Alles begann mit einer Diskussion in der Familie. «Wir beschlossen, dass wir unsere soziale Verantwortung wahrnehmen und etwas zur Integration von Flüchtlingen beitragen wollen», sagt Severin Baer.

Er ist Teilhaber und Geschäftsleitungsmitglied der Dietiker Transportfirma Planzer.

Im November 2015 erregte das Familienunternehmen schweizweit Aufsehen, als es bekannt gab, rund 100 Flüchtlinge ausbilden und anstellen zu wollen.

Die Reaktionen fielen sehr gemischt aus. Während es von der Branche und der Politik mehrheitlich Lob gab, kamen aus der Bevölkerung auch viele kritische Rückmeldungen. Die Angst: Flüchtlinge werden Schweizern Arbeit wegnehmen.

Stellen werden neu geschaffen

Nun spricht Baer erstmals seit der Ankündigung im November detaillierter über die Pläne des Unternehmens.

Ganz wichtig ist ihm: «Kein Flüchtling wird einer anderen Person den Job streitig machen.»

Die Ausbildungsplätze würden zusätzlich geschaffen und die rund 4200 bestehenden Arbeitsplätze und 200 Lehrstellen bei Planzer nicht tangieren.

«Heute läuft unser Betrieb mit den Leuten, die wir haben», stellt Baer klar. Ob sich dies in einigen Jahren ändern wird, könne er im Moment noch nicht sagen.

Dass es in der näheren Zukunft vor allem an Chauffeuren mangeln wird, ist ein wahrscheinliches Szenario – diese sind, wie Baer bestätigt, schon heute etwas schwieriger zu finden.

Im Jahr 2011 warnte der Schweizer Nutzfahrzeugverband Astag davor, dass innert zehn Jahren bis zu 25 000 Chauffeure fehlen werden.

Doch das ist nicht der Hauptgrund, wieso Planzer Ausbildungsplätze für Flüchtlinge schaffen will. Denn: Wer Chauffeur werden will, muss ausgezeichnet Deutsch sprechen.

Als das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum vor eineinhalb Jahren gemeinsam mit Astag ein Quereinsteigerprogramm für Chauffeure lancierte, stellte sich heraus, dass nur gerade 10 Prozent der Bewerber die Anforderungen erfüllten. Dem Rest fehlte es hauptsächlich an den nötigen Sprachkenntnissen.

Es ist daher unwahrscheinlich, dass sich viele der Flüchtlinge, die Planzer ausbilden wird, für den Chauffeurberuf eignen werden.

Sie sollen stattdessen in einer neu geschaffenen, einjährigen Integrationsanlehre ausgebildet werden, um später in den Bereichen Warenlager, Unterhalt oder Reinigung eingesetzt zu werden.

Danach erhalten sie ein Zertifikat und können entweder eine reguläre Lehre anhängen oder sich direkt im Arbeitsmarkt bewerben – bei Planzer oder einer anderen Firma.

Es gehe nicht darum, Billigjobs zu schaffen, sagt Baer: «Wir wollen die Leute fit machen für den Arbeitsmarkt, egal, ob bei uns oder anderswo.»

Zurzeit gebe es viele Flüchtlinge in der Schweiz, die wohl nie mehr in ihr Heimatland zurückkehren könnten. «Es ist wichtig, dass sie beschäftigt und integriert werden.»

Tatsächlich sind in der Schweiz zwei Drittel aller Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen arbeitslos. 83 Prozent sind gemäss Bundesamt für Statistik Sozialhilfebezüger.

Auch der SP-Politiker und Ökonom Rudolf Strahm findet, dies müsse sich dringend ändern: «Man kann bei uns nicht am Wohlstand teilhaben, ohne zu arbeiten», sagte er kürzlich zur Limmattaler Zeitung. Integration müsse über den Arbeitsmarkt laufen.

Start im Sommer geplant

In den letzten Monaten haben das Mittelschul- und Berufsbildungsamt des Kantons Zürich und Planzer gemeinsam die Rahmenbedingungen und Anforderungen für die neue Integrationslehre definiert.

Sie wird anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene, deren Deutschkenntnisse ungefähr auf Level A2 sind, in die Bereiche Beruf, Bildung und Gesellschaft einführen. Während der Ausbildung werden sie zudem weiterhin Sprachkurse besuchen.

Aufseiten Planzer sei man bereit und hoffe, die Integrationslehre schon im Sommer mit dem ersten Klassenzug starten zu können, sagt Baer.

Beim Kanton Zürich gibt man sich ebenfalls zuversichtlich, dass dies möglich sein wird, wie Marc Kummer, Chef des Mittelschul- und Berufsbildungsamts, auf Anfrage sagt: «Die Vorbereitungen laufen. Zurzeit sind wir an der Ausarbeitung des Programms.»

Die von Planzer und dem Kanton Zürich erarbeiteten Grundlagen sollen danach auch anderen Unternehmen in der Branche zur Verfügung stehen, die bereit sind, Flüchtlinge auszubilden.

Planzer begrüsst dies explizit: «Wir wollen keinen separaten Zug fahren», sagt Baer. Kummer betont zudem, das Mittelschul- und Berufsbildungsamt sei auch an der Zusammenarbeit mit anderen Kantonen und Institutionen interessiert.