Superspreader

Nach Coronafall im «Flamingo» und «Plaza»: ID-Pflicht in Zürcher Clubs

Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli informiert über die Sicherstellung Contact Tracing bei Besucher und Besucherinnen von Clubs. (Archivbild)

Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli informiert über die Sicherstellung Contact Tracing bei Besucher und Besucherinnen von Clubs. (Archivbild)

Um das Contact-Tracing bei Coronafällen in Zürcher Clubs sicherzustellen, müssen diese die Identitätskarten und Handynummern ihrer Gäste kontrollieren. Dies gaben Regierungsrätin Natalie Rickli (SVP) und Kantonsärztin Christiane Meier am Mittwoch vor den Medien bekannt.

"Die Bars und Clubs begrüssen das", sagte Rickli. Von einer Schliessung des Flamingo-Clubs, in dem kürzlich ein Superspreader mehrere Besucher angesteckt hatte und danach Gästelisten mit falschen Angaben an die Gesundheitsdirektion abgegeben wurden, sehe man aber vorerst ab. 

Erfassen müssen die Clubs nun Namen und Postleitzahlen aller Gäste, zudem deren Handynummern und E-Mail-Adressen, wie Christian Schuhmacher von der Rechtsabteilung der Gesundheitsdirektion sagte. "Die Clubs müssen die Identität der Besucher beim Einlass prüfen", und zwar anhand der ID oder sonst eines amtlichen Ausweises. Auch die Handynummer müsse überprüft werden. Dies gehe durch Anruf des Türstehers, aber auch über Ticketing-Systeme, wenn die Gäste den Vorverkauf nutzen.

Name, Vorname, Postleitzahl, Handynummer, Email und ID müssen künftig kontrolliert werden

Name, Vorname, Postleitzahl, Handynummer, Email und ID müssen künftig kontrolliert werden

Christian Schuhmacher, Leiter der Rechtsabteilung, teilte mit, dass ab Freitag folgende Daten aufgenommen und kontrolliert werden: Name, Vorname, Postleitzahl, Handynummer, Email und ID. Denn nur so könne ein effizientes Contact Tracing durchgeführt werden.

Zudem müsse ein Clubvertreter ständig erreichbar sein und innert zwei Stunden die Gästelisten übermitteln können, so Schumacher. Der Datenschutz sei durch die Clubbetreiber zu gewährleisten.

"Es muss funktionieren", sagte Schumacher. "Clubs sind ein Hotspot für die Ausbreitung von Covid-19". Im Flamingo-Club werde die Gesundheitsdirektion am Donnerstag überprüfen, ob er ein entsprechendes Ticketing-System habe. Clubs, die die Auflagen nicht erfüllen, drohe die Schliessung.

39 neue Coronafälle innerhalb eines Tages gab es am Mittwochmittag bereits im Kanton Zürich, sagte Rickli. Das Contact-Tracing werde mit zunehmenden Fallzahlen immer schwieriger. "Ich erwarte, dass es auch heute wieder rund 50 neue Fälle sein werden", sagte Kantonsärztin Meier. Pro Fall müssten zehn, zwanzig Kontaktpersonen erreicht werden, ergänzte Rickli. Reichen die Ressourcen? "Wir sind gefordert", so Meier. "Das schaffen wir, aber wir mussten die Arbeitszeiten massiv ausdehnen." Derzeit seien 20 bis 25 Contact-Tracer im Einsatz, darunter auch Polizisten.

Flamingo und Plaza bewusst nicht gleich behandelt

Wie die Behörden mit Coronafällen in Clubs umgehen, hängt jeweils von den genauen Umständen ab. "Von einem Superspreader reden wir, wenn eine Person an einem Anlass über zwei Leute anstecken kann", erklärte Meier. Dann würden sämtliche Besucher des Anlasses für zehn Tage in Quarantäne geschickt, wie im Fall Flamingo. Dafür könne der Kanton eine Anordnung ausstellen, die auch der Arbeitgeber zur berücksichtigen habe. Wenn keine Ansteckungen bekannt seien, würden die Besucher lediglich per E-Mail aufgefordert, sich vorsichtig zu verhalten, wie bei der Swiss-Covid-App auch. So gingen die Behörden mit Besuchern einer Party im Club Plaza an, bei der eine infizierte Person war, aber nach jetzigem Stand niemand angesteckt wurde.

Rickli für Maskenpflicht im öV

Auch ausserhalb der Clubs gibt es Coronagefahrenherde, etwa, wenn es im öffentlichen Verkehr eng wird. "Wir müssen eine Maskenpflicht im öV haben", sagte Meier. "Jeder muss sich so verhalten, als ob er ansteckend wäre." Auch Regierungsrätin Rickli sprach sich für die Maskenpflicht im öV aus. Der Regierungsrat als Gremium sei aber dagegen. Wenn, dann müsste die Maskenpflicht allerdings bundesweit eingeführt werden, fügte Rickli an.

In Clubs sei es hingegen wohl nicht realistisch, dass Masken getragen würden. In Restaurants, wo man mit Bekannten zusammensitze und zu allen anderen eineinhalb Meter Abstand habe, sei dies nicht nötig. Aus Restaurants seien nicht viele Ansteckungen bekannt.

Die meisten Ansteckungen gebe es in der Familie, am Arbeitsplatz, vermehrt auch in Clubs und bei Reiserückkehrern, so Kantonsärztin Meier.

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