Semestergebühren

Hochschule zwingt Studierenden eine Kreditkarte auf – bei diesen sorgt das für grossen Unmut

Wer hier studieren will, braucht eine Kreditkarte. Die ZHAW in Winterthur. Archivbild.

Wer hier studieren will, braucht eine Kreditkarte. Die ZHAW in Winterthur. Archivbild.

Wer an der ZHAW studieren will, braucht neu eine Kreditkarte. Bei Studenten sorgt dies für Ärger. Gegenüber den Medien sagt die Schule jedoch, dass man Semesterrechnungen nach wie vor per Banküberweisung bezahlen könne. Doch das stimme so nicht, sagen ZHAW-Studenten.

Anmerkung:

(10.01.2020) Nachdem unzählige Studierende wegen der mangelhaften Zahlungsmöglichkeiten bei der ZHAW reklamiert und mehrere Medien, darunter auch diese Zeitung, am Donnerstag, 9. Januar über diesen Fall an der ZHAW berichtet haben, hat die Schule eingelenkt: Die Bankzahlung der Semestergebühren ist seit Freitagmorgen wieder möglich. Das belegen Informationen von Studenten, die uns weitergeleitet wurden. (kca)

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur hat sich dazu entschieden, Semesterrechnungen an Studierende nicht mehr per Post, sondern nur noch per E-Mail zu verschicken. «Wir wollen damit die Abwicklung beschleunigen und den Studierenden die Semesterbestätigung sehr viel zeitnaher zur Verfügung stellen. Damit können sie diese früher bei Ämtern einreichen», erklärt Ilona Ammann, Mediensprecherin der ZHAW.

Ein weiterer Grund für die Umstellung dürfte jedoch auch sein, dass die Schule viel Geld spart, wenn sie Rechnungen nicht mehr per Post, sondern nur noch automatisch per E-Mail verschicken muss.

An dieser Massnahme ist eigentlich nicht viel auszusetzen. Was bei den Studierenden jedoch für grossen Unmut sorgt, ist die Tatsache, dass die Semesterrechnungen auch nicht mehr per Banküberweisung, sondern nur noch per Kreditkarte oder Postfinance Card bezahlt werden können. Das ist ein Problem, denn viele Studenten kommen wegen des fehlenden Einkommens gar nicht an eine gängige Kreditkarte. Und eine Postfinance Card ist auch nicht in jedem Haushalt zu finden.

Wie die Zeitung «Der Landbote» schreibt, habe die ZHAW für dieses Problem eine pragmatische Lösung gefunden. Die Hochschule verweist darauf, dass sich Studenten einfach eine Kreditkarte am Kiosk kaufen können. Das ist zwar korrekt, jedoch kostet diese Kreditkarte 39 Franken. Und die halbjährliche Abrechnung der Semestergebühren kostet die Studenten mit der Kiosk-Kreditkarte nochmals 30 Franken an Gebühren. Die ZHAW spart mit dieser Massnahme Geld, die Studenten müssen dafür bezahlen.

Studierendenverein unzufrieden mit Lösung der ZHAW

Die Beträge mögen klein erscheinen, doch für viele Studierende, die nicht über ein grosses Budget verfügen, sind solche Zusatzausgaben ärgerlich. So ist auch der Studierendenverein der Schule (VSZHAW) mit der Lösung unzufrieden. «Der Vorteil des neuen Systems ist, dass man die Semesterbestätigung sofort nach Bezahlung erhält. Doch die von der ZHAW gebotenen Zahlungsmöglichkeiten sind mangelhaft.»

Man habe darum bereits mehrfach interveniert und Alternativen wie etwa Twint vorgeschlagen, sagt Micha Neumair, der Präsident des VSZHAW. Die Schule sei darauf jedoch nicht eingegangen. Gegenüber dem «Landboten» wollte die Schule nicht erläutern, warum man keine alternativen Bezahlmöglichkeiten anbiete. Auf Anfrage von CH Media versicherte die ZHAW aber, dass man Anregungen und Verbesserungsvorschläge der Studierenden sehr ernst nehme.

Auf Anfrage erklärt die ZHAW auch, dass Studenten in Ausnahmefällen weiterhin per Banküberweisung bezahlen könnten. «Die Alternative mit einer Zahlung via IBAN ist in Ausnahmefällen weiterhin möglich und wurde intern kommuniziert. Die Studierenden fragen dafür die Studiengangsekretariate an», sagt Mediensprecherin Ilona Ammann. Diese würden dann die Bankverbindung der Schule an die Studierenden herausgeben. «Die Bezahlung via E-Banking in Ausnahmefällen war immer möglich» und bleibe es auch weiterhin.

ZHAW gibt Medien und Studenten unterschiedliche Informationen

Nur: Das stimmt so nicht, sagen ZHAW-Studenten. Gegenüber Studierenden gab die Schule abermals bekannt, dass eine Banküberweisung nicht möglich ist. Auch der VSZHAW wurde von der ZHAW ausdrücklich darauf hingewiesen, dass keine Bankzahlungen mehr möglich sind, was auch aus einem schriftlichen Protokoll hervorgeht, das öffentlich auf der Website der Vereins abrufbar ist. Auch online schrieb die Schule bis letzten Mittwoch nicht, dass Zahlungen möglich sind – mittlerweile wurde dies geändert.

Mehrere Studenten haben denn auch versucht, ihre Rechnungen per Banküberweisung zu zahlen, die Schule schaltete jedoch auf stur und hat alle – uns bekannten – Anfragen abgelehnt. Dies widerspricht den Ausführungen der Schule.

Beim VSZHAW ist man über die Kommunikation der Schule verärgert. Es sei nicht richtig, den Studenten und den Medien unterschiedliche Informationen zu geben. «Als Studierendenverein hörten wir Kritik wegen der Bezahlmöglichkeiten und intervenierten bei der Schule», sagt Micha Neumair. «Dass nun offiziell eine Zahlung per Banküberweisung möglich ist, habe ich in der Zeitung zum ersten Mal gelesen. Als Studierendenverein freut es uns aber sehr, dass nun offiziell Bankzahlungen möglich sind.»

Enttäuschend sei aber, dass trotz Zusicherung von Ausnahmen scheinbar nur wenige Ausnahmen auch wirklich gemacht würden.

Die ZHAW verspricht aber Besserung. Zwar solle als vorerst einzige Zahlungsmöglichkeit die Kreditkartenzahlung akzeptiert werden, Ausnahmefälle wolle man aber tolerieren. Da die Umstellung der Zahlungsmöglichkeiten erst im Herbst erfolgt sei, könne es zu Beginn noch zu «Kinderkrankheiten» kommen, welche in den Abläufen und der Kommunikation noch behoben werden müssten, zitiert der «Landbote» die ZHAW.

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