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Zuerst ein heftiger Streit, dann die Versöhnung – und jetzt stellt Publizist Markus Somm den Moderator Reto Brennwald beim «Nebelspalter» an

In einer Talkshow gerieten sie sich dermassen in die Haare, dass nachträglich eine Szene herausgeschnitten wurde. Jetzt hat Markus Somm den Moderator Reto Brennwald aber für das neue Onlineportal des «Nebelspalters» verpflichtet. Brennwald leitet dort eine wöchentliche Talkshow.

Francesco Benini
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Markus Somm (links) und Reto Brennwald.

Markus Somm (links) und Reto Brennwald.

Key/Montage: CH Media

Es ist eine Geschichte wie aus einer amerikanischen Seifenoper: Moderator Reto Brennwald und Publizist Markus Somm stritten sich Anfang Februar in der Sendung «Sonntagszeitung Standpunkte» so heftig, dass nachträglich eine Szene aus der Talkshow herausgeschnitten wurde. Somm war dermassen aufgebracht, dass er am Ende der Aufzeichnung zu Brennwald sagte: «Du kannst dir einen anderen Stammgast suchen.»

Dann sprachen sich die beiden aus. Und das Medienunternehmen Tamedia, das die «Sonntagszeitung Standpunkte» produziert, teilte mit: Somm bleibe Stammgast.

Jetzt hat Somm Brennwald eine Stelle angeboten – und Brennwald nimmt die Offerte an. Im März lanciert Somm das neue Online-Portal des «Nebelspalters». Brennwald erklärt auf Anfrage: «Ich freue mich sehr, dass ich für Nebelspalter.ch eine wöchentliche Talkshow moderieren darf.»

Somm und Brennwald stehen sich politisch nahe

Der Moderator betont, dass ihm das Mandat die «vollständige redaktionelle Unabhängigkeit garantiere», insbesondere was die Gästeauswahl und die Themen betreffe.

Brennwald steht Somm politisch nahe – beide haben eine Affinität zur SVP. Als Moderator der «Arena» lud Brennwald SVP-Exponenten viel häufiger in die Talkshow ein als Vertreter anderer Parteien. Sowohl in Bundesbern als auch in der SRF-Zentrale am Leutschenbach zog der Moderator darum Unmut auf sich. Brennwald fühlte sich ungerecht behandelt und verteidigte sich mit dem Hinweis, dass er ausgewogen moderiere. 2015 machte er sich selbständig.

Im vergangenen Herbst landete Brennwald einen Erfolg mit dem Dokumentarfilm «Unerhört!», in dem vor allem sogenannte Coronaskeptiker zu Wort kommen. Die Argumente gegen den Lockdown, die man im Film hört, sind zum Teil die gleichen, die Somm in seinen Texten vorbringt.

Wenig Satire, viel Politik auf dem Portal Nebelspalter.ch

Die «Sonntagszeitung Standpunkte» wird Brennwald trotz des Engagements beim «Nebelspalter» weiter moderieren. «Es steht Reto Brennwald frei, andere Mandate anzunehmen», sagt Tamedia-Sprecherin Nicole Bänninger.

Mit der von Brennwald geleiteten Talkshow zeigt Somm, dass auf Nebelspalter.ch nicht nur das geschriebene Wort gepflegt wird. Die Satire – bisherige Domäne des «Nebelspalters» – macht auf dem Online-Portal künftig nur rund 20 Prozent der Inhalte aus. 80 Prozent sind für Recherchen und Analysen vorgesehen, vor allem zur Schweizer Politik.