Sperisen-Prozess
«Ich bin kein Mörder»: Ex-Polizeichef Sperisen hofft auf Freispruch

Im Prozess um den ehemaligen Polizeichef von Guatemala hat die Verteidigung am Dienstag vor dem Genfer Strafgericht einen Freispruch gefordert. Sperisen selber bekräftigte seine Unschuld.

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Polizeichef von Guatemala zwischen 2004 und 2007: Der Schweizer Erwin Sperisen.

Polizeichef von Guatemala zwischen 2004 und 2007: Der Schweizer Erwin Sperisen.

Keystone

Dem schweizerisch-guatemaltekischen Doppelbürger Sperisen wird vorgeworfen, Morde an zehn Häftlingen befohlen, geplant und in einem Fall sogar selbst begangen zu haben. Zum einen geht es um drei Häftlinge, die im Oktober 2005 aus dem Gefängnis "El Infiernito" ausgebrochen waren und später erschossen wurden.

Zum anderen soll der ehemalige Polizeichef von Guatemala im September 2006 bei der Erstürmung des Gefängnisses Pavon die Exekution von sieben Gefangenen angeordnet haben.

Staatsanwalt Yves Bertossa sprach letzte Woche in seinem dreistündigen Plädoyer von einem Staatsverbrechen und forderte eine lebenslange Freiheitsstrafe für den 44-jährigen Angeklagten. Sperisen habe sich als Gott aufgespielt und als unnötig beurteilte Menschen eliminiert. Die zehn Opfer seien "wie Tiere abgeschlachtet" worden.

Feinde innerhalb und ausserhalb der Polizei

Der Angeklagte bekräftigte am Dienstag an seinem letzten Prozesstag seine Unschuld: "Ich bin kein Mörder und ich habe keine Morde angeordnet", sagte Sperisen. Er hinterfrage noch heute die Richtigkeit seines Entscheides, 2004 im Alter von 34 Jahren die Führung der Policia National Civil (PNC) übernommen zu haben, einer durch Korruption vergifteten Institution. "Ich frage mich, ob es die Mühe wert war, die Dinge in meinem Land zum Besseren verändern zu wollen."

Sperisen zählte anschliessend die Attentate auf, denen er während seiner Zeit als Polizeichef entkommen sei, die Drohungen gegen ihn und seine Familie und seine durch den Stress verursachten Gesundheitsprobleme. "Heute stehe ich hier alleine, verantwortlich für die Gesamtheit einer Struktur, trotz der Tatsache, dass die Verantwortlichkeiten in der PNC geteilt waren," sagte Sperisen. Er habe sich Feinde innerhalb und ausserhalb der Polizei geschaffen und leide noch heute darunter.

Auslieferung nicht möglich

Der schweizerisch-guatemaltekische Doppelbürger Erwin Sperisen war 2007 nach seinem Rücktritt als Polizeichef nach Genf geflohen. Im August 2012 wurde er in Genf verhaftet, um ihm in der Schweiz den Prozess zu machen.

Nach Guatemala, wo Sperisen als Drahtzieher aussergerichtlicher Hinrichtungen ebenfalls angeklagt wurde, konnte er als Doppelbürger nicht ausgeliefert werden. Javier Figueroa, der einst als rechte Hand von Sperisen gegolten hatte, war im Sommer 2013 von einem österreichischen Gericht freigesprochen worden.

Das Urteil wird am Freitag um 15.00 Uhr eröffnet.