Hunde
Hundepräventionskurse im Kindergarten? Der Aargau sagt Nein

Der richtige Umgang mit Hunden will gelernt sein. Im Kanton Basel-Stadt wurden deshalb Präventionskurse fix in den Lehrplan aller Kindergärten aufgenommen. Die Kosten dafür seien gering und die Reaktionen positiv. Für das Aargauer Bildungsdepartement ist eine solche Massnahme kein Thema. Und bei den Kindergärten fehlt das Geld.

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Sandra Kohler

Beisst ein Hund ein Kind, sind die Verletzungen meist viel schwerwiegender als wenn ein Erwachsener gebissen wird. Reagieren Kinder jedoch im Umgang mit fremden Hunden richtig, kann das Bissrisiko stark vermindert werden. Im Kanton Basel-Stadt besuchen deshalb alle Kinder während ihrer zweijährigen Kindergartenzeit mindestens einmal den Präventionskurs. Und lernen so den richtigen Umgang mit Hunden.

Aufgrund der positiven Erfahrungen wurden die zuerst freiwilligen Hundekurse verbindlich in die Lehrpläne aufgenommen. «Die Kurse werden von den Lehrpersonen sehr geschätzt», sagt Anne Lévy, Leiterin Bereich Gesundheitsschutz. Die anfallenden Kosten für die Kurse werden vollumfänglich vom Kanton Basel-Stadt übernommen. Anne Lévy: «Bei diesen Kursen handelt es sich um ein eher kleines Projekt - der finanzielle Aufwand für den Kanton ist nicht sehr gross.» Genaue Zahlen konnte sie nicht nennen.

Der Kanton Aargau will die Kurse nicht im Lehrplan

Beim Kanton Aargau präsentiert sich die Situation komplett anders. Zwar werden vom Aargauischen Tierschutzverein Präventionskurse angeboten, diese werden aber eher schlecht besucht und vom Kanton auch nicht finanziell unterstützt. «Diese Kurse in den Lehrplan aufzunehmen, steht für das Bildungsdepartement nicht zur Diskussion», sagt Irène Richner-Schellenberg, Leiterin Kommunikation des Departement Bildung, Kultur und Sport Aargau. Und weiter: «Die Schule hat bereits zahlreiche Aufgaben und diese Präventionskurse sind sicherlich keine Kernaufgabe der Schule. Vielmehr gehört dies in den Verantwortungsbereich der Hundehalter.»

Kantonstierärztin Erika Wunderlin beurteilt die Kurse als gut und sinnvoll, deshalb begrüsst sie auch, dass das Projekt «Prevent a bite» vom Aargauischen Tierschutzverein 2008 eine Anschubfinanzierung von 70 000 Franken aus dem Lotteriefonds erhalten hatte. Weitere unterstützende Möglichkeiten sieht sie nicht: «Für einen wiederkehrenden Beitrag bräuchte es eine gesetzliche Grundlage. Diese existiert derzeit nicht.» Der Präventionsartikel wäre im Entwurf des kantonalen Hundegesetzes enthalten, weil aber nun der Bund über eine nationale Lösung diskutiert, liegt der Entwurf bis auf Weiteres auf Eis. «Im nationalen Gesetz ist kein ähnlicher Präventionsartikel enthalten», hält Erika Wunderlin fest.

Oftmals fehlt es den Kindergärten am Geld

Dies sehen der Aargauische Tierschutzverein und angefragte Kindergärten anders. Gerade die finanzielle Frage sei beim bescheidenen Budget eines Kindergartens ein grosses Problem. Judith Keller, Projektleiterin «Prevent a bite»: «Wir erhalten sicher pro Woche eine Anfrage. Oftmals scheitert es dann aber an den Kosten, da wir als gemeinnütziger Verein einen Unkostenbeitrag für unsere Lektionen erheben müssen.» Dieser beläuft sich auf 300 Franken für eine 75- bis 90-minütige Lektion mit Moderatorin und zwei bis drei Hunden mit Hundeführern. Bei Bedarf werden Preisnachlässe gewährt.

Sandrine Zimmermann, Kindergärtnerin in Lenzburg und ehemalige Präsidentin des Verbands Aargauischer Kindergärtnerinnen und Kindergärtner: «Mit dem begrenzten Budget überlegt man sich zwei Mal, welche Prioritäten man setzt. Wären die Kurse gratis bzw. würde der Kanton diese zahlen, könnte ich mir vorstellen, dass viele Lehrpersonen einen solchen Kurs mit den Kindern absolvieren würden.»

Die Zuständigkeit liegt bei den Eltern

Nebst der Kostenfrage kommt aber auch die Frage der Zuständigkeit auf: «Wir müssen aus allen Bereichen sehr viele verschiedene Themen in der Schule und im Kindergarten behandeln. Dabei haben wir einen Berufsauftrag mit einem Lehrplan und es kommt die Frage auf, was alles Aufgabe der Schule ist." Sandrine Zimmermann spielt den Ball den Eltern und den Hundehaltern zu: «Die Eltern sollten ihren Kindern den richtigen Umgang mit den Hunden beibringen.» Und weiter: «Bei Spaziergängen wünsche ich mir aber auch, dass die Hundehalter die Verantwortung übernehmen und ihre Hunde konsequent an die Leine nehmen.»

Auch Schulleiter Daniel Mettauer, zuständig für die Aarauer Kindergärten Gönhard, Binzenhof, Goldern und Damm & Asyl sieht die Zuständigkeit bei den Eltern. Dennoch gibt er zu bedenken: «Der Wirkungsgrad wäre vermutlich grösser, wenn die Kurse im Kindergarten bzw. in der Schule stattfinden würden.» Mettauer hat bisher keine Anfragen von Kinderlehrpersonen oder Eltern erhalten: «Der Besuch der Kurse scheint in unserer Region als nicht besonders notwendig erachtet zu werden.» Und auch der Badener Schulleiter Guido Arnet, seit 2004 zuständig für den Kindergarten und die Primarschule Tannegg sieht keinen Bedarf für solche Kurse. Ihm seien auch keine Fälle bekannt, bei welchen in Baden Kinder von Hunden angegriffen worden seien.