Offiziell läuft alles wie am Schnürchen. «Schon» die Hälfte der Unterschriften habe die CVP für ihre Initiative zur Senkung der Gesundheitskosten zusammen, rühmte sich CVP-Präsident Gerhard Pfister jüngst in einem «Blick»-Interview. «Wir werden die nötigen Unterschriften bis zu den Wahlen beisammenhaben», kündigte er an.

Hinter den Kulissen sieht es anders aus. Weil die Unterschriftensammlung stockt, hat die CVP eine Notfallmassnahme ergriffen: Sie schickt bezahlte Sammler auf die Strasse. «In bevölkerungsreichen Orten, wo die CVP vergleichsweise schwach ist, arbeiten wir vereinzelt mit professionellen Sammlern zusammen», bestätigt Initiativchef Stefan Müller-Altermatt Informationen dieser Zeitung. Dies sei üblich und werde auch von anderen Parteien und Organisationen so gemacht, argumentiert der Solothurner Nationalrat.

Über Umfang will die CVP nicht reden

Falsch ist das nicht, auch die SP hatte jüngst bei der Transparenz-Initiative auf professionelle Sammler angeheuert, um ein Scheitern abzuwenden. Aussergewöhnlich ist hingegen, zu welch frühem Zeitpunkt die CVP dazu greift. Denn die Frist für die Einreichung läuft erst im April 2020 ab. Die Partei hat sich jedoch mit ihren Äusserungen selbst unter Druck gesetzt, die Initiative vor den Wahlen im Herbst zu realisieren. War man zu optimistisch? Müller-Altermatt verneint. «Ein möglicher Einsatz bezahlter Unterschriftensammler war von Beginn weg Teil der Strategie», sagt er.

Die SP hatte vor zwei Jahren 12000 Franken für 5000 Unterschriften ausgegeben, um die Transparenz-Initiative über die Ziellinie zu bringen. Wie viel Geld die CVP einsetzt, möchte Müller-Altermatt nicht verraten. Auch bleibt unklar, um wie viele Unterschriften es geht.

Sammelmoral der Mitglieder könnte leiden

Für eine Partei ist die gewerbsmässige Sammlerei ein grosses Risiko. Hunderte CVP-Mitglieder haben seit Oktober Teile ihrer Freizeit geopfert, um Unterschriften zu sammeln. Viele dürften sich fragen, wieso sie weiterhin ihre freien Samstage für die Partei aufwenden sollen, wenn es nebenher Personen gibt, welche die gleiche Arbeit gegen Geld machen.

Ist diese Aktion nicht verheerend für die Sammelmoral? «Unsere Leute können das einordnen», sagt Müller-Altermatt. «Sie sind sich bewusst, dass es ihre Freiwilligenarbeit braucht, damit die Initiative zustande kommt.»

CVP-Prestigeprojekt harzt

So oder so ist der frühe Rückgriff auf professionelle Sammler für die CVP unschön. Die Volksinitiative zur Senkung der Prämienlast ist ihr Paradeprojekt für die Wahlen. Müller-Altermatt bezeichnete die Gesundheitskosten im Januar als «wichtigstes Thema dieses Jahres.» Dass nun ausgerechnet dieses Thema die Basis nicht elektrisiert, ist bitter für die CVP.

Müller-Altermatt will dies nicht so verstanden wissen. «Die Initiative trifft den Nerv der Bürger», sagt er. «Wer gefragt wird, unterschreibt die Initiative .» Dann liegt es also daran, dass zu wenige Mitglieder sammeln? «Nein», sagt Müller-Altermatt. «Wir würden die Initiative auch ohne zusätzliche Unterstützung zusammen bringen.» Es handle sich um eine reine Sicherheits- und Beschleunigungsmassnahme.

Müller-Altermatt gibt sich unverdrossen: «Wir werden es bis zu den Wahlen schaffen.» Und: «Der Grossteil der Unterschriften wird von unseren Mitgliedern stammen.»