Ein einziges Mal nur stand die 60-jährige BDP-Politikerin in diesem Jahr in den Schlagzeilen: Im März berichtete «Glanz & Gloria», Eveline Widmer-Schlumpf habe sich das Handgelenk gebrochen, als sie in Savognin neben ihrem das Skifahren erlernenden Enkel hergelaufen und im Schnee unglücklich gestürzt war. Ansonsten schaffte die 60-jährige Bündnerin, was sie sich bei ihrem Abschied aus dem Bundesrat vorgenommen hatte: «Ich bin froh, dass Sie sich jetzt auf jemand anderes konzentrieren können als auf mich», hatte sie am 28. Oktober 2015 zu den Journalisten gesagt, als sie deren wochenlanges Rätselraten über ihre Zukunft mit der Rücktrittsankündigung beendete. Man werde von ihr keine Kommentare zu politischen Themen hören, stattdessen werde sie «das Hüte-Konto für meine Enkelkinder etwas erhöhen».

15 000 Franken Honorar

Morgen Donnerstag wird Widmer-Schlumpf bei der Jahresversammlung in Bellinzona zur Präsidentin von Pro Senectute Schweiz gewählt und kehrt damit – zumindest ein Stück weit – in die Öffentlichkeit zurück. Auch als Chefin der Stiftung für Wohl, Würde und Rechte älterer Menschen freilich bleibt sich die frühere BDP-Magistratin treu: Medienanfragen beantwortet sie nicht – zu ihrem Amt äussern will sie sich weder diese noch nächste Woche. Erst Anfang April, wenn sie den bisherigen Präsidenten Toni Frisch anlässlich der grossen 100-Jahr-Feier von Pro Senectute in Bern endgültig ablöst, will sie ihre Ziele öffentlich machen.

Ihre engsten politischen Wegbegleiter sind dennoch überzeugt, dass Widmer-Schlumpf für ihren neuen Job im 20-Prozent-Pensum, für den sie jährlich gerade mal 15 000 Franken erhalten wird, prädestiniert sei. «Sie setzte sich schon als Politikerin stets für die Schwächeren ein», sagt der Bündner Alt-BDP-Nationalrat Hansjörg Hassler. «Ich bin mir sicher, dass sie sich bei Pro Senectute viel wohler fühlt, als sie es beispielsweise in einer Führungsaufgabe in der Hochfinanz täte.» Das Amt passe bestens zur Betreuung ihrer vier Enkel, der sie sich mit viel Herzblut widme.

Einsatz für «vierte Säule»

Auch BDP-Präsident Martin Landolt hält Widmer-Schlumpf für eine Idealbesetzung: «Sie wird die öffentliche Sichtbarkeit von Pro Senectute schlagartig erhöhen», prognostiziert er. Der Glarner glaubt nicht, dass sich Widmer-Schlumpf stark in die Debatte über die Altersvorsorge einmischen wird. Hingegen werde sie sich hoffentlich für einen Vorschlag starkmachen, den sie – noch in der Regierung – gemeinsam mit der BDP-Fraktion ausgearbeitet hatte: Jüngere Generationen sollen Hilfseinsätze für ältere Generationen leisten, indem sie für die Betagten einkaufen gehen, ihnen im Haushalt helfen oder etwas vorlesen. Diese Arbeitszeit wiederum würde den Freiwilligen gutgeschrieben, später hätten sie selber Anrecht auf kostenlose Unterstützung im selben Zeitumfang. So, ist die Kleinpartei überzeugt, könnte der Druck auf Vorsorge- und Betreuungseinrichtungen abgefedert werden, der durch den steigenden Anteil älterer Menschen entsteht.

In der Stadt St. Gallen wurde das Zeitvorsorgesystem bereits erfolgreich getestet, im Dezember wird sich das eidgenössische Parlament mit der BDP-Initiative beschäftigen. Unterstützung von Widmer-Schlumpf wird die jüngst bei kantonalen Wahlen gebeutelte Partei bitter benötigen, sprachen sich SVP und FDP in der Kommission doch klar gegen die «vierte Säule» aus.