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Gewerkschaften: «Werden die Gegner beim Wort nehmen»

Die Gewerkschaften haben sich an vorderster Front gegen den freien Nachteinkauf an Tankstellen engagiert. Nach der Abstimmungsniederlage will Vania Alleva, Co-Präsidentin der Gewerkschaft Unia, ihre Gegner in die Pflicht nehmen.

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Vania Alleva, Co-Präsidentin der Unia und Berner Nationalrat Corrado Pardini verfolgen die Resultate zur Abstimmung

Vania Alleva, Co-Präsidentin der Unia und Berner Nationalrat Corrado Pardini verfolgen die Resultate zur Abstimmung

Keystone

Diese müssten nun den Tatbeweis erbringen, dass die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten nicht weiter vorangetrieben werde, sagte Alleva. Die bürgerlichen Parteien und der Bundesrat hätten immer behauptet, dass es nur um eine Detailfrage gehe, die bloss 24 Shops betreffe. "Wir werden sie beim Wort nehmen", sagte Alleva.

Konkret verlangt sie, dass alle Vorstösse, die auf eine weitere Liberalisierung der Öffnungszeiten abzielten, zurückgezogen werden. Zudem brauche es nun dringend Verhandlungen über einen Gesamtarbeitsvertrag, um die Arbeitsbedingungen für das Personal im Detailhandel verbindlich und nachhaltig regeln zu können.

Erleichtert zeigte sich Alleva, dass das Abstimmungsresultat immerhin relativ knapp ausgefallen sei. Das zeige, dass in der Bevölkerung ein grosses Unbehagen gegen eine weitere Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten verbreitet sei.

Es sei gelungen, den Anliegen des Verkaufspersonals eine Stimme zu geben. "Wir haben eine Grundsatzfrage gestellt und eine Diskussion darüber in Gang gebracht", sagte Alleva.

Medizinische Bedenken

Gegen den Dauerbetrieb von Tankstellenshops gibt es auch medizinische Bedenken. Die Schweizerische Gesellschaft für Arbeitsmedizin (SGARM) hatte sich deshalb gegen die Vorlage engagiert. Sie bedauert nun dass die Mehrheit der Bevölkerung dem Gesundheitsaspekt zu wenig Rechnung getragen hat.

Es sei erwiesen, dass Nachtarbeit zu gesundheitlichen Beschwerden, vor allem Schlafstörungen, Herz-Kreislaufbeschwerden und Verdauungsstörungen führen könne, schreibt der SGARM-Vorstand in einer Stellungnahme zum Abstimmungsergebnis.

Die Arbeitsmediziner befürchten, dass mit der Zunahme von Nacht- und Sonntagsarbeit auch die Zahl der Menschen steigt, die unter den gesundheitlichen Folgen zu leiden haben. Die negativen Auswirkung auf die Volksgesundheit seien auch mit höheren Gesundheitskosten verbunden, geben sie zu bedenken.

Gegen bisherigen Urnen-Trend

Das Ja zum 24-Stunden-Verkauf in Tankstellenshops fällt nach den bisherigen Volksentscheiden zum Thema Ladenöffnungszeiten eher unerwartet aus. Bisher hat sich das Volk nur selten für weitere Liberalisierungsschritte ausgesprochen.

Zwar stimmte der Souverän auf eidgenössischer Ebene im November 2005 dem Sonntags- und Abendverkauf in Bahnhöfen und Flughäfen noch hauchdünn mit 50,6 Prozent Ja zu. Hingegen wiesen die Stimmberechtigten seither in 12 von 13 kantonalen Urnengängen Liberalisierungen der geltenden, mehr oder weniger restriktiven Bestimmungen ab.

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