Jacqueline Fehr
Jacqueline Fehr unterstützt die Demo der netten Frauen

Hunderte Spielgruppen gibt es im Land, doch in der öffentlichen Wahrnehmung spielen sie kaum eine Rolle. Zu Unrecht, finden die Gruppenleiterinnen. Sie fordern mehr Anerkennung für ihre Arbeit.

Merken
Drucken
Teilen

Keystone

Karen Schärer

Wenn Anna Lustenberger sagt: «Wir sind über unseren eigenen Mut überrascht», dann glaubt man das dem Vorstandsmitglied des Schweizerischen Spielgruppenleiterinnen-Verbands (SSLV) gern.

Demonstrierende Spielgruppenleiterinnen? Das irritiert. Denn, wie Lustenberger sagt: «Spielgruppenleiterinnen sind sehr nette, bescheidene Personen.»

Die meisten sind Mütter. Sie arbeiten in Kleinpensen, betreuen eine Gruppe Kinder ein bis zwei Vor- oder Nachmittage pro Woche.

Ein bescheidenes Entgelt

Lange Zeit arbeiteten viele von ihnen ehrenamtlich; heute erhalten sie – teilweise auch dank der Unterstützung der Schul- oder Kirchgemeinde – ein bescheidenes Entgelt. Eltern zahlen für das Angebot zwischen sechs und zehn Franken pro Stunde.

Schweizweit gibt es Hunderte von Spielgruppen. Und doch: Man hört wenig von ihnen und über sie. Denn Spielgruppenleiterinnen arbeiten im Stillen und machen nicht gross von sich reden.

Genau dies aber stört die Frauen. Deshalb strömen heute Nachmittag rund 700 Spielgruppenleiterinnen auf den Bundesplatz in Bern: Sie fordern mehr Anerkennung.

Auftritt von Jacqueline Fehr

Prominente Unterstützung bekommt der SSLV durch SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr. Sie hält an der Kundgebung eine Rede. «Ich will meiner Wertschätzung für die Spielgruppen-Bewegung Ausdruck verleihen», begründet Fehr ihr Engagement.

In der Schweiz wachse das Bewusstsein, dass man den ersten Lebensjahren eines Kindes mehr Beachtung schenken müsse, sagt Fehr. Dies habe auch eine politische Komponente. Denn Kinder mit einem schlechten Start hätten kaum die Chance, ihre Defizite in der Schule aufzuholen.

Für die Vizepräsidentin der SP Schweiz ist deshalb klar, dass das niederschwellige Angebot für Kinder ab drei Jahren pädagogisch wertvoll ist, dass es der Integration dient und die frühkindliche Entwicklung unterstützt. Gemäss Lustenberger besuchen 70 Prozent aller drei- bis fünfjährigen Kinder Spielgruppen.

Gruppen wünschen Kontrolle

An der Kundgebung lanciert der SSLV eine Petition mit drei Forderungen:

•Gemeinden, Kantone und Bund sollen Spielgruppen als Partner im Bereich Frühförderung und Integration anerkennen.

•Spielgruppen wünschen sich grössere logistische und materielle Unterstützung durch die öffentliche Hand.

•Jedes Kind soll – unabhängig von finanziellen Verhältnissen – eine Spielgruppe besuchen können, wenn die Eltern dies wünschen.

Der SSLV will die Petition 2011 an die Konferenzen der kantonalen Erziehungsdirektoren und Sozialdirektoren übergeben.

Der Verband wünscht sich auch mehr Kontrolle durch Gemeinden und Kantone: «Dass der Begriff Spielgruppe nicht geschützt ist, ist problematisch», sagt Anna Lustenberger. Gemeinden könnten hier eine Kontrollfunktion übernehmen, den Gruppen und Leiterinnen Auflagen machen und die Qualität kontrollieren.

Als Vorzeigegemeinden nennt Lustenberger Horw und Nebikon LU: Dort sind Spielgruppenleiterinnen von der Gemeinde angestellt. Vorbildlich auch Basel-Stadt: Der Kanton kommt für eine Weiterbildung der Leiterinnen im Bereich der frühen sprachlichen Förderung auf.

Zudem übernimmt Basel die Kosten des Spielgruppenbesuchs, wenn Kinder diesen für die sprachliche Entwicklung und Förderung nötig haben.