Kommentar zum DNA-Profil-Gesetz
Der CSI-Effekt im Bundeshaus: Wie um die DNA-Analyse der Zukunft falsche Vorstellungen entstanden sind

Der Nationalrat will den Ermittlern mehr Möglichkeiten bei der Auswertung von DNA-Spuren geben. Was das bringt.

Andreas Maurer
Andreas Maurer
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Helden im Labor: Horatio (David Caruso, rechts) und Tim (Rory Cochrane) in der Krimiserie CSI Miami.

Helden im Labor: Horatio (David Caruso, rechts) und Tim (Rory Cochrane) in der Krimiserie CSI Miami.

CBS

Früher war es der Sherlock-Holmes-Effekt, heute ist es der CSI-Effekt. Er entsteht, wenn Krimiserien wie CSI Miami beim Publikum übertriebene Erwartungen an die Ermittlungstechnik auslösen. So ist die Vorstellung entstanden, dass sich durch die Auswertung einer DNA-Spur ein Fahndungsbild erstellen liesse. In den USA gibt es inzwischen Labore, welche diese Dienstleistung tatsächlich anbieten. Doch damit wurde noch kein Fall aufgeklärt. Die Methode ist zu ungenau.

Der CSI-Effekt prägt die Debatte um das DNA-Profil-Gesetz, das der Nationalrat jetzt überarbeitet hat. Gegner, die vor einem Eingriff in Grundrechte warnen, und Befürworter, die von Ermittlungserfolgen träumen, machen denselben Fehler. Sie haben übertriebene Erwartungen an die DNA-Analyse der Zukunft. Der Bundesrat ist dafür selber verantwortlich. Sein Bundesamt für Polizei preist die neue Methode in einem Erklärvideo an, das einer Krimiserie nachempfunden ist und einen Durchbruch in der Polizeiarbeit verspricht.

So preist das Bundesamt für Polizei die DNA-Analyse der Zukunft an.

Fedpol

Die Zukunft wird weniger aufregend sein. Nach einem Vergewaltigungsfall wie in Emmen oder einem Mordfall wie in Rupperswil wird die Polizei nur wenig mehr wissen als heute. Sie wird zum Beispiel mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent sagen können, dass der Täter braune Haare, grüne Augen und eine helle Hautfarbe haben könnte. Zudem könnte er womöglich aus Europa und um die 40 Jahre alt sein. Das ist besser als nichts – aber auch nicht mehr.