Zweifel

Neue Zweifel an Saab: Droht dem Gripen-Hersteller ein Grounding?

Ist der Gripen-Unterhalt gefährdet, wenn Saab Probleme bekommt?

Ist der Gripen-Unterhalt gefährdet, wenn Saab Probleme bekommt?

Ein schwedischer Militärexperte bezweifelt, dass Saab als kleinster Kampfjethersteller in der Lage sein werde, die Weiterentwicklung des Gripen bis ins Jahr 2050 sicherzustellen. Saab und das Schweizer Verteidigungsdepartement widersprechen.

Der Kampf um den Gripen ist noch nicht entschieden. Das Nein-Lager ist gemäss neusten Umfragen zwar immer noch leicht vorne. Doch die Befürworter holen auf. Entscheidend ist die Mobilisierung ganz am Schluss der Kampagne.

Just in dieser Schlüsselphase kommen neue Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Gripen-Herstellers Saab auf. Die Frage sei nicht ob, sondern wann und wie die kleine schwedische Luftwaffenindustrie restrukturiert werden müsse, schreibt Robert Dalsjö, schwedischer Militärexperte und Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften in Stockholm, in einem Beitrag für die Wirtschaftszeitung «Dagens industrie».

Schweden sei zu klein für eine eigene Kampfjetindustrie. Bereits heute werde Saab nur durch unsinnig hohe Bestellungen durch den schwedischen Staat am Leben gehalten. Falls die Gripen-Deals mit Brasilien und der Schweiz zustande kommen, sei dies keine Rettung, sondern nur eine Aufschiebung des Unausweichlichen.

Als mögliche Option nennt Dalsjö eine Fusion mit einem europäischen oder amerikanischen Konkurrenten oder gar die Auslagerung nach Brasilien. Indirekt deutet der Militärexperte an, was passieren würde, sollte Saab die Kampfjetproduktion ganz einstellen. Die Wartung der aktuellen Gripen-Flotte wäre zwar noch möglich, nicht aber deren Weiterentwicklung.

Für die Schweiz ist dies relevant. Sollte es dereinst keine Ersatzteile mehr geben oder sind keine technischen Upgrades mehr möglich, bleibt die Schweiz auf einem Flugzeug sitzen, das rasch veraltet.

Saab dementiert

Hakan Buskhe, CEO von Saab, reagierte auf den Beitrag des Militärexperten mit einem zweiseitigen Communiqué. Schweden sei ein hoch innovatives Land und Saab ein kerngesundes Unternehmen. «Wir haben bereits 66 Gripen exportiert. Sollten die Schweiz und Brasilien dem Kauf zustimmen, kommen 58 weitere Flugzeuge hinzu.»

Längerfristig gehe Saab gar von 300 weiteren Flugzeugen aus, die exportiert werden könnten. Die Diskussion über die Zukunft von Schwedens Kampfjets sei geprägt von Fehleinschätzungen, so der Topmanager. Saab produziere schon heute nicht ausschliesslich in Schweden.

Mit Brasilien etwa gebe es eine intensive industrielle Kooperation, die in beiden Staaten Arbeitsplätze schaffe. Buskhe schliesst mit der Bemerkung, «die Zukunft ist glänzend, das Interesse für Saab-Produkte war nie grösser als heute».

VBS: Vollstes Vertrauen

Das Verteidigungsdepartement in Bern (VBS) erinnert angesichts dieser innerschwedischen Debatte an die vertraglichen Vereinbarungen mit dem skandinavischen Land. Das VBS werde bei positivem Volksentscheid einen Beschaffungsvertrag mit der schwedischen Regierung abschliessen. «Diese garantiert der Schweiz über die ganze Lebensdauer den Gripen E.»

Der schwedische Staat habe angesichts der eigenen Bestellung von 70 Gripen jedes Interesse an der Zukunft von Saab. Nach Auffassung des VBS habe Saab tatsächlich gute Aussichten, weitere substanzielle Aufträge zu realisieren, «was nicht bei allen Kampfflugzeuganbietern der Fall ist».

Die Berner SP-Nationalrätin Evi Allemann, Mitglied der sicherheitspolitischen Kommission, ist von dieser Argumentation nicht überzeugt: «Die Schweiz hat keine Absicherung gegen das Risiko des Groundings von Saab.» Auch nach stundenlangen Anhörungen in der Kommission sei nicht klar geworden, welche konkreten Garantien die Schweiz bei einem Vertragsbruch habe. «Der Gripen-Kauf ist ein Risiko, das die Schweiz niemals eingehen darf.»

Anderer Ansicht ist FDP-Nationalrat Kurt Fluri: Nicht nur Saab, auch andere Rüstungsunternehmen könnten theoretisch aus dem Markt ausscheiden. Doch «bei Saab ist damit zu rechnen, dass Schweden diese Firma nicht untergehen liesse».

Das Risiko für die Schweiz sei daher gering. Das Restrisiko, so der freisinnige Sicherheitspolitiker, könne nicht abgesichert werden. Allerdings wäre dies auch bei den Konkurrenten von Saab der Fall.

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