Kommentar
Prämienverbilligungen sind kein Allerheilmittel

Der Prämienschock trifft die Schweiz mit voller Wucht: Um durchschnittlich 6,6 Prozent steigen die Krankenkassenprämien auf nächstes Jahr. Bund und Kantone versprechen, den Effekt mit Verbilligungen zu bekämpfen. Das ist längerfristig keine Lösung.

Alexander von Däniken
Alexander von Däniken
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Das Fieber des Schweizer Krankenversicherungswesens steigt. Durchschnittlich 334 Franken pro Monat kosten die Krankenkassenprämien nächstes Jahr – ein Aufschlag um satte 20 Franken. Das setzt nicht nur Geringverdienende gehörig unter Druck, sondern wegen der Teuerung zunehmend auch den Mittelstand.

Die Begründung des Bundesrats für den hohen Anstieg ist nur teilweise schlüssig: Dass die Pandemie gekostet hat und wegen ihr verschiedene Leistungen verschoben worden sind, ist am ehesten nachvollziehbar. Die älter werdende Bevölkerung und zu teure Medikamente sind aber längst bekannte Ursachen und erklären die steigenden Prämien nicht allein.

Der Reformdruck war bis jetzt zu klein, um das Kostenwachstum bei den Prämien zu bremsen. Wenig Anlass zur Hoffnung gibt auch Alain Bersets Aussage, den neusten Anstieg mit mehr Prämienverbilligungen abzufedern. Das Instrument hat sich bis jetzt bewährt, verfehlt aber das Ziel, wenn der Kreis der Bezügerinnen und Bezüger ständig ausgeweitet werden muss. So würde der Reformdruck nur noch schwächer.

Mut machen könnte der Blick auf die Zentralschweizer Kantone und die beiden Appenzell, wo die Prämien mit nicht einmal 290 Franken pro Monat noch auf einem erträglichen Niveau sind. Aber auch hier steigen sie. Befürchtet wird nun, dass sie sich überregional angleichen – nach oben. Vielleicht braucht es aus diesen Regionen mehr Druck, um den Reformstau zu lösen. Ganz sicher braucht es ein System, in dem die Macht der Krankenkassenverbände eingeschränkt wird.