Wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in einem Bulletin berichtet hat, herrscht in der Schweiz und im ganzen europäischen Raum eine Knappheit an Impfstoffen für Säuglinge und Kleinkinder. Unter anderem mangelt es an den Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus und der Kombination gegen Mumps-Masern-Röteln.

Gerade der Masern-Impfstoff Priorix fehlt zurzeit. Einige Ärzte müssten so die Impfungen aufschieben, bis wieder Impfstoff vorhanden ist, wie Rolf Temperli, Vorstand des Fachverbands Kinderärzte Schweiz, gegenüber dem «Tagesanzeiger» sagt. Besonders unpassend ist die Knappheit, da der Bund momentan eine Kampagne zur Elimination der Masern führt.

Grund für die Engpässe sind laut dem BAG die langen Produktions- und Prüfzeiten von teilweise über 18 Monaten, aber auch die höheren Anforderungen der Qualitätskontrollen. Wenn nur eine geringe Abweichung vorhanden ist, müssen ganze Chargen von teilweise mehreren hunderttausend Dosen vernichtet werden.

Internationale Nachfrage

Aber auch die internationale Nachfrage steigt stetig. Über 60 Prozent der Impfstoffe werden auf dem Dritte-Welt-Markt verkauft, wie Urs Kientsch vom Pharmaunternehmen GSK gegenüber dem «Tagesanzeiger» sagt. Auch, dass Novartis sich vom Impfgeschäft zurückzieht, führe dazu, dass man bei Engpässen nicht auf andere Firmen zurückgreifen könne.

Die ersten Impfstoffe dürften bereits diese Woche wieder verfügbar sein, für andere kann es aber bis 2016 dauern. Um künftig solche Mängel zu verhindern, wird nun ein Pflichtlager eingerichtet. Bis das fertiggestellt ist, kann es aber noch zwei bis drei Jahre dauern. Das BAG empfiehlt den Ärzten unterdessen alternativen Impfstoffen mit ähnlichen Wirkungen. (hug)