Schweizer Tierschutz
Misshandelte oder schlecht gehaltene Tiere – der Aargau kommt sehr schlecht weg

Der Schweizer Tierschutz (STS) ist alarmiert: Zwischen Juni 2016 und Mai 2017 sind 216 Meldungen betreffend Misshandlungen oder ungenügender Haltung von Tieren eingegangen – der Kanton Aargau kommt schlecht weg.

Nora Güdemann
Drucken
Teilen
Schweizer Tierschutz: Beispiele schlimmer Fälle
13 Bilder
Kanton Waadt Dem Schweizer Tierschutz STS wurde eine Schafhaltung im Kanton Waadt gemeldet. Nach Aussage der Person, die den Fall meldete, blieben die Tiere auch im Sommer bei grosser Hitze tagelang ohne Wasser. Die Tiere seien dehydriert und litten an Gleichgewichtsstörungen. Neugeborene Lämmer seien in einem sehr kritischen Zustand gefunden worden und wären nach qualvollem, langem Leiden gestorben. Der Besitzer würde verantwortungslos auf Bemerkungen reagieren und mache Aussagen wie, er würde die Tiere an einer anderen Stelle halten, wo niemand sie sehen könne. Dieser Fall wird aktuell von den Behörden untersucht.
Kanton Genf Bei einem Besuch in einem Erlebnishof im Kanton Genf konnte der STS zahlreiche Verstösse gegen das Tierschutzgesetz feststellen: zu kleine Gehege und Boxen, die Nager hatten keine Objekte zum Nagen zur Verfügung, Einzelhaltung, ohne Artgenossen, Volieren ohne Sitzstangen in unterschiedlicher Dicke und Ausrichtung, kein Sand zur Aufnahme und keine Naturäste, in den Hühnerställen fehlten Nester. Beim Besuch war gerade ein Lama aus seinem Gehege entlaufen und befand sich auf der Strasse. Ein totes Huhn lag inmitten der anderen Hühner. Es lag mindestens 36 Stunden im Hühnerstall, bevor es entfernt wurde. In den Kaninchenställen wurden tote Kaninchen gefunden. Sie hatten die Kälte und den Wind, denen sie schutzlos ausgesetzt waren, nicht überlebt. Es wurde Strafanzeige erstattet.
Zahlreiche Meldungen erhielt der Schweizer Tierschutz über Hunde in Zwingerhaltung. Dieser junge deutsche Schäferhund wurde während mehrerer Tage beobachtet. Er wurde allein in einem Zwinger gehalten, hatte so gut wie nie Auslauf und es mangelte an Bewegung, Sozialkontakten und Beschäftigungsmöglichkeiten. Hunde leiden stark unter Isolation und Einsamkeit.
Zahlreiche Meldungen erhielt der Schweizer Tierschutz über Hunde in Zwingerhaltung. Diese drei Jagdhunde wurden in einem gesetzeskonformen Zwinger gehalten und bekamen ihren Besitzer nur 5 bis 10 Minuten pro Tag zu Gesicht, wenn er ihnen das Futter gab. Diesen Hunden fehlte der Sozialkontakt mit Menschen, ausserdem hatten sie tagsüber keine Beschäftigungsmöglichkeit.
Zahlreiche Meldungen erhielt der Schweizer Tierschutz über Hunde in Zwingerhaltung. Drei Huskys wurden in einem isolierten Zwinger auf einer Obstwiese gehalten, damit sie die Nachbarschaft nicht durch ihr Bellen stören konnten. Der Besitzer hätte sich um einen der Hunde, der alt und krank war, mehr kümmern müssen.
Zahlreiche Meldungen erhielt der Schweizer Tierschutz über Hunde in Zwingerhaltung. Zwei Jagdhunde wurden ständig in einem Zwinger gehalten, der nicht die gesetzlich vorgeschriebene Mindestgrösse hat. Der Boden war voller Exkremente, was auf den fehlenden Auslauf der Hunde hindeutet.
Kanton Graubünden Der STS erhielt eine Meldung aus dem Kanton Graubünden betreffend die Haltung von Kühen und Kälbern, die scheinbar den ganzen Winter angebunden und ohne Auslauf im Stall stehen. Laut Gesetz müssen Rinder in Anbindehaltung an mindestens 30 Tagen während der Winterfütterungsperiode regelmässig Auslauf haben.
Kanton Freiburg Zwei Ponys im Kanton Freiburg wurden ständig auf einer Koppel gehalten. Bei einem Besuch vor Ort konnte der STS feststellen, dass die Tiere weder über einen Unterstand zum Schutz vor schlechtem Wetter noch über einen trockenen Ruheplatz verfügten.
Kanton Waadt Dieser traditionelle Schweinemastbetrieb im Kanton Freiburg gewährte seinen Tieren nicht genug Tageslicht.
Kanton Solothurn Der STS erhielt eine Meldung über einen Betrieb mit Milchkühen im Kanton Solothurn, in dem immer einige Tiere lahmten. Bei einem Besuch vor Ort stellte der STS fest, dass die Bodenhygiene im Stall zu wünschen übrig liess und die Klauen der Kühe, die nur vom Besitzer selbst gepflegt wurden, in einem sehr schlechten Zustand waren. Die Kühe lahmten und einige trugen Verbände.
Kanton Luzern Der STS erhielt ein Foto aus dem Kanton Luzern von einem Kaninchengehege, in dem drei Hühner gehalten wurden. Ausgehend vom Foto konnte man nicht sagen, ob die Haltung tierschutzkonform war.
Kanton Jura Die Hunde seien laut STS unter katastrophalen Hygienebedingungen gehalten worden. Die Matratzen, Wände und Böden waren überzogen von Schmutz, Exkrementen und Erbrochenem. Das Futter der Hunde war von Würmern befallen. Der Besitzer kümmerte sich allein um seine 37 Hunde und schien mit ihrer Anzahl überfordert zu sein.

Schweizer Tierschutz: Beispiele schlimmer Fälle

Schweizer Tierschutz

Die meisten Fälle werden dem Schweizer Tierschutz aus dem Kanton Bern gemeldet. Das geht aus dem Jahresbericht des Schweizer Tierschutzes hervor. Mit 36 Meldungen führt Bern die Liste an, auf zweitem Platz folgt der Aargau mit 22 Fällen, Platz drei belegen Solothurn und Zürich mit je 20 Fällen.

Anzahl Meldungen pro Kanton

Anzahl Meldungen pro Kanton

Schweizer Tierschutz

"Die Meldungen, die eingehen, variieren sehr stark. Sie betreffen zum einen die Haltungsbedingungen: zu kleiner Auslauf, schlechte Hygiene, kein Tageslicht. Aber zum anderen oft auch die Tiere selbst oder unangebrachtes Verhalten des Besitzers gegenüber seinen Tieren", schreibt der STS im Jahresbericht, den sie am Mittwoch veröffentlicht hat. "Gelegentlich wissen die Personen nicht, ob es sich um einen Fall für den Tierschutz handelt und kontaktieren uns, um unsere Meinung zu hören."

Der Tierschutz führe unangekündigte Besuche vor Ort durch, um die gemeldete Situation besser zu beurteilen zu können oder um mit dem Besitzer über die Mängel zu sprechen. Sollte ein Fall gegen das Tierschutzgesetz verstossen, ist es die Aufgabe des Tierschutzes, ihn den Behörden zu melden. Im vergangenen Jahr wurden 50 Fälle an die kantonalen Veterinärämter weitergereicht.

In dieser Grafik sehen Sie, bei welcher Tierart am meisten Misshandlungen beanstandet wurden und warum:

Der Schweizer Tierschutz wird in den Kantonen durch Sektionen vertreten. Das sind beispielsweise Tierheime, die die verwahrlosten Tiere aufnehmen. Im vergangenen Jahr wurden dort 17'912 Tiere abgegeben.

Der Tierschutz vermittelt die Tiere entweder an neue Besitzer weiter, oder gibt diese an den alten Halter zurück. "Für 67% der Tierheim-Tiere konnte im Jahr 2016 ein neues Zuhause gefunden werden", schreibt der Tierschutz.

Über 160'000 Katzen kastriert

Seit 22 Jahren kümmert sich der Tierschutz ausserdem um die Kastration verwildeter Katzen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 9862 Katzen kastriert, seit Beginn der Kastrationsaktionen weit über 160'000.

Schweizweite Beispiele gravierender Fälle:

Schweizer Tierschutz: Beispiele schlimmer Fälle
13 Bilder
Kanton Waadt Dem Schweizer Tierschutz STS wurde eine Schafhaltung im Kanton Waadt gemeldet. Nach Aussage der Person, die den Fall meldete, blieben die Tiere auch im Sommer bei grosser Hitze tagelang ohne Wasser. Die Tiere seien dehydriert und litten an Gleichgewichtsstörungen. Neugeborene Lämmer seien in einem sehr kritischen Zustand gefunden worden und wären nach qualvollem, langem Leiden gestorben. Der Besitzer würde verantwortungslos auf Bemerkungen reagieren und mache Aussagen wie, er würde die Tiere an einer anderen Stelle halten, wo niemand sie sehen könne. Dieser Fall wird aktuell von den Behörden untersucht.
Kanton Genf Bei einem Besuch in einem Erlebnishof im Kanton Genf konnte der STS zahlreiche Verstösse gegen das Tierschutzgesetz feststellen: zu kleine Gehege und Boxen, die Nager hatten keine Objekte zum Nagen zur Verfügung, Einzelhaltung, ohne Artgenossen, Volieren ohne Sitzstangen in unterschiedlicher Dicke und Ausrichtung, kein Sand zur Aufnahme und keine Naturäste, in den Hühnerställen fehlten Nester. Beim Besuch war gerade ein Lama aus seinem Gehege entlaufen und befand sich auf der Strasse. Ein totes Huhn lag inmitten der anderen Hühner. Es lag mindestens 36 Stunden im Hühnerstall, bevor es entfernt wurde. In den Kaninchenställen wurden tote Kaninchen gefunden. Sie hatten die Kälte und den Wind, denen sie schutzlos ausgesetzt waren, nicht überlebt. Es wurde Strafanzeige erstattet.
Zahlreiche Meldungen erhielt der Schweizer Tierschutz über Hunde in Zwingerhaltung. Dieser junge deutsche Schäferhund wurde während mehrerer Tage beobachtet. Er wurde allein in einem Zwinger gehalten, hatte so gut wie nie Auslauf und es mangelte an Bewegung, Sozialkontakten und Beschäftigungsmöglichkeiten. Hunde leiden stark unter Isolation und Einsamkeit.
Zahlreiche Meldungen erhielt der Schweizer Tierschutz über Hunde in Zwingerhaltung. Diese drei Jagdhunde wurden in einem gesetzeskonformen Zwinger gehalten und bekamen ihren Besitzer nur 5 bis 10 Minuten pro Tag zu Gesicht, wenn er ihnen das Futter gab. Diesen Hunden fehlte der Sozialkontakt mit Menschen, ausserdem hatten sie tagsüber keine Beschäftigungsmöglichkeit.
Zahlreiche Meldungen erhielt der Schweizer Tierschutz über Hunde in Zwingerhaltung. Drei Huskys wurden in einem isolierten Zwinger auf einer Obstwiese gehalten, damit sie die Nachbarschaft nicht durch ihr Bellen stören konnten. Der Besitzer hätte sich um einen der Hunde, der alt und krank war, mehr kümmern müssen.
Zahlreiche Meldungen erhielt der Schweizer Tierschutz über Hunde in Zwingerhaltung. Zwei Jagdhunde wurden ständig in einem Zwinger gehalten, der nicht die gesetzlich vorgeschriebene Mindestgrösse hat. Der Boden war voller Exkremente, was auf den fehlenden Auslauf der Hunde hindeutet.
Kanton Graubünden Der STS erhielt eine Meldung aus dem Kanton Graubünden betreffend die Haltung von Kühen und Kälbern, die scheinbar den ganzen Winter angebunden und ohne Auslauf im Stall stehen. Laut Gesetz müssen Rinder in Anbindehaltung an mindestens 30 Tagen während der Winterfütterungsperiode regelmässig Auslauf haben.
Kanton Freiburg Zwei Ponys im Kanton Freiburg wurden ständig auf einer Koppel gehalten. Bei einem Besuch vor Ort konnte der STS feststellen, dass die Tiere weder über einen Unterstand zum Schutz vor schlechtem Wetter noch über einen trockenen Ruheplatz verfügten.
Kanton Waadt Dieser traditionelle Schweinemastbetrieb im Kanton Freiburg gewährte seinen Tieren nicht genug Tageslicht.
Kanton Solothurn Der STS erhielt eine Meldung über einen Betrieb mit Milchkühen im Kanton Solothurn, in dem immer einige Tiere lahmten. Bei einem Besuch vor Ort stellte der STS fest, dass die Bodenhygiene im Stall zu wünschen übrig liess und die Klauen der Kühe, die nur vom Besitzer selbst gepflegt wurden, in einem sehr schlechten Zustand waren. Die Kühe lahmten und einige trugen Verbände.
Kanton Luzern Der STS erhielt ein Foto aus dem Kanton Luzern von einem Kaninchengehege, in dem drei Hühner gehalten wurden. Ausgehend vom Foto konnte man nicht sagen, ob die Haltung tierschutzkonform war.
Kanton Jura Die Hunde seien laut STS unter katastrophalen Hygienebedingungen gehalten worden. Die Matratzen, Wände und Böden waren überzogen von Schmutz, Exkrementen und Erbrochenem. Das Futter der Hunde war von Würmern befallen. Der Besitzer kümmerte sich allein um seine 37 Hunde und schien mit ihrer Anzahl überfordert zu sein.

Schweizer Tierschutz: Beispiele schlimmer Fälle

Schweizer Tierschutz

Der Thurgauer Quäl-Hof:

Mit Bildern wie diesem hat eine ehemalige Mitarbeiterin Anklage gegen den verurteilten Tierquäler erhoben. Zahlreiche Pferde waren bis auf die Knochen abgemagert.
17 Bilder
Die Polizei sichert die Tiere vom Hof von Ulrich K., der wegen der Quälerei von Pferden unter Verdacht steht.
Der Hof wurde abgesperrt.
Auch die Armee hilft bei der Räumaktion.
Bilder des Abtransports.
Der Hof des Thurgauer Tierquälers wird geräumt
Kantonstierarzt Paul Witzig, Regierungsrat Walter Schoenholzer und Polizeikommandant Kapo Thurgau Juerg Zingg, von links, informieren an der Pressekonferenz ueber die Arbeit der Taskforce Pferdehaendler K
Kantonstierarzt Paul Witzig, Regierungsrat Walter Schoenholzer und Polizeikommandant Kapo Thurgau Juerg Zingg, von rechts, informieren an der Pressekonferenz ueber die Arbeit der Taskforce Pferdehaendler K.
Die Polizei sichert den Hof von Ulrich K.
Die Polizei sichert den Hof von Ulrich K.
Polizeikommandant Kantonspolizei Thurgau Juerg Zingg informiert an der Pressekonferenz der Taskforce Pferdehaendler K.

Mit Bildern wie diesem hat eine ehemalige Mitarbeiterin Anklage gegen den verurteilten Tierquäler erhoben. Zahlreiche Pferde waren bis auf die Knochen abgemagert.

Verein gegen Tierfabriken (VgT)

Im August wurden auf einem Thurgauer Hof mehrere verwahrloste, abgemagerte und sogar tote Pferde gefunden.

Geschändetes Kälbchen im Aargau:

Anfang März diesen Jahres hat sich ein Unbekannter in einen Stall in Obermumpf geschlichen und ein Kalb geschändet. Der Stallbesitzer fand das Tier am nächsten Morgen verstört auf dem Boden liegend vor. Die Aargauer Kantonspolizei konnte einen Erfolg verbuchen: "Intensive Ermittlungen führten in den vergangenen Tagen zu einem Jugendlichen aus der Region." Er sei geständig.

Welpe Diego in Baumstrunk ausgesetzt:

Er war gerade mal acht Wochen alt: Diego wurde im März 2016 von einem Wildhüter in einem Baumstumpf gefunden. Jemand hatte ihn dort ausgesetzt.

Wallach Latino war halb verhungert:

Anfang Juli 2016 wird Latino beschlagnahmt.
5 Bilder
Er ist stark abgemagert.
Kopie von Aargauer Tierhalterin vernachlässigt ihr Pferd Wallach Latino
Dank einer neuen Besitzerin und medizinischer Hilfe konnte er wieder aufgepäppelt werden.
Er kann sogar wieder leicht geritten werden.

Anfang Juli 2016 wird Latino beschlagnahmt.

Aargauischer Tierschutzverein

Eine Pferdebesitzerin behandelte ihren Wallach derart schlecht, dass sich der Aargauische Veterinärdienst dem Fall annahm. Trotz finanzieller und gesundheitlicher Probleme wehrte sich die Halterin vehement dagegen, das Tier aufzugeben.

Aktuelle Nachrichten