Bergdietikon
«Neue Köpfe» in Bergdietikon

Bergdietikon steht Kopf: Gemeindeammann Paul Meier (FDP) ist als Gemeinderat nicht wiedergewählt worden. Dafür schafft das Bürger-Forum mit Gerhart Isler den Einzug in die Exekutive. Ob Isler in Stiller Wahl auch das Gemeindepräsidium übernehmen wird, hängt nun vor allem von der SVP an.

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Gerhart Isler

Gerhart Isler

Daniel Winter

Die Bergdietiker Stimmberechtigten haben die Karten in der Lokalpolitik am Wochenende neu gemischt. Der grosse Verlierer ist der amtierende Gemeindeammann Paul Meier (62): Der Freisinnige wurde nach 16 Jahren im Gemeinderat nicht wieder gewählt.

Der fünfköpfigen Exekutive, in der bisher drei FDP- und zwei SVP-Mitglieder sassen, gehört mit Gerhart Isler (59) neu ein Vertreter des Bürger-Forums an. Der ehemalige Verleger der «Finanz und Wirtschaft» ist denn auch der grosse Gewinner des Tages: Isler schaffte den Sprung in den Gemeinderat mit den viertmeisten Stimmen komfortabel.

Und nur wenig hat gefehlt, und er wäre auch zum Gemeindeoberhaupt gewählt worden: Mit 390 Stimmen verpasste Isler in der Ausmarchung um das Gemeindeammannamt das absolute Mehr von 403 Stimmen ganz knapp. Der Bisherige Paul Meier kam auf 366 Stimmen. Da er die Wiederwahl in den Gemeinderat verpasste, kann er bei einem allfälligen zweiten Wahlgang ums Präsidium aber nicht mehr antreten.

Zweiter neuer Name im Gemeinderat ist ein alter Bekannter: Der ehemalige Gemeindeschreiber Urs Spörri wurde mit den fünftmeisten Stimmen gewählt. Spörri war als Parteiloser von der SVP nominiert worden. Er trat auch mit der Unterstützung der FDP an, die den Sitz des zurücktretenden Thomas von Dach kampflos preisgab. Im Amt bestätigt wurden die Bisherigen Martin Kaufmann (SVP; auch als Vizeammann), Urs Vogel (SVP) und Brigitte Diggelmann (FDP). Mit den wenigsten Stimmen nicht gewählt wurde der zweite Kandidat des Bürger-Forums, Ferdinand Nietlispach (neu).

Paul Meier: «16 Jahre Herzblut»

Er sei «sehr enttäuscht», sagte Paul Meier am Sonntag auf Anfrage. Aber das Volk habe so entschieden. Offensichtlich habe die Kampagne des Bürger-Forums, das mit dem Slogan «Neue Köpfe und neue Ideen» angetreten war, gegriffen. Zudem habe die SVP die Kandidaten der FDP hängen lassen, so Meier. Das Ergebnis sei «eine unheilige Allianz» gewesen.

Für ihn gehe ein langes Kapitel zu Ende: «16 Jahre Herzblut für die Gemeinde.» Als Gemeinderat und Gemeindeammann habe er stets versucht, das Beste für Bergdietikon zu erreichen. Er könne sich denn auch nichts vorwerfen lassen. Anteil am Schicksal Paul Meiers nahm gestern nicht nur die FDP. Bedauern über die Abwahl äusserten auch der neue Gemeinderat Urs Spörri sowie SVP-Präsident Paul Boegli.

«Wir wollten einen frischen Wind reinbringen. Und viele Bergdietiker haben das mitgetragen», sagte Gerhart Isler nach dem Wahlerfolg. Es sei allerdings vermessen, bereits jetzt «mit konkreten Projekten zu kommen». Er habe Ideen, wolle aber erst einmal mit den anderen Gemeinderäten zusammensitzen und dann versuchen, die Projekte in diesem Rahmen anzupacken. Dem Bürger-Forum gehe es darum, dass die Behörden stärker für das Volk da seien und mehr informierten.

SEPP Zellweger in der FIKO

Mit dem ehemaligen Spitzenturner Sepp Zellweger (46) schaffte das Bürger-Forum auch den Sprung in die Finanzkommission (Fiko). In der Kampfwahl um die drei Sitze blieb Jürg Casparis (SVP, neu) als Viertplatzierter auf der Strecke. Gewählt wurden neben Zellweger der von der FDP vorgeschlagene Paul Monn (neu) und Sivio Knecht (SVP, neu). - In die Schulpflege gewählt wurden Regula Weidenmann (FDP, bisher), Françoise Oklé (FDP, bisher), Markus Rösli (SVP, bisher), Michael Huwiler (parteilos, neu) und Andreas Luchsinger (SVP, neu). Beatrice Valten (SVP, neu) schied überzählig aus. (liz)

Gerhart Isler: Gemeindeammann werden

Klar ist für Isler, dass er an seiner Kandidatur für das Gemeindeammannamt festhalten wird. Ein Verzicht zugunsten der SVP komme nicht in Frage. Der zweite Wahlgang ums Präsidium würde aller Voraussicht nach am 29. November stattfinden. Voraussetzung ist, dass mindestens zwei Bewerber ihre Ambitionen bis spätestens 7. Oktober offiziell anmelden. Antreten dürfen nur die fünf Personen, die am Wochenende in den Gemeinderat gewählt wurden. Bliebe es innerhalb der Nachmeldefrist bei einem Kandidaten, käme es zu einer Stillen Wahl.

Dies will SVP-Präsident Paul Boegli «wenn irgendwie möglich» verhindern, wie er gestern sagte. Er führe dazu mit seinen Gemeinderäten, allenfalls auch mit der FDP, Gespräche. Die Reaktionen der ersten Stunde lassen allerdings darauf schliessen, dass Boegli in den nächsten Tagen noch einige Überzeugungsarbeit wird leisten müssen. Urs Spörri sagte gestern bereits unmissverständlich Nein. Bleiben für die SVP noch Urs Vogel und Martin Kaufmann. Und auch bei ihnen gibt es derzeit viele Fragezeichen.