Elmar Ledergerber

Ledergerber in der Kritik

Rollenkonflikt: Ex- Stadtpräsident Elmar Ledergerber (Bild: Susi Bodmer)

Ledergerber

Rollenkonflikt: Ex- Stadtpräsident Elmar Ledergerber (Bild: Susi Bodmer)

Trotz seiner neuen Rolle als Tourismusförderer darf Elmar Ledergerber die Stadt Zürich weiterhin im Verwaltungsrat der Flughafenbetreiberin Unique vertreten.

Oliver Steimann

Die Wiederwahl war reine Formsache. Am 30. April hat die Unique-Generalversammlung alle Verwaltungsräte im Amt bestätigt, darunter auch Elmar Ledergerber als offizieller Vertreter Zürichs. Die Stadt besitzt derzeit 5,03 Prozent des Aktienkapitals und ist nach dem Kanton (33,36 Prozent) zweitgrösste Aktionärin. Ledergerber sass ab 1998 bereits im VR der Unique-Vorgängerin FIG (Flughafen Immobilien Gesellschaft). Wählen lassen musste er sich nicht, denn die Stadt verfügte damals über ein Delegationsrecht. Dies änderte sich, als die FIG später mit der Flughafendirektion fusionierte. Als Vertreter des Stadtrats blieb Ledergerber im Unique-VR allerdings unumstritten. Bis heute.

«Affront für die Bevölkerung»

Seit eben diesem 30. April ist Ledergerber nicht mehr Mitglied der Stadtregierung, sondern Präsident von Zürich Tourismus. Für Marcel Savarioud, SP-Gemeinderat und Präsident des Vereins Zürich Nord gegen Fluglärm (ZGF), lassen sich diese Rollen nicht unter einen Hut bringen. «Ich kann diesen Entscheid, der nicht kommuniziert wurde, weder nachvollziehen noch goutieren», sagt er. Die fluglärmgeplagte Bevölkerung Schwamendingens werde dies als Affront empfinden. «Er ist in der Verpflichtung, die einseitigen Interessen von Zürich Tourismus zu vertreten. Diese Interessen sind nicht deckungsgleich mit denjenigen der Bevölkerung nach mehr Ruhe und mehr Sicherheit.»

Auch Daniel Leupi, Fraktionschef der Grünen im Zürcher Gemeinderat, ist nicht sonderlich glücklich. «In seiner neuen Funktion wird ihm der Incoming-Tourismus besonders wichtig sein. Deshalb wird er sich wohl kaum für eine Plafonierung der Flugbewegungen einsetzen.» Der Alt-Stadtpräsident habe allerdings auch früher zu dieser Haltung tendiert, so Leupi.

Ähnliche Töne sind von der EVP zu hören. Fraktionspräsident Ernst Danner ist der Ansicht, dass Ledergerber nicht als ganzheitlicher Vertreter der Interessen der Stadt Zürich betrachtet werden könne. «Die Stadt sollte meines Erachtens als Minderheitsaktionärin darauf drängen, wieder mit einem Stadtrat im Unique-VR vertreten zu sein.» Ledergerber selbst hat kürzlich in einem Interview erklärt, dass er sein Mandat unter anderem behalte, um seine ehemaligen Ratskollegen entlasten zu können. Nat Bächtold, Sprecher des Zürcher Präsidialdepartements, präzisiert: «Es ist langjährige Praxis, dass austretende Mitglieder ihre Mandate auch nach dem Ausscheiden noch während höchstens zwei Amtsdauern fortführen.» So werde eine gewisse Kontinuität sichergestellt.

Meistgesehen

Artboard 1