Verkehrssünder

Lombardi, Mörgeli und Co.: Das sind die Schweizer Unfallpolitiker

Philipp Müller ist längst nicht der einzige Parlamentarier, der sich eines Verkehrsvergehens schuldig machte. Besonders «Alkohol am Steuer» ist schon manchem Schweizer Politiker zum Verhängnis geworden - mit unterschiedlichen Folgen.

Filippo Lombardi (Ständerat CVP, TI): Er ist – zumindest in jüngerer Vergangenheit – der notorischste aller Schweizer Verkehrssünder mit politischem Amt. Der gravierendste Vorfall ereignete sich im April 2005 im zürcherischen Horgen, als er auf der Autobahn während eines Überholmanövers ins Schleudern geriet und ein anderes Auto seitlich rammte. Lombardi hatte zum Tatzeitpunkt mindestens 0.6 Promille Alkohol im Blut. Kein Einzelfall: Nicht weniger als sechs Mal musste er zuvor bereits seinen Führerausweis abgeben. Das Gericht zeigte nach dem Horgener Fall dennoch Milde: Es verzichtete auf eine unbedingte Gefängnisstrafe und rettete dem Präsidenten des Hockeyclubs HC Ambrí-Piotta damit seine politische Karriere. Seine Eskapaden schadeten Lombardi in der Folge kaum – auch weil er sich während Jahren nur noch mit einem Fahrer ins Auto setzte. Seit Januar 2014 ist er Fraktionspräsident der CVP – und wird mittlerweile sogar als potenzieller Nachfolger von Bundesrätin Doris Leuthard gehandelt, sollte sie dereinst zurücktreten.

Marc F. Suter (alt Nationalrat FDP, BE): Noch mehr Alkohol im Blut hatte der frühere Berner Nationalrat Marc F. Suter im April 2003. Auf der Rückfahrt seiner eigenen Geburtstagsfeier missachtete er eine temporäre Sperrung auf der Autobahn und geriet auf frisch aufgetragenen Strassenbelag. Als ihn die Polizei ins Röhrchen blasen liess, zeigte der Wert 1.3 Promille an. Suter kam mit einer Busse davon, dazu gesellte sich aber der politische Schaden. Nicht zuletzt wegen dieses Verkehrsvergehens wurde er 2003 aus dem Nationalrat abgewählt und – nachdem er kurz vor den nächsten Wahlen nachrücken konnte – 2007 erneut nicht bestätigt. Als er 2010 Johann Schneider-Ammanns Nationalratssitz hätte erben können, verzichtete er von sich aus.

Christoph Mörgeli (Nationalrat SVP, ZH): Glück im Unglück hatte SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli. Mit rund 40 Kilometern pro Stunde prallte er im Dezember 2008 in einen Lieferwagen. Er musste mit der Rega ins Spital geflogen werden und blieb acht Wochen hospitalisiert. Bleibende Schäden zog er nicht davon. Mörgeli gab zu Protokoll, dass die Morgensonne ihn geblendet habe. Später wurde bekannt, dass der SVP-Parteistratege seinen Fahrausweis für einen Monat abgeben musste und eine geringe Busse bezahlen musste – weil er zum Unfallzeitpunkt nicht angegurtet war.

François Lachat (alt Nationalrat CVP, JU): Der Jurassier sass ab 1995 im Nationalrat für die CVP und war zum Zeitpunkt seines Autounfalls gar Vize-Fraktionspräsident der Partei. Im August 2003 verlor er im jurassischen Pruntrut – angetrunken, mit überhöhter Geschwindigkeit und nicht angegurtet – die Herrschaft über seinen BMW. Die Staatsanwaltschaft bestrafte Lachat mit einer Geldstrafe in der Höhe von 560 Franken – und die Bevölkerung mit der Abwahl aus dem Parlament.

Valérie Garbani (alt Nationalrätin SP, NE): Die Neuenburger Politiker ist kein Kind von Traurigkeit: 2008 wurde sie zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt, weil sie Polizisten beschimpft und bedroht hatte. Fünf Jahre zuvor erwischten sie die Beamte zudem mit 1.1 Promille Alkohol im Blut. Sie musste den Führerausweis für zwei Monate abgeben und erhielt eine Busse aufgebrummt. Politisch wurde Garbani hingegen nicht unmittelbar bestraft: Sie schaffte 2003 die Wiederwahl in den Nationalrat, ein Jahr später wählte sie die Bevölkerung gar in den Regierungsrat. Nach einem weiteren Zwischenfall in einer Neuenburger Disco mit erneuter Gewalt gegen Beamte trat sie 2009 aus der Neuenburger Regierung aus.

Erich Hess (Grossrat SVP, BE): Der streitbare Berner Lokalpolitiker stiess im Mai 2009 mit seinem Wagen frontal in ein anderes Auto. Niemand wurde dabei ernsthaft verletzt, aber dem Jungpolitiker wurde ein Alkoholgehalt von 0.9 Promille nachgewiesen. Hess musste das Billett auf der Stelle abgeben. Pikant: Hess ist von Beruf Lastwagenfahrer. Und: Das Unfallauto gehörte gar nicht ihm, sondern seinem Parteifreund Thomas Fuchs.

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