Leasing
Hertz vermietet Autos jetzt auch mit einem GA für den ÖV – die SBB erhoffen sich davon mehr Kunden

Wegen der Coronakrise schränken viele Menschen ihre Mobilität ein. Autovermieter leiden – und setzen auch auf den öffentlichen Verkehr, um neue Kunden zu gewinnen.

Stefan Ehrbar
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Wie fortbewegen? Das fragen sich in der Coronakrise viele (Symbolbild).

Wie fortbewegen? Das fragen sich in der Coronakrise viele (Symbolbild).

Getty

Die Coronakrise sorgt für leere Strassen und Züge. Auf der Autobahn A1 bei Würenlos waren in den ersten zwei Februarwochen 21 Prozent weniger Fahrzeuge unterwegs als in der gleichen Periode im Jahr 2019, wie Daten des Bundes zeigen. Bei den SBB waren die Züge im Fernverkehr in der ersten Februarwoche im Vergleich zum Vorjahr nur zu 45 Prozent ausgelastet, im Regionalverkehr zu 55 Prozent. Viele Pendler bleiben im Homeoffice, aber auch der Freizeitverkehr hat abgenommen.

Das trifft insbesondere jene, die von der Mobilität der Menschen leben – etwa die Autovermieter. Sie leiden doppelt, schliesslich fehlen ihnen neben inländischen Kunden auch die Touristen. Um Kunden zu gewinnen, gehen sie nun neue Wege. Hertz setzt dabei auf den öffentlichen Verkehr.

Unsichere sollen angesprochen werden

Mit einem Angebot namens «Minilease Plus», das diese Woche lanciert wurde, kombiniert der Autovermieter den öffentlichen Verkehr und das Auto. Während einer Laufzeit von vier Monaten erhalten Kunden ein Mietauto und ein GA der 2. Klasse. In der günstigsten Autokategorie kostet das Angebot 999 Franken pro Monat, inbegriffen sind 1500 Freikilometer und Zusatzfahrer.

Hertz-Marketingchef Roberto Delvecchio sagt: «Mit dem neuen Angebot wollen wir jene ansprechen, die wegen der Coronakrise noch unsicher sind, wie sie sich in Zukunft fortbewegen wollen.» Minilease Plus richte sich gleichermassen an Familien, WG's und Single-Haushalte. Letztere könnten für den gleichen Preis bis zu acht Monate unterwegs sein – indem sie zuerst für vier Monate das Auto fahren und danach für vier Monate das GA aktivieren.

SBB hofft auf neue Kunden

Eine SBB-Sprecherin sagt, die Bahn habe Kenntnis von dieser Aktion und verkaufe die Generalabos zu normalen Konditionen an Hertz. «Das Angebot richtet sich an Personen, die heute kein GA besitzen», so die Sprecherin. «Wenn es dank dem Paket aus Individualverkehr und ÖV gelingt, Kundinnen und Kunden von Hertz für den nachhaltigen öffentlichen Verkehr zu gewinnen, stützen wir dieses Vorhaben natürlich.»

Die Kombination mit dem ÖV ist neu. Dass Autovermieter ihre Autos auch für längere Zeit ausleihen, allerdings nicht. Die Coronapandemie helfe diesem Angebot, sagt Hertz-Marketingchef Delvecchio. Es seien mehr Leute darauf gestossen. «Sie sind affiner für solche Modelle geworden.» Das günstigste Auto kostet bei Hertz derzeit 749 Franken pro Monat mit 4000 Freikilometern.

Auto ab 395 Franken pro Monat

Auch andere Autovermieter wollen auf diese Art Kunden gewinnen – und unterbieten Hertz teils deutlich. Bei «Enterprise Minilease» gibt es ein Auto der kleinsten Kategorie ab 420 Franken pro Monat. Sixt bietet seit dieser Woche ein Abo ab 499 Franken namens Sixt+, in dem allerdings nur 500 Kilometer inkludiert sind – jeder weitere kostet 38 Rappen.

Noch günstiger sind Angebote von Auto-Anbietern wie Carvolution, Clyde oder Upto. Sie konnten dank Corona stark wachsen und verzeichneten teils bis zu sieben Mal mehr Bestellungen. Der Anbieter Flatdrive gibt einen Skoda Fabia für 395 Franken pro Monat ab, beim Marktführer Carvolution gibt es einen Seat Ibiza ab 425 Franken pro Monat. Allerdings sind in diesen Angeboten deutlich weniger Kilometer inbegriffen als bei den Autovermietern – bei Flatdrive etwa 900 Kilometer, bei Carvolution 850 pro Monat.

Auch Auto-Hersteller mischen mit

Kunden können auch dort grössere Kilometerpakete kaufen, die aber den Preis nach oben treiben. Eine Anpassung der Freikilometer beim erwähnten Angebot von Carvolution auf 3250 pro Monat erhöht den Preis um über 200 Franken pro Monat. Hinzu kommt, dass einige Anbieter von Auto-Abos auch Fahrzeuge abgeben, die bereits einige Monate, teils aber auch über ein Jahr alt sind. Autovermieter hingegen setzen auf jüngere Flotten.

Mittlerweile mischen neben Autovermietern und Abo-Anbietern auch die Autohersteller selbst im Markt mit den Mieten mit. So bietet etwa Toyota unter dem Namen «Toyota Rent» ein Abo an, BMW arbeitet seit kurzem mit einem externen Anbieter für das «BMW-Abo» zusammen und Volvo will das eigene Abo-Angebot namens «Care by Volvo» in die Schweiz bringen. Damit reagieren die Hersteller auf die Krise im Automarkt: Im letzten Jahr wurden so wenige Autos neu zugelassen wie seit den 70er-Jahren nicht mehr, und eine rasche Besserung ist nicht in Sicht. Auch im Januar wurden 20 Prozent weniger Autos neu zugelassen als im «bereits unterdurchschnittlichen Vorjahresmonat», wie Auto Schweiz mitteilte.