Kommentar

Miet-Debakel des Bundes muss untersucht werden

Der Deza-Hauptsitz in der Berner Agglomeration.

Der Deza-Hauptsitz in der Berner Agglomeration.

Für ein Bürogebäude zahlt der Staat mehr als doppelt so viel Miete wie marktüblich. Der Kommentar.

Er ist der Traum jedes Vermieters: Ein treuer Mieter, der für den Quadratmeter doppelt so viel Zins zahlt wie marktüblich. Der eine Jahresmiete von fast 10 Millionen Franken locker hinblättern kann. Und der sich erst noch auf einen 20-Jahres-Vertrag einlässt. Ein wahrer Renditetraum. Die Affiche darf nicht einfach als Ausprägung des Immobilienmarktes abgetan werden. Denn der Mieter ist in diesem Fall der Bund. Es geht um unser Steuergeld. Für einen Bürokomplex in Bern-Ausserholligen hat die Eidgenossenschaft einen Mietvertrag mit äusserst ungünstigen Konditionen abgeschlossen. Recherchen zeigen: Eine Kaskade von Fehlentscheiden hat dazu geführt, dass im Gebäude in den vergangenen Jahren Millionen an Steuerfranken verlocht worden sind.

Die Angelegenheit wird als Einzelfall dargestellt. Der Bund will die Kosten in den Griff bekommen, bald aus der Miethölle ausziehen. Alles paletti also? So einfach darf man es den Bundesimmobilienmanagern nicht machen – immerhin verwalten sie eines der grössten Gebäudeportfolios im Land.

Nicht zum ersten Mal gibt es Ungereimtheiten. Auch die Finanzkontrolle entdeckte welche: Zuerst monierte sie einen zu grosszügigen Umgang mit dem Platz in einem Verwaltungspalast. Dann konnte sie nachweisen, dass dem Bund schlicht die Gesamtsicht über seine Immobilien fehlt. Für die parlamentarischen Aufseher dürfte es sich lohnen, das Immobilienwesen des Bundes genauer zu durchleuchten. Es braucht eine gründliche Aufarbeitung.

Autor

Sven Altermatt

Sven Altermatt

Meistgesehen

Artboard 1