Bundesratskandidat

Gobbis Probleme mit der Tessiner Polizei: Strafanzeige gegen drei Polizisten

Der Tessiner Bundesratskandidat Norman Gobbi gilt als  «Law-and-Order»-Politiker.

Der Tessiner Bundesratskandidat Norman Gobbi gilt als «Law-and-Order»-Politiker.

Der Tessiner Regierungsratspräsident und SVP-Bundesratskandidat Norman Gobbi hat ein Problem mit „seiner“ Polizei. Ein Fussballfan hat gegen die Tessiner Gesetzeshüter mehrfach Anzeige erstattet.

Die Tessiner Polizei wird in zwei Fällen unverhältnismässiges Vorgehen und Gewalt vorgeworfen, wie die „Schweiz am Sonntag“ berichtet. Die Anschuldigungen, die FC-St.Gallen-Fan G* erhebt, sind heftig. In einer Strafanzeige nimmt er die Tessiner Polizei ins Visier. Gleich drei Polizisten hat er am 28. Oktober angezeigt, für Vorfälle, die sich nach der Partie zwischen dem FC Lugano und dem FC St. Gallen vom 18. Oktober ereignet haben: Polizist Z.* wegen einfacher und schwerer Körperverletzung, Polizist L.* wegen einfacher und schwerer Körperverletzung und wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses; den Einsatzleiter der Polizei wegen Freiheitsberaubung.

Er sei von der Polizei «schwer verletzt worden und unverhältnismässig lange» festgehalten worden, schreibt Fan G. in der Strafanzeige, die der Zeitung „Schweiz am Sonntag“ vorliegt. «Ohne dass ich mich je rechtswidrig verhalten hätte». Gleichzeitig hat G. eine Bürgerbeschwerde an das Justiz- und Polizeidepartement von Regierungspräsident Norman Gobbi gerichtet: Er soll die Polizeiarbeit unter die Lupe nehmen.

Bundesrats-Kandidat Gobbi gilt als Law-and-Order-Politiker. Die Lega-nahe Zeitung «Il Mattino della Domenica» zeigte ihn am letzten Sonntag auf der Frontseite als «Supernorman».

Nun hat er ein Problem mit seiner Polizei. In der Anzeige schreibt Fan G., Polizist Z. habe ihn bei der Festnahme verletzt und «im Polizeifahrzeug mit einem Kopfstoss die Nase doppelt gebrochen». Es sei ärztlich nachgewiesen, dass die Brüche durch einen Kopfstoss entstanden seien.

Polizist L. soll dem Fan bei der Festnahme nicht nur «schwere Rückenverletzungen und gefährliche Kopfverletzungen am Hinterkopf» zugefügt haben, wie der Fan schreibt. Er soll sich auch eine Amtsgeheimnisverletzung geleistet haben: «Er hat im Ambulanzfahrzeug mit seinem Handy ein Foto von mir geschossen, welches kurze Zeit später im Facebook veröffentlicht wurde.» Das Bild zeigt den Fan mit einem Kopfverband auf einer Ambulanzliege.

Der Verdacht, den Fan G. gegenüber der Zeitung „Schweiz am Sonntag“ äussert: «Der Polizist muss es an Lugano-Fans weitergeleitet haben.» Diese hätten es veröffentlicht.

Polizist L. steht nicht nur im Verdacht, Fan G. schwer verletzt und fotografiert zu haben. Er unterzeichnete als Protokollführer auch den provisorischen Verhaftungs-Bericht vom 19. Oktober.

Im Rahmen des Spiels Lugano-St. Gallen war es nach dem Spiel zu Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden drei Autos beschädigt. Verhaftet wurde gemäss Bericht nur Fan G. Er wird von der Tessiner Polizei beschuldigt, schwere und leichte Körperverletzung, Raufhandel, Sachbeschädigung und Landfriedensbruch begangen zu haben.

Fan G. ist kein Unschuldslamm, doch er betont, nichts mit den Ausschreitungen zu tun gehabt zu haben. Gemäss Verhörprotokoll hatte er keinen Alkohol getrunken. Eine Messung ergab 0.00 Promille. Was sagt die Polizei? Sie äussere sich nicht zu laufenden Verfahren der Staatsanwaltschaft, sagt Stefano Gianettoni, Sprecher der Kantonspolizei. Er betont aber, dieser Fall sei kein Indiz für einen Macht- oder Gewaltmissbrauch der Polizei. Die Polizei garantiere die Sicherheit bei Sportveranstaltungen seit Jahren. Jährlich gingen 40 bis 50 Ordnungsdienst-Einsätze problemlos über die Bühne.

Und was sagt Staatsrat Norman Gobbi? Hätten Bürger das Gefühl, «Opfer unverhältnismässiger Polizeigewalt» geworden zu sein, schreibt sein Departement, könnten sie dies einem unabhängigen Gericht zur Prüfung zu unterbreiten. Auch Gobbis Departement betont, es hätten in den letzten vier Jahren hunderte von Spielen stattgefunden, bei denen sich niemand beklagt habe.

Was die Strafanzeige betrifft, schreibt das Departement: «Das Verfahren läuft, die Staatsanwaltschaft ist für die Prüfung der eingegangenen Anzeige verantwortlich.» Die Polizei könne Massnahmen prüfen. Gobbi mische sich nicht «in diese rechtsstaatlich sauber geregelten Abläufe» ein.

Meistgesehen

Artboard 1