Tessin

Hier haben Räuber einen Raiffeisen-Bankomaten gesprengt – nicht zum ersten Mal

Raub auf Raiffeisenbank

Kurz nach 2:30 Uhr explodierte der Geldautomate der Raiffeisenbank in Arzo TI.

Zum zweiten Mal innert einer Woche haben Kriminelle im Südtessin nachts einen Bancomaten gesprengt und leergeräumt. Die Diebe konnten bisher nicht gefasst werden.

Der Knall war laut, die Explosion deutlich zu hören, wie Anwohner berichteten. In der Nacht auf Freitag sprengten Unbekannte gegen 2.30 Uhr morgens in Arzo im Südtessin einen Geldautomaten. Der Raiffeisen-Bancomat befand sich im äusseren Eingangsbereich des Gebäudes. Gemäss ersten Erkenntnissen wurde der Sprengstoff auf der Tastatur befestigt. Die Täter konnten in den zerstörten Automaten greifen und mit den Geldscheinen unerkannt entwischen. Sie hatten vor ihrem Raub die Überwachungskameras abgedunkelt.

Die ganze Aktion ging rasant schnell, dauerte nur wenige Minuten. Gemäss Polizeiangaben betrug die Beute mehrere Hunderttausend Franken. Es ist davon auszugehen, dass die Täter sich nach Italien abgesetzt haben. Der Geldautomat in Arzo liegt genau 1000 Meter vom Grenzübergang entfernt. Von den Tätern fehlte bis zum Abend jegliche Spur. «Wir ermitteln in alle Richtungen und mit allen beteiligten Institutionen», erklärte eine Mitarbeiterin der Kantonspolizei. Damit waren die Schweizer Grenzwächter, aber auch die italienischen Behörden gemeint. Just in Italien gab es in jüngster Zeit mehrere Sprengstoff-Attacken auf Bancomaten. Vor Ort waren auch Spezialisten der Kriminalpolizei Zürich für die Spurensicherung.

Sprengstoffexperten untersuchen den Tatort.

Sprengstoffexperten untersuchen den Tatort.

Im Südtessin ist es der zweite Schlag dieser Art innerhalb von einer Woche. In der Vorwoche hatten Unbekannte ebenfalls einen Raiffeisen-Bancomaten in Coldrerio gesprengt und Bargeld in Höhe von 200'000 bis 300'000 Franken gestohlen. «Diese Modalität von Einbruchsdiebstahl ist für uns neu», heisst es bei der Kantonspolizei. Nach dem ersten Schlag hatte man schon die präventiven Massnahmen erhöht, doch offenbar nicht ausreichend.
In der Bevölkerung ist die Verunsicherung gross. Polizei- und Justizdirektor Norman Gobbi (Lega) warnt auf Anfrage aber gleichwohl vor einer Überreaktion: «Es ist ganz menschlich, dass solche Ereignisse Sorgen auslösen, aber man sollte keine Alarmstimmung kreieren.» Man führe nun auch Diskussionen mit den Bankinstituten, wie die Sicherheitsvorkehrungen erhöht werden könnten.

Sticheleien auf Facebook

Sicher ist: Das Mendrisiotto ist einiges gewohnt. Raubüberfälle auf Tankstellen oder auch auf Postbüros kommen hier regelmässig vor. Für Politiker wie CVP-Nationalrat Marco Romano, zugleich Stadtrat von Mendrisio, zeigen die neuesten Vorfälle mit den gesprengten Geldautomaten, wie wichtig es ist, dass sekundäre Grenzübergänge besser kontrolliert werden. Auf Facebook stichelte er: «In Bern gibt es immer noch Leute, die gegen eine Verstärkung der Grenzwacht sind.»

Die systematische nächtliche Schliessung kleinerer Grenzübergänge ist im Tessin ein heisses Eisen und wird im Mendrisiotto immer wieder lautstark gefordert. Über Jahre gab es einen Pilotversuch, doch im Juni 2018 kam der Bundesrat zum Schluss, diese Massnahme nicht weiterzuführen. Die Sicherheit in der Grenzgegend könne dadurch nicht erhöht werden. Kritiker der bundesrätlichen Position sehen sich nun bestätigt.

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