Fremdbetreuungszwang
Kinder von Sozialhilfebezügern müssen in die Krippe – sonst gibt's weniger Geld

Ab Januar 2017 gelten neue Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (Skos). Wie die „Schweiz am Sonntag“ schreibt, beinhalten sie einen heiklen Punkt: Eltern, die Sozialhilfe beziehen, sollen nach der Geburt ihres Kindes möglichst schnell an den Arbeitsplatz zurück.

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Spätestens wenn das Kind einjährig ist, wird die Wiederaufnahme der Arbeit erwartet. Für alleinerziehende Mütter heisst dies, dass sie ihre Kinder auf Kosten des Staates fremdbetreuen lassen müssen.

Spätestens wenn das Kind einjährig ist, wird die Wiederaufnahme der Arbeit erwartet. Für alleinerziehende Mütter heisst dies, dass sie ihre Kinder auf Kosten des Staates fremdbetreuen lassen müssen.

KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE

Spätestens wenn das Kind einjährig ist, wird die Wiederaufnahme der Arbeit erwartet. Für alleinerziehende Mütter heisst dies, dass sie ihre Kinder auf Kosten des Staates fremdbetreuen lassen müssen.

Wollen sie ihr Kind nicht in die Kita geben oder sind sie mit der Wahl der Kita nicht einverstanden, wird der Grundbedarf ihrer Sozialhilfe um 30 Prozent gekürzt. Diese neue Richtlinie stösst auf Kritik. Der Zürcher Rechtsanwalt Pierre Heusser, der auf Sozialhilferecht spezialisiert ist, kritisiert die Verschärfung. «Die alleinerziehenden Mütter sind einem eigentlichen Fremdbetreuungszwang ausgesetzt», sagt er.

Im Extremfall könne das zu einer Lightvariante von «Kinder der Landstrasse» führen. Beispielsweise falls Alleinerziehende unter Druck gesetzt werden, ihre wenigen Monate alten Babys fremdbetreuen zu lassen. Exponenten aus der Politik beurteilen die neuen Richtlinien positiver.

Es sei wichtig, dass die Integration von Alleinerziehenden in den Arbeitsmarkt vorangetrieben werde, damit sie finanziell wieder unabhängig leben könnten, sagt Yvonne Feri, SP-Nationalrätin. Auch für SVP-Nationalrätin Verena Herzog steht im Vordergrund, dass alleinerziehende Mütter möglichst schnell wieder den beruflichen Anschluss finden. «Denn häufig stehen diese Mütter ohne oder mit abgebrochener Lehrstelle da.»