Hepatitis C
Hoffen auf Heilung: Kassen müssen teure Therapien früher zahlen

Kassen müssen die teuren Therapien von Hepatitis-C-Patienten bald früher bezahlen. Bisher galt: Ist die Krankheit fortgeschrittenen, erhält der Patient ein Medikament, das ihn heilen kann – andere müssen zuwarten, bis das Krebs-Risiko steigt.

Anna Wanner
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50 000 bis 80 000 Personen leben in der Schweiz mit dem Hepatitis-C-Virus.

50 000 bis 80 000 Personen leben in der Schweiz mit dem Hepatitis-C-Virus.

KEYSTONE

Nicht jeder Hepatitis-C-Patient wird in der Schweiz gleich behandelt: Je nachdem, wie weit fortgeschritten die Krankheit ist, erhält der Patient ein Medikament, das ihn heilen kann – andere müssen zuwarten, bis ihre Leber vernarbt ist; bis das Risiko steigt, dass eine Zirrhose oder ein Krebs entsteht.

Die stille Epidemie

50 000 bis 80 000 Personen leben in der Schweiz mit dem Hepatitis-C-Virus. Rund die Hälfte weiss nichts davon, die Krankheit verläuft in den ersten Jahren ohne Symptome. Das Virus wird über infizierte Tätowiernadeln, Spritzen oder sexuellen Kontakt übertragen. Unbehandelt führt die Krankheit zu schweren Leberschäden. Ob der grossen Betroffenheit in der Bevölkerung haben nun Ärzte eine nationale Strategie gegen Hepatitis C entwickelt.

Der Grund für die Rationierung der Medikamente liegt in deren Preis: Eine Therapie, die über 12 Wochen dauert, kostete bisher fast 62 000 Franken. Bei mehreren zehntausend Kranken wären Heilungskosten in Milliardenhöhe zu beziffern. Weil die Allgemeinheit diese Medikamente über Krankenkassenprämien mitfinanzieren muss, hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Abgabe der neuwertigen Hepatitis-C-Medikamente bei ihrer Einführung vor einem Jahr limitiert. Gestern lockerte es die Bestimmung: Das Medikament ist ab August auch für Patienten in einem früheren Krankheitsstadium (F2) erhältlich.

Petition verliert nicht an Gültigkeit

Die gute Nachricht des BAG traf just am Tag vor dem Welt-Hepatitis-Tag ein. Betroffene reichen heute eine Petition ein, in der sie fordern, dass die Rationierung beendet werden soll. «Behandlung für alle!», verlangen sie vom BAG. Die Forderung hat trotz der gestrigen Lockerung noch Bestand. Es sei zwar ein «Schritt in die richtige Richtung», sagt Petitionär Anton Kohler.

Trotzdem bleibt ihm und vielen anderen die Therapie nach wie vor verwehrt – und das, obwohl sie in 9 von 10 Fällen zu einer Heilung führt. Solange die Krankheit im Anfangsstadium ist, erhalten die Patienten das gewünschte Medikament nicht. Kohler kann das nicht nachvollziehen, wie er sagt: «Die Medikamente wirken zu Beginn der Krankheit besser.» Ausserdem nütze die Interferon-Therapie nicht allen und sei mit schweren Nebenwirkungen verbunden. Unter dem Strich sei sie auch wegen der Folgekosten teurer als die neuen Tabletten.

Müssen alle behandelt werden?

Auch Ärzte unterstützen die Forderung der Betroffenen. Unter ihnen Philip Bruggmann, der den Verband Swiss Experts in Viral Hepatitis präsidiert. Allerdings relativiert er die Haltung von Kohler: «Ich sehe die Ursache für die Limitation nicht beim BAG, sondern bei den hohen Preisen: Wenn eine Therapie so viel kostet, ist es nicht gerechtfertigt, alle zu behandeln», sagt Bruggmann.

Das sei gerade für Patienten schwer verständlich, bei denen die bisherige Interferon-Therapie nicht angeschlagen hat. Patienten, die auf die neuen Medikamente gewartet haben und sie nun nicht erhalten. «Aus ärztlicher Sicht muss das Ziel sein, dass die Medikamentenpreise soweit gesenkt werden, dass keine Limitation mehr notwendig ist und der spezialisierte Arzt zusammen mit dem Patienten frei entscheiden kann, wann welche Therapie angewandt werden soll», verlangt Bruggmann.

Preise sollen purzeln

Ein erster Preisabschlag hat das BAG bereits erzielt: Anstatt 62 000 Franken soll eine einzelne Therapie mit den Medikamenten Viekirax und Exviera ab August noch 46 000 Franken kosten. Dank dem Rabatt könnten pro Jahr bis 40 Millionen Franken gespart werden. Allerdings frisst die Ausweitung auf 900 Patienten in einem früheren Krankheitsstadium die Einsparungen wieder weg. Gemäss BAG erfolgt die Ausweitung kostenneutral.

Was die Entwicklung trübt: Nicht bei allen Pharmafirmen, die neue Hepatitis-C-Pillen herstellen, konnte das BAG einen tieferen Preis aushandeln. Die Firmen Abbvie und Janssen-Cilag liefern zwar günstiger. Der Branchenleader Gilead hält hingegen an den hohen Preisen fest. Vorerst. Das BAG hofft, dass bis im September auch die Preise für Sovaldi und Harvoni purzeln.