Kommentar
Bundesratswahl: Die Grünen wirken allzu zögerlich

Wollen die Grünen einen Sitz in der Schweizer Landesregierung erobern oder nicht? Die Partei wartet ab, nicht zum ersten Mal.

Francesco Benini
Francesco Benini
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Überlegt gründlich: Balthasar Glättli, der Präsident der Grünen.

Überlegt gründlich: Balthasar Glättli, der Präsident der Grünen.

KEYSTONE

Es gibt nur eine Partei, die nach dem Rücktritt von Ueli Maurer der SVP den zweiten Sitz im Bundesrat streitig machen kann. Das sind die Grünen. Und was tun sie nun? Sie denken nach.

Es trifft zwar zu, dass die Aussichten auf Erfolg gering sind. Die SVP hat den grössten Wähleranteil im Land. Und bei den anderen Parteien ist die Lust auf Experimente ein Jahr vor den nationalen Wahlen gering.

Die Grünen kamen 2019 auf 13,2 Wählerprozente und platzierten sich damit vor der Mitte. Sie haben seither in kantonalen Wahlen Sitze hinzugewonnen. Wenn die Partei nun nicht versucht, einen Platz in der Landesregierung zu erringen, würde das von fehlendem Kampfgeist zeugen.

Eine Partei muss den Konkurrenzkampf auch dann suchen, wenn ihre Kandidaten den Mitbewerbern wahrscheinlich unterliegen. Das hat niemand besser vorgemacht als die SVP. Sie stürzte sich in einige aussichtslose Wettkämpfe, bis sie den zweiten Sitz im Bundesrat gewonnen hatte.

Die Grünen scheinen allzu verzagt. Wie schon 2019 könnten sie das Momentum verpassen. Damals zögerte die Parteichefin Regula Rytz ihre Bundesratskandidatur so lange hinaus, bis man nicht mehr sicher war: Will sie wirklich gewählt werden? Ist es das Ziel der Grünen, einen ihrer Exponenten im Bundesrat zu haben, ja oder nein? Wenn sie nun wieder zaudern, signalisieren sie damit der Öffentlichkeit: Sie wissen es nicht.