Hacker

Ist SRG durch TV5-Beteiligung von Cyber-Attacken bedroht?

Ein französischer Polizist vor dem Hauptsitz von TV5-Monde.

Ein französischer Polizist vor dem Hauptsitz von TV5-Monde.

Die Schweiz zahlt 12 Millionen pro Jahr an gehackten Sender – zur Sicherheit übermitteln die Sender wieder Kassetten.

Der Angriff geschah zum Einbruch der Nacht: Auf einen Schlag war am Mittwoch um 22 Uhr auf dem französischsprachigen Sender TV5Monde statt des üblichen Programms nur noch ein schwarzer Bildschirm zu sehen. Doch damit nicht genug: Die Hacker legten gleichzeitig auch die Facebook- und Twitterseiten des Senders lahm und verbreiteten darüber Propagandamaterial des sogenannten Islamischen Staats (IS). Erst gegen 5 Uhr morgens konnte die Fernsehstation, die in mehr als 200 Staaten und Regionen ausgestrahlt wird und wöchentlich 35 Millionen Zuschauer erreicht, wieder eigene Bilder senden.

Was in der Deutschschweiz nur wenige wissen: Der Betrieb von TV5Monde wird auch mit Schweizer Geldern finanziert, denn der öffentlich-rechtliche Sender RTS – das Westschweizer Pendant zum SRF – arbeitet eng mit dem Sender zusammen. So werden zum Beispiel von RTS produzierte Sendungen auf TV5Monde ausgestrahlt.
Das Engagement ist Bestandteil des Auslandleistungsauftrags des Bundes an die SRG, auch Swissinfo.ch, 3sat und tvsvizzera.it gehören dazu. Doch das ist nicht gratis zu haben: Alleine die Zusammenarbeit mit TV5Monde kostet die SRG jährlich rund sechs Millionen Franken, weitere sechs Millionen übernimmt der Bund. Die SRG hält zudem einen Anteil von 11,1 Prozent am Grundkapital des Senders (137 000 Euro).

Sendungen gibts nun ab Kassette

In den Augen von RTS ist das Geld gut investiert: «TV5Monde ist eine hervorragende Möglichkeit, um das Bild der Schweiz im Ausland zu fördern. Es zeigt ihre politische, kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt aus einem Schweizer Blickwinkel», sagt Sprecher Christophe Minder. Zudem erlaube die Zusammenarbeit, Auslandschweizer stärker an ihre Heimat zu binden. Auch in der Schweiz wird der Sender geschaut: Gemäss Angaben von RTS schalten durchschnittlich 82 000 Zuschauer – wovon 75 Prozent in der Romandie – pro Tag ein.

Doch was bedeutet angesichts des neuen Gefahrenpotenzials die französischbelgisch-kanadisch-schweizerische Zusammenarbeit für die Sicherheit? Bestehen gemeinsame Datennetzwerke, sodass die Hacker ihr Unwesen auch problemlos auf dem Westschweizer Sender hätten treiben können? RTS winkt ab: Ein zusammenhängendes Netzwerk gebe es nicht, die Sendungen würden normalerweise in Dateiform übers Internet ausgetauscht. Ganz wohl scheint dem Sender dabei jedoch nicht zu sein: Seit der Cyberattacke und «während einer Prüfphase» übermittle man die Inhalte nun wieder althergebracht mittels Kassetten, so der RTS-Sprecher.

Welche übrigen Massnahmen sie aufgrund des Vorfalls in Frankreich getroffen hat, will die SRG «aus Gründen der Sicherheit» nicht kommunizieren. Die technischen und organisatorischen Vorkehrungen würden laufend überprüft, zudem habe man die Mitarbeiter für einen vorsichtigen Umgang mit IT-Programmen sensibilisiert. Letztlich sagt aber auch SRG-Sprecher Daniel Steiner: «Ob SRG oder AZ Medien, vor Versuchen von Hackerangriffen ist niemand gefeit.»

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