Ein fünfjähriges Mädchen fährt mit seiner älteren Schwester in Schaffhausen mit dem Bus. Sie wissen, wo ein- und aussteigen, die zehnjährige Schwester hat ein Jahresabo. Alles gut. Nicht ganz. Das kleine Mädchen wird wegen Schwarzfahrens mit 100 Franken gebüsst. Zwar fahren in der ganzen Schweiz Kinder bis sechs Jahre gratis mit Zug und Bus, aber nur in Begleitung eines Erwachsenen – und erwachsen ist man laut der Tarifbestimmung 600 erst mit zwölf Jahren. Die kleine Schwester war also unbegleitet ohne Billett unterwegs, dafür wurde sie gebüsst. Die Kindergärtnerin musste diesen Tatbestand dann auch noch mit ihrer Unterschrift bezeugen.

In der Schweiz fahren Busse und Züge meist pünktlich. In der Schweiz gilt aber auch oft: bleiernes Reglement vor gesundem Menschenverstand. Dabei bleibt die Verhältnismässigkeit auf der Strecke. Als ob sonst Horden unbegleiteter Fünfjähriger Busse und Züge verstopfen würden und Zugbegleiter zu Babysittern umgeschult werden müssten. Kleinkinder zu büssen, scheint aber nicht nur in Schaffhausen Praxis zu sein. In der Schwarzfahrerdatenbank sind mehr als ein Dutzend Kleinkinder erfasst. Und dies in einem Land, welches stolz darauf ist, dass Vierjährige über Feld, Wald und Hauptstrassen alleine in den Kindergarten gehen. Selbstständigkeit ist eine wichtige Kompetenz. Selber mit dem Bus fahren gehört auch dazu. Die zwei Schwestern hätten ein Lob verdient und sicher keine Busse.