Herzchirurgie

Nach Skandal: St.Galler Kardiologen verweigern Zusammenarbeit mit Whistleblower vom Unispital Zürich

Herzoperationen lässt das Kantonsspital St.Gallen meistens vom Herzzentrum des Unispitals Zürich ausführen – oft mit eigenen Ärzten im Team.

Herzoperationen lässt das Kantonsspital St.Gallen meistens vom Herzzentrum des Unispitals Zürich ausführen – oft mit eigenen Ärzten im Team.

Der St.Galler Spitaldirektor und die Chefs der Kardiologie nehmen Stellung zu den skandalösen Vorgängen am Universitätsspital Zürich. Sie sprechen dem unter Verdacht beurlaubten Herzklinikdirektor Francesco Maisano ihr Vertrauen aus – und verweigern die Zusammenarbeit mit dem Arzt, der als Whistleblower die Vorwürfe gegen Maisano publik machte.

Für Operationen am offenen Herzen werden St.Galler Patientinnen und Patienten mehrheitlich ins Zürcher Universitätsspital (USZ) eingeliefert: Das Kantonsspital St.Gallen ist der bedeutendste Zuweiser der dortigen Klinik für Herzchirurgie. Umso besorgter verfolgen die Verantwortlichen in St.Gallen die skandalösen Vorgänge beim wichtigsten Herzklinik-Partner.

Sie ergreifen dabei klar Partei für den beurlaubten Klinikdirektor Francesco Maisano und verweigern die Zusammenarbeit mit dem entlassenen und nun wieder eingestellten leitenden Arzt, der als Whistleblower die Vorwürfe publik machte. Dies belegen zwei Schreiben, die unserer Zeitung vorliegen.

Dem Gegenspieler schon früher Patienten verweigert

Der jüngste Brief datiert vom 22. Juli und betrifft den Gegenspieler von Maisano. Die St.Galler Herzspezialisten halten den wieder am USZ tätigen Kollegen offensichtlich für unfähig. Jedenfalls habe man schon «vor der ganzen Whistleblower-Krise» dem damaligen Leiter Francesco Maisano (und zuvor bereits dessen Vorgänger Volkmar Falk) mitgeteilt,

Die Details der Begründung könne man «gerne mündlich besprechen», heisst es im kurzen Schreiben an den interimistischen Zürcher Herzklinikdirektor Paul Vogt. Unterzeichnet haben der St.Galler Spitaldirektor Daniel Germann, der Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Hans Rickli, sowie die leitenden Ärzte Philipp Haager und Daniel Weilenmann.

«Die Qualität der Zusammenarbeit stetig verbessert»

Trotz der laufenden universitären, politischen und strafrechtlichen Untersuchungen hatten die St.Galler Spitalchefs bereits am 5. Juni klar gestellt, auf wessen Seite sie stehen. In einem längeren Schreiben an den CEO des Universitätsspitals Zürich, Gregor Zünd, äusserten sie «grosses Bedauern» über die Presseartikel in den beiden Zürcher Tageszeitungen:

Im Gegenteil habe sich «die Qualität der Zusammenarbeit stetig verbessert» und es herrsche im Bereich der strukturellen Eingriffe «eine hervorragende Kooperation mit gemeinsamen OP-Teams». Und auch im Bereich der «klassischen» Herzchirurgie bestehe «auf einer partnerschaftlichen Basis eine gute Zusammenarbeit».

Ein «wesentliches Verdienst für diese sehr erfreuliche Entwicklung» liege bei Professor Maisano und seinem Team, der in der kardiovaskulären Szene eine der einflussreichsten Persönlichkeiten sei. Zwei leitende Ärzte vom KSSG hätten von Maisanos CAS-Kursen profitieren dürfen.

«Versorgung ist zu 100 Prozent gewährleistet»

«Es liegt uns fern, zu den USZ-internen Aspekten Stellung zu nehmen», heisst es im Schreiben der St.Galler. Doch wolle man der Sorge Ausdruck verleihen,

Irritiert nehme man in St.Gallen vom Untersuchungsbericht der Kanzlei Wyss Kenntnis, «in der andere Fachabteilungen (...) die Art der Zusammenarbeit unterminieren wollen». Ein Weggang von Maisano und seinem Team würde laut der St.Galler Kardiologie «einen erheblichen Verlust für das Universitätsspital, die Universität Zürich und den Standort Schweiz bedeuten».

KSSG steht zu den Aussagen

Die Stellungnahme der St.Galler im eskalierten Zürcher Herz-Machtkampf spricht für sich. Man wolle die beiden Schreiben derzeit nicht weiter kommentieren, sagt KSSG-Mediensprecher Philipp Lutz. Im Wissen, dass solche Briefe publik werden könnten, stehe man zu den Aussagen. Die Zusammenarbeit mit dem «Hauptpartner» USZ laufe abgesehen von der Affäre im «courant normal»:

Dafür sorgen massgeblich zwei St.Galler Kardiologen, die mehrmals wöchentlich bei den Eingriffen in Zürich mitwirken und zu 20 Prozent mit der Teamarbeit am USZ beschäftigt sind. Dabei geht es um jährlich 120 bis 130 kathedergestützte Eingriffe, wie für den Aortaklappenersatz.

Überlegungen zu eigener Herzchirurgie in St.Gallen

Der Unmut der St.Galler Kardiologen über die Vorgänge in Zürich könnte einer eigenen Herzchirurgie neuerlich Auftrieb geben. Die St.Galler Regierung hatte das zuletzt von freisinniger Seite forcierte Ansinnen 2018 klar abgelehnt.

Spitalsprecher Lutz schliesst nicht aus, dass nach Ende des bis 2022 laufenden Leistungsauftrags entsprechende Überlegungen angestellt werden könnten. Jährlich dürften 400 bis 500 St.Galler auswärtige Herzoperationen nötig haben, wovon mehr als die Hälfte am USZ – eine Herzenssache, die nun auf dem Prüfstand steht.

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