Pedro Schmidt hätte allen Grund zur Freude, wären da nicht die Behörden. Das Anti-Kater-Mittel, das der Pharmazeut aus Zürich Ende vergangenen Jahres mit der Lancierung bei Coop gross rausbrachte, verkauft sich bestens.

Vom Erfolg ist er selbst ein wenig überrascht worden: «Wir waren im November während drei Wochen ausverkauft, weil wir trotz den sehr hohen Erwartungen diesen Ansturm nicht vorhergesehen haben.»


Der Jungunternehmer hat ein Mittel aus natürlichen Substanzen erfunden, das auf wissenschaftlicher Basis den Kater nach dem berühmten einen Bier zu viel im Zaum halten soll. Ende vergangenen Jahres hat er «Kaex» mit einer beachtlichen Werbekampagne schweizweit bekannt gemacht.


Im Mai steht nun ein weiterer grosser Schritt an: Nach Coop wird auch die Migros das Mittel in die Regale stellen. In 140 Migros-Filialen wird Schmidts Produkt dann erhältlich sein. Und selbst da ist noch nicht Schluss: Der Weg nach Deutschland sei bereits geebnet, Gespräche mit der Drogeriekette Müller laufen, sagt Schmidt.


Mit dem Erfolg kommen allerdings auch die Schwierigkeiten. Eine Thurgauer Behörde findet, Schmidts Mittel sei wegen seiner Aufmachung nicht konform mit dem Lebensmittelgesetz.


Zürich hatte nichts dagegen


In der Schweiz überwachen die Kantonalen Labore die in ihrem Zuständigkeitsbereich verkauften Produkte. Während das Zürcher Labor an dem Mittel nichts zu beanstanden hatte, meldete jenes im Thurgau Ende Februar Bedenken an. In der Beanstandung, die dieser Zeitung vorliegt, heisst es, die aufgedruckte Werbung verstosse gegen das Täuschungsverbot. Dieses besagt, dass ein Lebensmittel keine Angaben über Eigenschaften machen darf, die es nicht besitzt oder die wissenschaftlich nicht gesichert sind.


Schmidt ist erstaunt ob des Befunds. Die Gesundheitsanpreisungen der Substanzen seines Mittels habe er eins zu eins aus der Verordnung abgeschrieben. Von Täuschung könne hier also keine Rede sein. Auch habe er grossen Wert darauf gelegt, dass sein Produkt auf den Konsumenten nicht wie ein Arzneimittel wirkt, sondern klar als Nahrungsergänzungsmittel deklariert ist.


Das Thurgauer Labor sieht das anders. Demnach hätten die Aufdrucke «after alcohol» und das grüne Kreuz auf der Vorderseite «in Form eines Apothekerkreuzes» eine «mittelbare Botschaft», welche laute: «Zur Besserung der Symptome am Tag nach dem Konsum von (zu viel) Alkohol.»


Ein solcher Slogan wäre in der Tat verboten, erklärt Karola Krell Zbinden, Rechtsanwältin spezialisiert im Lebensmittelrecht. Nur: er steht so nicht auf der Packung, sondern gibt lediglich die Interpretation des Prüfers wieder. Das Kantonale Labor Thurgau wollte zu dem Fall keine Stellung nehmen und beruft sich auf die Schweigepflicht.


Zum grünen Kreuz meint Anwältin Krell Zbinden: «Da Lebensmittel keine Arzneimittel sind, sind Aufmachungen irgendwelcher Art, die einem Lebensmittel den Anschein eines Heilmittels geben, verboten.» Aus diesem Grund sei die Verwendung von typischerweise mit Arzneimitteln verbundenen Zeichen, Logos oder Begriffen für Lebensmittel kritisch.


Letztlich komme es aber immer auf die Gesamtaufmachung an und wie diese der Durchschnittskonsument verstehe. «Einzelne Aussagen dürfen nicht aus dem Zusammenhang gerissen und bewertet werden», sagt die Fachanwältin. «Ebenso ist man auch nicht immer für eine versteckte Botschaft verantwortlich.»


So richtig klar ist die Lage also nicht.

Da Schmidts Firma in Zürich registriert ist, ist das dortige Labor die erste Anlaufstelle. Dass hier von aussen Druck gemacht werde, sei spürbar, sagt Schmidt. Mit der Behörde sei man im engen Austausch und in fast allen Punkten einig. Nur beim Wort „Alkohol“ lägen die Meinungen auseinander.

Der Kaex-Erfinder sieht nun zwei Optionen: Auf die Beanstandung reagieren und den Auftritt seines Produktes verändern, etwa das Wort «Alkohol» von der Packung nehmen. Oder vor Gericht gehen. Schmidt sieht sich zwar im Recht, das hätten ihm Experten in drei verschiedenen und voneinander unabhängigen Gutachten so bestätigt. Doch Risiken gebe es immer. Schmidt bringt es so auf den Punkt: «Wären wir eine grosse Firma und kein kleines Start-up, würden wir definitiv vor Gericht gehen.»

Eine grosse Firma ist die seine aber nicht. Deshalb, sagt Schmidt, habe er sich noch nicht entschieden.