Pandemie
Zwei Kriterien sind erfüllt: Beschliesst der Bundesrat am Mittwoch die nächsten Öffnungsschritte?

Der R-Wert liegt unter 1, auch bei der Belegung der Intensivstationen stehen die Ampeln auf grün. Die Fallzahlen sind aber weiterhin zu hoch. Eine knifflige Ausgangslage für die Landesregierung.

Nina Fargahi und Kari Kälin
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Beobachter gehen davon aus, dass der Bundesrat am Mittwoch kaum forsch lockern wird.

Beobachter gehen davon aus, dass der Bundesrat am Mittwoch kaum forsch lockern wird.

Keystone

Auswärts essen, wenigstens auf der Terrasse. Wieder einmal Gewichte im Fitnessstudio stemmen. Oder eine Vorlesung im Hörsaal besuchen. Die Sehnsucht nach mehr «normalem» Leben ist gross. Am kommenden Mittwoch entscheidet der Bundesrat über mögliche Erleichterungen oder Verschärfungen der Coronamassnahmen.

Bei der letzten Lockerungsrunde fiel bloss die 5er-Regel, obwohl der Bundesrat den Kantonen weitere Vorschläge zur Konsultation unterbreitet hatte. Die steigenden Fallzahlen stoppten die Öffnungspläne. Auch am Freitag vermeldete das Bundesamt für Gesundheit mit 2519 neuen Coronafällen eine leichte Zunahme gegenüber dem Vortag.

Exponentielles Wachstum gebremst

Beobachter gehen davon aus, dass der Bundesrat am Mittwoch kaum forsch lockern wird. Nur bei zwei von fünf definierten Richtwerten (siehe Grafik), bei der Belegung der Plätze auf den Intensivstationen und dem R-Wert, stehen die Ampeln auf Grün. Positiv ist, dass der R-Wert auf 0,96 gesunken ist. Das bedeutet, dass 100 mit dem Coronavirus infizierte Personen 96 weitere anstecken. Das exponentielle Wachstum wäre damit gebremst.

Immerhin zeichnen sich auf nationaler Ebene keine zusätzlichen Verschärfungen ab. Aus bundesratsnahen Kreisen heisst es derweil, der weitere Coronafahrplan der Regierung sei noch völlig offen. Und offenbar schaut man gebannt, mit welchen aktuellen Massnahmen die Nachbarländer die Coronakrise managen.

Schnelle Durchimpfung lohnt sich auch wirtschaftlich

Klar ist: Die Impfkampagne ist noch zu wenig weit fortgeschritten, als dass sie sich signifikant auf die Belegung der Betten in den Intensivstationen auswirken würde. Die Covid-19-Taskforce geht aber davon aus, dass mit zunehmender Impfung der Risikogruppen ein kleinerer Anteil der positiv getesteten Personen schwer erkrankt und hospitalisiert werden muss oder verstirbt.

Aktuell sind 645'000 Personen vollständig geimpft. Als durch das Coronavirus besonders gefährdet gelten in der Schweiz knapp 2,4 Millionen Menschen. Die Taskforce verweist auf die ökonomischen Vorteile einer beschleunigten Impfkampagne. Jeder Tag, an dem die Durchimpfung rascher erreicht werde, bringe der Schweiz in einer konservativen Schätzung einen Wertschöpfungsgewinn von 25 Millionen Franken.

In Uri sieht es nach Verschärfungen aus

In einzelnen Kantonen spitzt sich derweil die Lage zu. Der Kanton Uri weist mit 1,34 aktuell den höchsten R-Wert auf. Der Regierungsrat teilte mit, Verschärfungen seien möglich. Weiter Informationen stellte er für Montag in Aussicht. Der Regierungsrat spricht von einer besorgniserregenden epidemiologischen Lage. Die Belegung der Intensivstation des Kantonsspitals Uri bereitet Sorgen. Allenfalls müssten Patienten an die Spitäler der umliegenden Kantone verlegt werden.

Am Freitag gab auch der Kanton Graubünden bekannt, dass in einem Seniorenzentrum im Churer Rheintal eine Häufung von Coronafällen verzeichnet worden sei. Es seien vier Bewohner infiziert worden, die bereits im Januar und Februar 2021 vollständig mit dem Pfizer/Biontech-Vakzin geimpft wurden. Das Gesundheitsamt analysiere derzeit die Fälle – die betroffenen Personen würden milde Verläufe zeigen. Eine weitere Häufung von Fällen wurde im Ausreisezentrum Flüeli in Valzeina verzeichnet.

Studierende bitten um Hilfe

Angespannt ist die Situation auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel bei den Studierenden. So hat der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) in einem Appell an den Bundesrat um Hilfe gebeten. Der digitale Unterricht, die finanzielle Lage der Studierenden, ihre mentale Gesundheit sowie die Lage bei Stipendien, Prüfungen und Lernräumen beschäftigten sie sehr. Nächste Woche sind Vertreter des VSS bei der Wissenschaftskommission im Nationalrat eingeladen, um die Lage der Schweizer Studierenden während der Pandemie zu besprechen.