Armee
Neue Kampfmontur: Nur die Unterwäsche ist nicht unisex

Die Schweizer Armee kauft und baut für zwei Milliarden Franken – und legt sich eine neue Kampfmontur zu.

Henry Habegger
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Neue Kampfmontur der Schweizer Armee
4 Bilder
Auch Frau passt rein: «Kämpfer» mit vielen Taschen, kurz MBAS.
Die neue Montur an einer Puppe.
Die Ausrüstungsgegenstände einzeln präsentiert.

Neue Kampfmontur der Schweizer Armee

Keystone

In Halle P auf dem Waffenplatz Thun konnte der VBS-Funktionär am Dienstag auf Anfrage nicht ohne Stolz vermelden: «Wir haben es getestet. Sie passen hinein». Mit «sie» waren die weiblichen Armeeangehörigen gemeint. Das «hinein» bezog sich auf die neue Kampfbekleidung der Schweizer Armee.

Die Montur ist demnach zwar auf Männer ausgelegt, denn diese stellen immerhin noch über 99 Prozent der Truppe. Aber in das «Modulare Bekleidungs- und Ausrüstungssystem» können sich also auch weibliche Armeeangehörige zwängen. Das Teil, kurz MBAS genannt und in der Vollpackung bis zu 27 Kilogramm schwer, soll ab 2022 die Kampfbekleidung 90/06 ersetzen.

Das MBAS ist Teil der Armeebotschaft 2018, die das Verteidigungsdepartement (VBS) am Dienstag in Thun den Medien vorführte. Insgesamt gut 2 Milliarden Franken will VBS-Chef Guy Parmelin (SVP) dafür ausgeben.

Das VBS richtet mit der 2-Milliarden-Franken-Kelle an

Drei Gesamtkredite von total 2,053 Milliarden Franken umfasst die Armeebotschaft 2018, aufgeteilt in Rüstung (848 Mio.), Armeematerial (742 Mio.) und Immobilien (463 Mio.). So werden etwa die Transporthelikopter Cougar aufgepeppt. Für 420 Mio. gibts neues Material, so wird neue persönliche Ausrüstung beschafft. Für 39 Millionen wird eine Geheimanlage überholt und gehärtet. Zudem werden einige alte Systeme wie ein Teil der Tiger-Kampfjetflotte oder die Festungsartillerie ausgemustert. Das Geschäft muss noch vom Parlament abgesegnet werden. (hay)

Ausnahme Unterwäsche

Total unisex ist das MBAS aber dann doch nicht. Ein Teil der Ausrüstung ist auf den weiblichen Teil der Truppe abgestimmt. Frauen erhalten eine eigene Version der Unterwäsche, wie VBS-Vertreter erläuterten. Die Unterwäsche besteht wie bei den Männern in je einer Ausführung für den Sommer und den Winter. Letztere mit langärmligem Unterhemd.

Das neue Kampf-Outfit der Schweizer Armee. Der Soldat und die Soldatin erhalten künftig eine Unmenge an Material ausgehändigt. Den «Kämpfer» in einer Sommer- und Winterversion, Wind-, Regen- und Kälteschutz. Dazu Tragsysteme mit verschiedenen Tragvorrichtungen, unterschiedlich grossen Rucksäcken und einem Satz Taschen. Dann den kugelsicheren Körperschutz, der je nach Einsatzart unterschied- lich ausgestaltet werden kann. Dass der Körperschutz alleine 200 Millionen kostet, brachte am Dienstag die Sicherheitskommission (SIK) des Ständerats auf den Plan: Sie will vom Bundesrat nähere Erklärungen dazu haben.

Zum MBAS gehört auch ein gut 10 Millionen teures Trinksystem, das aus «Wasserbeutel, Trinkschläuchen und verschiedenen Adaptern für PET-Flaschen» besteht. «Die Shisha», bemerkte Rolf Siegenthaler, Planungschef der Armee, scherzhaft.

«Kämpfer» immer bleicher

Die Kampfanzüge erhalten ein neues Tarnmuster; sie werden immer bleicher. Vom weiland berühmten «Vier- fruchtpyjama» in den Farben Beige, Rot, Grün, Schwarz ist nicht mehr viel übrig: Das Rot fiel schon vor Jahren weg, und in der neusten Version fehlt auch das Schwarz. Grund laut dem Berufssoldaten, der die Kleidung vorführte: Schwarz machte vor allem zu Tarnung im Wald Sinn, aber der moderne Einsatz findet kaum mehr dort statt, sondern eher in urbaner Umgebung. Das neue Design nennt sich Multiumfeldtarnmuster 16.

Das MBAS wurde von Guy Parmelins Mannen selbst erfunden, jedenfalls sind sie geistiges Eigentum des VBS-Rüstungsarms Armasuisse. Stolze 377 Millionen Franken soll die Modulare Bekleidung und Ausrüstung kosten, gemäss Armeeangaben etwa «3000 Franken pro Person». Beschafft werden 115'000 MBAS-Sets. Genug für die künftig noch 100'000 Mann (und Frau) starke Truppe sowie die Umlaufreserve.

WTO-Ausschreibung folgt

Die Aufträge zur Fabrikation des MBAS werden WTO-konform ausgeschrieben. Der Grossteil davon dürfte daher dereinst aus dem Ausland zugeliefert werden, denn in der Schweiz gibt es laut den VBS-Experten keine Industrie mehr, welche die meiste Ware in derart grossen Stückzahlen konkurrenzfähig produzieren kann.

Die Ausrüstung eines Schweizer Rekruten:

Die Ausrüstung eines Rekruten. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
50 Bilder
Sturmgewehr 90
Die Pistole erhalten nicht alle Rekruten.
Effektentasche
Grundtrageeinheit
Kampfrucksack
Militärschokolade und -biscuits
Transporttasche mit -wagen
Sackmesser
Pamir
Kleidertasche für Tenü A
Tagesrucksack
Schlafsack
Rollmütze
Gamelle
Leuchtweste
Dienstbüchlein und Leistungsausweis
Erste-Hilfe-Set
Magazin für Sturmgewehr 90
Gebissschutz
Veston (Tenü A)
Helm
Ohrenpfropfen
Ausgängerhose mit Gurt (Tenü A)
Besteck
T-Shirt funktionell
Fleece-Jacke
Bajonett
Schuhputzzeug
Kampfstiefel Die neusten Kampfstiefel hat die Armee beim italienischen Unternehmen AKU geordert. Ihre Produktionsstätten befinden sich in Rumänien.
Lange Unterwäsche
Trinkflasche
Béret
Gewehrputzzeug
Gasmaske
Unterwäsche Boxershorts, Damenslips und Unterhosen bezieht die Armee bei der Fabrik Amrit Exports in Indien und bei zwei Schweizer Firmen, die wiederum in Osteuropa produzieren.
Gurt (Tenü A)
Gurt (Tenü B/C)
Regenschutz (verstaut)
Vom Tarnanzug gibt es zwei Sorten: Arbeitsanzug für ins Feld (Tenü C) und Dienstanzug (Tenü B) für das Einrücken und ausserdienstliche Anlässe.
Tarnhose mit Gurt und Beinelastik
Krawatte
Kälteschutzanzug
Fingerhandschuhe
Roll-Shirt funktionell
Gnägi-Hemden Als die Herstellung der legendären Rollkragenleibchen im Jahr 2003 aus der Innerschweiz ins Ausland ausgelagert wurde, hagelte es politische Proteste. Ohne Erfolg. Unterdessen wurden die Leibchen in verschiedenen Ländern hergestellt. Unter anderem in Thailand, Rumänien und Indien.
T-Shirt grün
Hemden Für die Lieferung von Hemden und Blusen vergab die Armasuisse jüngst einen Auftrag an die J. Weder-Meier AG in Diepoldsau SG. Wo die Kleidungsstücke produziert werden, ist jedoch nicht bekannt.

Die Ausrüstung eines Rekruten. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Keystone