Kirchen

Muslime, Juden und Christen schon bald in ein und derselben Kirche?

Den Kirchen in der Schweiz geht es finanziell nicht gut. Doch was sollen sie dagegen unternehmen? Den Vorschlag einer Dreifachnutzung lehnen die Kircheninstitutionen geschlossen ab.

Nicht nur der Rückgang der Mitglieder, sondern auch die schwindende Zahl der praktizierenden Gläubigen machen den Kirchen zu schaffen. Gemäss einer Berechnung des Zürcher Kirchenrates sind zwei Drittel der Kirchen in der Stadt Zürich überflüssig. Doch wie soll der Glaube mit so wenigen Kirchen funktionieren? Katrin Martelli, ex-Stadträtin von Zürich, schlug eine Dreifachnutzung vor: Freitags sollen die Muslime, Samstags die Juden und Sonntags die Christen ein und dieselbe Kirche nutzen. Wie stehen die Kircheninstitutionen im Aargau und Basel zu dieser Idee?

«Gewisse Sachen sind nicht kompatibel»

Für «nicht möglich» hält diesen Vorschlag Claudia Bandixen, Präsidentin der reformierten Landeskirche Aargau. Die Kirche sei ein Indentitätsstiftender Ort, und «so unterschiedliche Religionen können nicht vereinigt werden». Mehr noch; jede der drei Religionen würde bei einer solchen Variante verlieren, da alle ein Stück weit gleich gemacht würden. «Gewisse Sachen in einer Religion sind nicht kompatibel», so Bandixen, entsprechend seien auch die Kirchen gestaltet.

Wie steht man in Basel zum Vorschlag, der Stadt mit einer der höchsten Kirchendichte? Christoph Sterkman, Bischofsvikar vom Bistum Basel, das auch für den Aargau, Solothurn und Bern zuständig ist, betont, dass eine Mehrfachnutzung der Kirchen nichts neues sei: «Schon früher wurden Kirchen - sogenannte paritätische Kirchen - mehrfach genutzt, gerade in Untertanengebieten, beispielsweise im Thurgau.» Doch steht auch er dem Vorschlag Martellis abweisend gegenüber, da die Gemeinschaften (Moslime, Juden, Christen) eine solche Dreifachnutzung gar nicht wünschten.

«Scheitern am Konkreten»

«Hervorragend» findet den Peter Preisinger, Sekretär des reformierten Kirchenrats Basel-Stadt den Vorschlag - nicht aber in einer bestehenden Kirche, sondern in einem neu eingerichteten Zentrum für Religionen. «Die Umsetzung müsste vom Staat aus erfolgen und das Gebäude müsste neu errichtet werden», doch in einem bestehenden Gebäude sei dies nicht möglich «dafür sind die Religionen zu verschieden».

Auch Xaver Pfister-Schölch, Informationsverantwortlicher der römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt gibt Martellis Vorschlag wenig Chancen: «Das würde scheitern am Konkreten». Zudem verlören auch die Juden viele Mitglieder, warum es fraglich sei, ob sie sich an einer Kirche beteiligen wollen. So wie früher hingegen will das Problem wohl niemand lösen. Damals wurde bei einer Mehrfachnutzung einer Kirche eine Trennmauer mitten durch das Kirchenschiff gezogen.

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