nacht- und Wochenendarbeit und seien öfters in Tätigkeiten mit niedrigen Löhnen anzutreffen. Dies trägt laut Seco zur Flexibilisierung der Wirtschaft bei.

Inländer werden nicht aus Arbeitsmarkt gedrängt

EU-Staatsbürger in der Schweiz sind im Schnitt allerdings häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als Schweizer Staatsbürger. Befürchtungen, dass Inländer durch die Personenfreizügigkeit aus dem Arbeitsmarkt gedrängt würden, haben sich gemäss dem Bericht aber nicht bestätigt. Auch gebe es keine Hinweise darauf, dass die Personenfreizügigkeit negative Auswirkungen auf die Lohnentwicklung der inländischen Arbeitnehmenden hätte. Der Medianlohn der Schweizerinnen und Schweizer liege rund fünf Prozent über jenem der Zuwanderer.

Bei den Sozialwerken fallen die Beiträge der Zugewanderten unterschiedlich aus. Bei der AHV beispielsweise zahlen sie mehr ein, als sie beziehen: 2017 beteiligten sich EU-Staatsangehörige mit 26,5 Prozent an deren Finanzierung, bezogen aber nur 15,3 Prozent der Leistungen. Bei der Sozialhilfe ist die Bezugsquote hingegen leicht höher als bei Schweizerinnen und Schweizern: Bei EU-Ausländern liegt sie bei 2,9 Prozent, bei Inländern bei 2,2 Prozent. Die höchste Sozialhilfequote weisen mit 6,1 Prozent allerdings Ausländer aus Drittstaaten auf.

Portugiesen wandern ab

Über die Jahre veränderte sich laut Seco nicht nur die Anzahl zugewanderter Personen, sondern auch deren Herkunft. So stammten 2010 28 Prozent der Zugewanderten aus Südeuropa und 4 Prozent aus Osteuropa, der Rest verteilte sich auf west- und nordeuropäische Länder. 2019 stammten dagegen 39 Prozent aus Südeuropa und 13 Prozent aus Osteuropa, der Anteil der West- und Nordeuropäer sank auf 49 Prozent.

Eine Besonderheit stellt Portugal dar: Seit drei Jahren verlassen mehr portugiesische Staatsbürger die Schweiz, als dass neue dazukommen.

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