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Kirchen geben sich ein Regelwerk

Werben für ein Ja: Katholik Benno Schnüriger und Reformierter Ruedi Reich.

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Werben für ein Ja: Katholik Benno Schnüriger und Reformierter Ruedi Reich.

Am 27. September sind die Angehörigen der reformierten und der römisch-katholischen Kirche aufgerufen, ihre Kirchenordnungen abzusegnen. Sie bringen mehr Autonomie mit sich.

Alfred Borter

Nach 14 Jahren Vorbereitungszeit sind jetzt die neuen Kirchenordnungen der evangelisch-reformierten Landeskirche und der römisch-katholischen Körperschaft abstimmungsreif. Kirchenratspräsident Ruedi Reich und der Präsident der Zentralkommission, Benno Schnüriger, erwarten, dass das Kantonalzürcher Kirchenvolk zahlreich an die Urne geht und die neuen Satzungen befürwortet.

Antwort auf die Trennungsinitaitive

1995 wurde eine Volksinitiative, die auf die Privatisierung der öffentlich-rechtlichen Kirchen abzielte, vom Volk verworfen; damals wurde versprochen, anstelle einer Trennung von Kirche und Staat werde man die allzu enge Verzahnung etwas lockern. Der Staat solle nur noch die wichtigsten Regeln vorschreiben, etwa die demokratische Ordnung, und auch darauf verzichten, die reformierten Pfarrer zu besolden. Stattdessen solle der Staat den anerkannten Kirchen für den Dienst, die sie zugunsten der Allgemeinheit leisten, eine Abgeltung entrichten.

Diese Neuerungen wurden mit der Zürcher Kantonsverfassung 2005 und dem Kirchengesetz 2007 vom kantonalen Stimmvolk respektive vom Kantonsrat rechtlich abgesichert. Die Folge ist, dass der Staatsbeitrag an die reformierte Kirche schrittweise von jetzt 40,8 auf 27,4 Millionen Franken reduziert wird, während der Beitrag an die katholische Körperschaft von 8,7 auf 22,1 Millionen steigt. Die Christkatholische Gemeinde und die beiden anerkannten jüdischen Gemeinden erhalten 250 000 Franken.

Ausländer erhalten Stimm- und Wahlrecht

Wie Ruedi Reich betonte, hat die Kirchenordnung der Zürcher Reformierten ein Stück weit Verfassungscharakter. Neu erhalten auch die Ausländer - sie machen bloss 3 bis 4 Prozent der Gläubigen aus - das Stimm- und Wahlrecht. Weil man mit 16 Jahren religionsmündig ist und auch konfirmiert wird, wird das Stimmrecht auf 16 Jahre festgelegt. Pfarrerwahlen finden alle vier Jahre statt.

Bei den Katholiken ist das Stimm- und Wahlrecht für Ausländer, wie Benno Schnüriger erwähnte, von besonderer Bedeutung, weil etwa 30 Prozent Ausländer sind. Das Mindestalter liegt bei 18 Jahren. Schnüriger verschwieg nicht, dass die Kirchenordnung nicht in allen Teilen die Zustimmung des Bischofs von Chur gefunden habe, sei er doch mit der Volkswahl der Gemeindeleitenden nicht einverstanden. Immerhin empfehle der Generalvikar von Zürich, Weihbischof Paul Volmar, die Kirchenordnung zur Annahme.

Christkatholiken haben bereits abgestimmt

Die Gemeinde- bzw. Kirchenordnung der Christkatholischen Kirchgemeinde Zürich ist bereits unter Dach und Fach. Sie wurde in der Kirchgemeindeversammlung vom 30. Juni 2009 angenommen.

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