Schneesportzentrum

Kleinere und mittlere Skigebiete bangen ums Geschäft mit Skilagern

Gute Bedingungen für Kinder in Skilagern: Die Pisten hoch über der Lenzerheide.

Gute Bedingungen für Kinder in Skilagern: Die Pisten hoch über der Lenzerheide.

Der Bund plant ein Nationales Schneesportzentrum und will Schul-Skilager auch finanziell unterstützen. Kleinere und mittlere Skigebiete fürchten nun um ihr Geschäft.

Die Zahl jener Schulklassen, die im Winter für eine Woche in die Berge fahren, ist seit Jahren rückläufig.

Für Gebiete wie die Lenk BE oder Fiesch VS sind sie aber ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Um der Beliebtheit von Skilagern neuen Schwung zu verleihen, plant der Bund ein Nationales Schneesportzentrum. Mit einer am Donnerstag abgeschlossenen Evaluation stehen zwei Favoriten in Poleposition: Lenzerheide GR und Andermatt UR (siehe Box).

Mehrere Zentren möglich

Just vor solcher Konkurrenz mit dem Bund im Rücken fürchten sich Gebiete wie die Lenk oder Fiesch: Im Nationalen Schneesportzentrum sollen Schulen dereinst günstig Skilager durchführen können. Die Vorgaben an die Bewerber sind deutlich: Bei fünf Tagen sollen Eltern nicht mehr als 300 bis 350 Franken für ihr Kind bezahlen; inklusive Hin- und Rückreise, Ausrüstung, Übernachtungen, Verpflegung und Skipass.

«Das wäre ein klarer Nachteil für uns», kritisiert der Lenker Gemeindepräsident Christian von Känel. «Bei solchen subventionierten Preisen würden wir kannibalisiert.»

Von Känel bekommt Schützenhilfe aus Fiesch. Der Direktor des Sport- und Feriendorfs, Claudio Rossetti, räumt mit Blick auf die Evaluationsresultate ein: «Gerade ein nationales Schneesportzentrum im nahen Andermatt würde uns Angst machen.»

Die vom Bund angestrebten Kosten von 350 Franken liegen 100 Franken unter den effektiven Kosten, mit welchen in Fiesch gerechnet wird. Die Konkurrenz wird ernst genommen im Dorf, das traditionellerweise viele Lager beherbergt.

Fiesch hat sich selber um den Zuschlag des Nationalen Schneesportzentrums beworben, schneidet in der Evaluation allerdings mittelmässig ab. Die Gommer hoffen nun auf den politischen Prozess und auf eine mögliche Lösung mit zwei oder drei Standorten. Rossetti setzt ganz auf ein finanzpolitisches Argument. In Fiesch sei ein Zentrum wegen der vorhandenen Infrastruktur mit 6 bis 7 Millionen Franken günstig zu haben.

Bund will den Kuchen vergrössern

Gerade einmal 10 bis 12 Prozent würden die Übernachtungen im neuen nationalen Schneesportzentrum am gesamten Kuchen der beim Förderprogramm Jugend + Sport angemeldeten Skilager ausmachen, entgegnet der Sprecher des federführenden Bundesamts für Sport (Baspo), Christoph Lauener, auf die geäusserten Befürchtungen.

Zudem sei das geplante Nationale Schneesportzentrum eine der getroffenen Massnahmen, welche die Kinder wieder vermehrt in den Schnee bringen sollen. Lauener beruhigt: «Die Skilager werden nicht aus den Bergdörfern verschwinden.» Andreas Keller vom Dachverband der Schweizer Seilbahnen argumentiert: «Jugendliche, die im Nationalen Schneesportzentrum Gefallen am Schneesport finden, kehren später in die Berge zurück. Das kommt allen Gebieten zugute.»

In den Bergen beginnt der Kampf um die Schulklassen. Um sie mit günstigen Angeboten anzulocken, bleibt kleineren Gebieten wenig Spielraum. Grössere dagegen werden sich etwas einfallen lassen müssen.

Etwa Grindelwald, das sich zwar um einen Zuschlag beworben hat, sich nach dem schlechten Abschneiden in der Evaluation aber aus dem Rennen nimmt. «Wir werden mit den Bergbahnen zusammensitzen und mit attraktiven Angeboten dafür sorgen, dass Schulklassen weiterhin zu uns kommen», sagt Gemeindepräsident Emanuel Schläppi.

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