Comeback

Mit 69 zurück auf Feld 1: Ex-FDP-Präsident Fulvio Pelli will wieder Lokalpolitiker werden

Fulvio Pelli gehörte lange zu den bekanntesten Gesichtern des Freisinns.

Fulvio Pelli gehörte lange zu den bekanntesten Gesichtern des Freisinns.

Fulvio Pelli war nationaler FDP-Präsident, Nationalrat und Bundesratskandidat. Nun bewirbt er sich bei den Gemeindewahlen von Lugano um einen Sitz im Gemeinderat.

Im Jahr 2014 ist Fulvio Pelli als Nationalrat zurückgetreten und hat sich von der aktiven Politik verabschiedet. Doch nun gibt der ehemalige FDP-Nationalpräsident und promovierte Anwalt ein überraschendes Comeback – auf Gemeindeebene. Bei den Tessiner Gemeindewahlen vom kommenden 5.April kandidiert er auf der freisinnigen Liste für den Gemeinderat in seiner Heimatstadt Lugano. «Ich habe mein ganzes Leben der FDP gewidmet, und jetzt, da meine Partei in Schwierigkeiten ist, möchte ich unterstützend wirken», sagt Pelli, der in diesen Tagen seinen 69. Geburtstag feiert. Er präzisiert aber umgehend:

So werde er keinesfalls Einsitz in Kommissionen nehmen. Die Schwierigkeiten, die Pelli anspricht, betreffen sowohl die Tessiner FDP als auch die städtische FDP. Bei den Eidgenössischen Wahlen 2019 verloren die Tessiner Freisinnigen in einer historischen Stichwahl ihren angestammten Ständeratssitz; bei den kantonalen Wahlen im vergangenen April misslang die Rückeroberung eines zweiten Staatsratssitzes. Die Tessiner FDP muss seit Jahren Niederlagen wegstecken und erscheint momentan führungslos.

Dazu kommt: In Lugano hat soeben der junge FDP-Vize-Stadtpräsident Michele Bertini angekündigt, im April nicht mehr für eine Kandidatur zur Verfügung zu stehen. Dabei hatten viele das Politiktalent, eine Art Pierre Maudet in Tessiner Version, schon als künftigen Stadtpräsidenten gesehen. Für seinen Entscheid war auch parteiinterner Streit verantwortlich. Die Konsequenz: Lugano, über Jahrzehnte eine freisinnige Hochburg, wird wohl für weitere vier Jahre unter der Ägide von Lega-Stadtpräsident Marco Borradori bleiben.

Mehrach als Bundesratskandidat im Gespräch

Für Fulvio Pelli ist die Gemeindelegislative eine Rückkehr zu den eigenen politischen Anfängen. Vor genau 40 Jahren, 1980, begann hier seine politische Karriere mit den klassischen Stationen: Gemeinderat, Kantonsrat, Fraktionschef, und schliesslich (von 1995 bis 2014) Nationalrat. Er präsidierte die Freisinnig-Demokratische Fraktion der Bundesversammlung, war dann Präsident der FDP, die er mit den Liberalen zusammenführte. Es gelang ihm, die Partei zu stabilisieren und den Wählerschwund zumindest zu bremsen. Wiederholt war Pelli als Bundesrat im Gespräch, doch seine offiziellen und inoffiziellen Kandidaturen scheiterten.

Pelli hat die Politik im Blut und das liberale Credo in den Genen. Sein Vater Ferruccio war 16 Jahre lang FDP-Stadtpräsident von Lugano, seine Grossmutter kämpfte für Frauenrechte. Pelli war stets ein rationaler und sehr überlegter Politiker; eher das Gegenteil von einem südlichen Hitzkopf. Manchmal wurde ihm deshalb Arroganz nachgesagt. «Aber das ist falsch, er ist einfach reserviert und scheu», meinte seine Frau Claudia anlässlich von Pellis Rücktritt aus dem Nationalrat 2014 in einem Interview.

Unbestritten ist seine jahrzehntelange Erfahrung im Politikgeschäft. Und genau diese Erfahrung will er nun weitergeben. «Wir haben bei der jungen Generation in unserer Partei eine Krise», stellt er fest, «einige steigen schnell auf, doch bei einer frustrierenden Erfahrung geraten sie auch schnell in Schwierigkeiten». Pelli will ihnen das politische Geschäft erklären und zeigen, Niederlagen zu verkraften. Dass er sich nach einer nationalen Karriere wieder in Lugano auf Gemeindeebene engagieren will, ist für ihn überhaupt kein Widerspruch: «Ich liebe diese Stadt, auch wenn ich viel Zeit meines Lebens weit weg war.»

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