Covid-19

Kampf gegen das Coronavirus: So funktioniert die Eindämmungsstrategie des Bundesrats

Testen, testen, testen: Der Bundesrat setzt zur Eindämmung des Coronavirus auf eine neue Strategie.

Testen, testen, testen: Der Bundesrat setzt zur Eindämmung des Coronavirus auf eine neue Strategie.

Um das Virus dauerhaft unter Kontrolle zu behalten, soll ab Mitte Mai jede Neuansteckung entdeckt werden.

Der Bundesrat hat seine Lockerungen gestern mit der guten Entwicklung der epidemiologischen Lage begründet. Um die Zahl der Neuinfektionen tief und die Lage unter Kontrolle zu halten, setzt er nun auf eine Eindämmungsstrategie. Sie soll laut Gesundheitsminister Alain Berset helfen, die Epidemie «zu kontrollieren und das Virus vielleicht sogar zum Verschwinden zu bringen».

Welches Ziel verfolgt die Strategie?

Der Bundesrat will umsetzen, was Epidemiologen schon länger fordern: jede Neuansteckung frühzeitig bemerken und die betroffene Person sowie ihre engen Kontakte isolieren.

Wie wollen die Behörden künftig jeden neuen Corona-Fall entdecken?

Mit einem viel breiteren Testregime als noch zu Beginn der Epidemie. Der Bund empfiehlt allen Personen mit folgenden Symptomen, sich testen zu lassen: Husten, Halsschmerzen, Kurzatmigkeit, Fieber, Muskelschmerzen oder plötzlich auftretender Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns. Schwere Symptome oder die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe sind keine Bedingung mehr.

Was passiert nach einem positiven Corona-Test?

Die betroffene Person muss während mindestens zehn Tagen in Isolation. Zudem wollen die Kantone im Rahmen des Contact Tracing alle Personen ermitteln, die nach Auftreten der Symptome und bis 48 Stunden davor engen Kontakt mit dem Infizierten hatte. Konkret heisst das: Während mehr als 15 Minuten weniger als zwei Meter Abstand ohne Schutzmassnahmen wie eine Hygienemaske oder eine Trennscheibe.

Mit wie vielen engen Kontaktpersonen pro Infiziertem rechnen die Behörden?

Sie gehen von 20 Kontakten aus, die pro Corona-Fall einzeln benachrichtigt werden müssen.

Müssen diese engen Kontaktpersonen in Quarantäne?

Ja, für zehn Tage. Angeordnet wird die Quarantäne von den Kantonsärzten. Wenn während der zehn Tage Symptome auftreten, ordnet der Arzt einen Test an. Wenn nicht, kann davon ausgegangen werden, dass die Kontaktperson sich nicht infiziert hat. Die Quarantäne wird wieder aufgehoben.

Wann beginnen die Kantone mit der Rückverfolgung der Infektionsketten?

Teilweise haben sie gar nie damit aufgehört, etwa in Zug. Andere haben die aufwendige Arbeit bereits wieder aufgenommen, zum Beispiel Genf und Neuenburg - oder planen das wie Zürich ab nächster Woche. In allen Kantonen soll laut dem Bundesrat ab dem 11. Mai wieder jede Neuinfektion rückverfolgt werden. Auch Proximity-Tracing-Apps sollen mithelfen, enge Kontaktpersonen zu eruieren - als ergänzendes Instrument, wie Berset gestern klarstellte. Die entsprechende APP soll laut ETH und EPFL ab dem 11. Mai bereitstehen.

Müssen Corona-Tests selbst bezahlt werden?

Nein. Je nach Symptomen und Risikogruppen-Zugehörigkeit zahlt die Krankenkasse oder der Kanton. Allerdings ist der Test, der neu 100 Franken kostet, nicht von der Franchise befreit.

Was passiert, wenn ich die Quarantäneregeln breche?

Dann sind gemäss dem Epidemiengesetz Bussen möglich - bei Fahrlässigkeit in der Höhe von bis zu 5000 Franken. Laut der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK) ist aber davon auszugehen, dass diese nicht im Vordergrund stehen werden. Das Ziel müsse es sein, dass die Bevölkerung das Vorgehen im Rahmen des Contact Tracing akzeptiere. Strafen könnten dabei kontraproduktiv sein.

Was machen die Behörden, wenn die Eindämmungsstrategie scheitert?

Alain Berset sagte, man werde die Lage aufgrund der Neuinfektionen und der Hospitalisierungen beurteilen. Ziel bleibt es, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Automatismen, also etwa, dass bei einer bestimmten Auslastung der Spitäler Lockerungen rückgängig gemacht oder vertagt werden, soll es keine geben.

Autor

Dominic Wirth

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