Wettbewerbskommission

Haben Detailhändler wie Landi, Manor, Valora und Spar ein Kartell gebildet?

Detailhändler wie Landi, Manor, Valora und Spar sind wegen möglicher Absprachen im Visier der Wettbewerbskommission.

Detailhändler wie Landi, Manor, Valora und Spar sind wegen möglicher Absprachen im Visier der Wettbewerbskommission.

Die Wettbewerbskommission hat eine Untersuchung eingeleitet gegen 16 Detailhändler und Grossisten.

1. Was ist passiert?

Am Donnerstag verschickte die Wettbewerbskommission eine Nachricht. «Weko untersucht mögliches Kartell von Handelsunternehmen.» Bei mehreren Unternehmen wurden Hausdurchsuchungen durchgeführt. Im Fokus stehen 15 Gross- und Detailhändler sowie der Zahlungsdienstleister Markant. Sie hätten sich angeblich abgesprochen, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen: Die Lieferanten sollten ihre Geldforderungen via Markant einziehen. Tat dies ein Lieferant nicht, wurde ihm gedroht: alle 15 Gross- und Detailhändler nehmen seine Produkte aus den Regalen. Die Gebühren flossen teilweise an die Händler.

2. Wer ist die Markant?

Die Markant nennt sich eine Vermittlungs-AG für Handels- und Industriewaren. Sie hat den Hauptsitz in Pfäffikon SZ, ist an zehn Standorten in vierzehn Ländern aktiv und beschäftigt über 1000 Mitarbeiter. Den Ursprung hat sie in den 1950er-Jahren in Deutschland, als 20 Händler zusammen eine Kette gründen. 1996 wird Markant zu einer Stiftung nach Schweizer Recht. Ihr schliessen sich unabhängige Händler an, um gemeinsam Grössenvorteile zu erlangen: Der Einkauf von Waren wird effizienter abgewickelt.

3. Gegen welche Händler untersucht die Weko?

Betroffen sind viele der bekanntesten Namen im Schweizer Detailhandel. Es sind jedoch nicht die allergrössten Namen, sondern eben jene, die den Anschluss an Markant nach Grössenvorteilen suchen. Unter anderem sind es Detailhändler wie Landi, Volg und Cadar, die alle zum Landwirtschaftsriesen Fenaco gehören. Oder die zwei Warenhauskonzerne Manor und Loeb. Sowie die Handelskette Spar, der Kioskbetreiber Valora und die Drogeriemarktkette Müller Handels AG. Prominente Abwesende sind die Schweizer Riesen Migros und Coop sowie die deutschen Konkurrenten Aldi oder Lidl. Doch ist auch Migros-Tochter Saviva betroffen. Die mutmasslich geschädigten Lieferanten stellen Güter des täglichen Bedarfs her: Getränke, Nahrungsmittel oder auch Hygiene-Artikel.

4. Was ist die Vorgeschichte zur Ankündigung der Wettbewerbskommission?

Im Mai 2020 wurde bekannt, dass die Markenartikel-Organisation Promarca eine Anzeige erstattet hat. Dabei ging es um den Anschluss von Coop an die Markant. Wenn es dazu käme, so die Befürchtung von Lieferanten, müssten sie viel höhere Gebühren zahlen: bis zu 2 Prozent des Umsatzes. Was die Lieferanten davon halten, wurde in der «Sonntagszeitung» öffentlich. Von «Genick brechen» sprach ein Manager, ein anderer von einer «Katastrophe.» Doch gemäss Brancheninformationen wurden mehrere Anzeigen eingereicht. Zu hören ist von regelrechten Drohbriefen, die Lieferanten erhalten haben. Und die Gebühren hätten in den letzten Jahren zugenommen.

5. Kommen Hausdurchsuchungen selten vor?

Nein. Sie sind für betroffene Unternehmen ein massiver Eingriff in ihre Rechte. Doch für die Wettbewerbshüter gehören sie zum gewohnten Lauf der Dinge, seit sie im Jahre 2004 die Befugnis dafür bekamen. Gemäss Schätzungen von Kennern wurde in den letzten zehn Jahren in zwei Dritteln der Untersuchungen zu diesem Mittel gegriffen. Hausdurchsuchungen sind jedoch ein Signal: die Wettbewerbshüter sind sich recht sicher, weiteres Material zu finden – sonst ist eine Durchsuchung nicht zu rechtfertigen.

6. Was genau haben Markant und die angeschlossenen Händler sich angeblich zu Schulden kommen lassen?

Es ist Händlern nicht verboten, das Begleichen von Geldforderungen ihrer Lieferanten, von einem spezialisierten Unternehmen abwickeln zu lassen. Und man kann Händler nicht zwingen, ein Produkt in ihre Regale aufzunehmen. Das dürfen sie immer noch selber entscheiden, die Weko hat dazu nichts zu sagen. Aber sie geht in diesem Falle einem anderen Verdacht nach. Dass da nämlich einige Dinge zusammenkamen: 15 Einzel- und Grosshändler, von denen jeder für sich ein ansehnliches Gewicht hat. Sie üben grossen Druck aus auf Lieferanten, ihre Geldforderungen über Markant abzuwickeln. Sie tun dies angeblich gemeinsam und stimmen sich dabei ab. Markant verlangt hohe Gebühren und erhöht diese noch. Ein Teil davon floss als Kickback zurück an die Händler.

7. Wie geht es weiter?

Gemäss Auskunft der Weko selber kann die aktuelle Untersuchung noch zwei Jahre lang dauern. Ein allfälliger Entscheid kann an das Bundesverwaltungsgericht weitergezogen werden. Und von dort kann man an das Bundesgericht gelangen. Die ganze Angelegenheit kann sich also noch lange hinziehen.

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