Kommentar
Ignazio Cassis, ein Bundesrat mit bescheidener Wirkung

Auch nach gut drei Jahren in der Landesregierung scheint der sympathische Tessiner nicht wirklich Tritt gefasst zu haben. Das zeigen die Ereignisse dieser Woche.

Stefan Schmid
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Hanspeter Schiess

Was für ein Unterschied in Stil und Inhalt: Der österreichische Aussenminister Alexander Schallenberg erklärte am späten Donnerstagabend live in der ORF-Sendung ZIB2 die Position Österreichs angesichts des Sturms mutmasslicher Rechtsextremer auf das Kapitol in Washington.

Eloquent bringt der parteilose Diplomat seine Besorgnis auf den Punkt.

Vor allem aber leistet er ein klares Bekenntnis zur transatlantischen Zusammenarbeit.

Die demokratischen Staaten müssten zusammenrücken, sagte Schallenberg eindringlich.

Er liess keine Zweifel daran, dass sich sein kleines Land an dieser Allianz der freiheitlichen und rechtsstaatlichen Länder aktiv beteiligen wolle.

Derlei geostrategische Töne sind vom Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis kaum zu hören, so er überhaupt zu vernehmen ist. Der Tessiner liess sich nach den schockierenden Vorgängen in Washington gebührlich Zeit, ehe er sich zur Lage äusserte. Es blieb bei allgemeinen Floskeln, wie wichtig Werte wie Freiheit und Demokratie seien.

Die Stellungnahme, die der Freisinnige per Twitter versandte, war das Minimum, was man von einem Mitglied der Schweizer Regierung erwarten durfte.

Überhaupt, es war erneut keine Woche des Ignazio Cassis. Wie diese Zeitung publik machte, rumort es im Aussendepartement gewaltig, insbesondere im diplomatischen Korps hängt der Haussegen nach zahlreichen fragwürdigen Personalentscheiden schief.

Gewiss, Diplomaten sind manchmal eitle Menschen und sicher gut darin, hintenherum gegen ihren Chef zu lästern. Doch die Rauchzeichen aus dem EDA können nicht übersehen werden. Bei der Besetzung des Spitzenpostens in Brüssel soll Cassis gar seine Kolleginnen und Kollegen im Bundesrat falsch informiert haben.

Der ehemalige FDP-Fraktionschef scheint, man muss es leider so festhalten, auch nach gut drei Jahren im Bundesrat nicht richtig Tritt gefasst zu haben. Seine Aussenwirkung ist bescheiden, politische Erfolge aus seiner Küche gibt es kaum.

Der Tessiner ist ein sympathischer Mensch und er war bestimmt auch kein schlechter Parlamentarier. Doch als Mann der Tat, als Chef, der die Aussenpolitik unseres Landes in unruhigen Zeiten prägen kann, ist er bisher nicht in Erscheinung getreten. Schade für ihn, schade für die Schweiz.