Abstimmung
Katholiken begrüssen 1:12-Initiative, Reformierte sind eher dagegen

Die Vertreter der grossen Landeskirchen mischen sich in die Debatte um die 1:12-Initiative ein – und zeigen dabei unterschiedliche Toleranz für Spitzenlöhne. Die Katholiken sind bei der Lohnschere strenger als die Protestanten.

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Die JUSO bei der Einreichung der 1:12-Initiative (Archiv).

Die JUSO bei der Einreichung der 1:12-Initiative (Archiv).

Keystone

Thomas Wallimann-Sasaki, Präsident der Kommission Justitia et Pax, der sozialethischen Stimme der Bischofskonferenz, begrüsst die Initiative der Juso: „Es geht um eine fundamentale Gerechtigkeitsdebatte", sagt er gegenüber der Zeitung „Schweiz am Sonntag". „Es läuft beim Lohn aus dem Ruder – gegen oben wie auch gegen unten." Einen absoluten oder relativen Lohndeckel will er nicht nennen, hält aber fest: „Eine Leitplanke ist der Bundesratslohn." Also rund 450'000 Franken im Jahr.

Die Reformierten nehmen dagegen tendenziell eine grössere Lohnspanne in Kauf. Aus Sicht des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) sollten sich die Spitzenlöhne an den Verhältnissen der 1980er-Jahre orientieren. In diesem Sinn scheine heute eine Lohnspanne von 1:30 bis 1:40 akzeptabel, sagt SEK-Sprecher Thomas Flügge gegenüber der „Schweiz am Sonntag".

Basler Pfarrer fordert Seitenwechsel

Auf Unterstützung stösst bei den Kirchenvertretern die Forderung nach einem Mindestlohn. Martin Werlen, Abt des Klosters Einsiedeln, sagt: „Es ist menschenunwürdig, wenn der Lohn für einen 100-Prozent-Job nicht ausreicht, um sich und die Familie zu ernähren."

Und Thomas Wipf, der frühere Präsident des reformierten Kirchenbunds, sagt, einen nationalen Mindestlohn müsse man „ernsthaft diskutieren".

Eine eigene Idee, wie man gegen Exzesse in den Chefetagen vorgehen könnte, hat der Basler Industriepfarrer Martin Dürr: Er schlägt vor, dass Manager ab einer bestimmten Salärhöhe in einem „Seitenwechsel" jährlich eine Woche „am unteren Rand der Gesellschaft" verbringen. „Das würde sie aufrütteln."

Initianten scharen KMU-Chefs hinter sich

Die «1:12»-Initianten machen derweil Druck im Abstimmungskampf. Sie haben 100 Firmen-Chefs hinter sich geschart, die für die Initiative weibeln. SP-Nationalrat Cédric Wermuth sagt im «SonntagsBlick»: «Aus Zeitgründen wollten wir eigentlich auf ein KMU-Komitee verzichten. Aber dann haben sich so viele gemeldet, dass wir die Namen von rund 100 Unternehmen Anfang Woche im Internet aufschalten werden. Diese Firmen setzen sich allesamt für ein Ja zur 1:12-Initiative ein.»