Bundesanwalt

Geringes Interesse an Lauber-Nachfolge: Nur sechs Bewerbungen für das Amt des Bundesanwalts eingegangen

Nur sechs Leute bewerben sich um seine Nachfolge: Abgetretener Bundesanwalt Michael Lauber.

Nur sechs Leute bewerben sich um seine Nachfolge: Abgetretener Bundesanwalt Michael Lauber.

Neben dem Genfer Generalprokurator Olivier Jornot reichten offenbar nur fünf weitere Anwärter ihr Dossier ein.

Das Interesse an der Nachfolge von Bundesanwalt Michael Lauber ist dünn. Laut gut informierten Quellen haben sich gerade mal sechs Personen für den Posten des höchsten Anklägers im Land beworben haben. Die Bewerbungsfrist für den mit rund 300'000 Franken dotierten Job lief am letzten Freitag ab.

Der Grossteil dieses halben Dutzends bleibt noch im Dunkeln, nur die Gerichtskommission des Bundesparlaments kennt alle Namen. Offen ist, ob es Bewerber aus der Bundesanwaltschaft selbst gibt. Klar ist, dass Laubers umstrittene Stellvertreter Ruedi Montanari und Jacques Rayroud nicht antreten, das hatten sie gegenüber ihrer Belegschaft versichert.

Bekannt geworden ist bisher einzig die Kandidatur von Olivier Jornot, Generalprokurator in Genf. Jornot (51) hatte seine Belegschaft über seine Kandidatur informiert, und angeblich schon eine Viertelstunde später bekam die Zeitung «Le Temps» Wind davon.

Kandidatur gilt als Reputationsrisiko

Es ist fraglich, ob es angesichts dieser geringen Anzahl Bewerbungen zu Assessments kommt, also zu einer externen Bewertung der Kandidaturen. Erfahrungsgemäss sagen manche Bewerber, dass sie zurückziehen, wenn Assessments durchgeführt werden. Sie wollen nicht, dass ihr Name mit der Kandidatur in Verbindung gebracht wird.

Und die Kandidatur für die Lauber-Nachfolge gilt als Reputationsrisiko. «Dieses Amt ist die Chronik der angekündigten Unmöglichkeit und Absurdität», sagt ein kantonaler Strafverfolger, der sich nicht bewirbt, in Anspielung auf die gescheiterten Bundesanwälte der letzten Jahre. Dazu trage das «nicht gerade aus Sterneköchen bestehende Parlament» seinen Teil bei.

Das Parlament spielte im Fall Lauber, den es weniger als ein Jahr vor dem Amtsenthebungsverfahren noch knapp wiederwählte, alles andere als eine brillante Rolle. SVP und FDP stellten sich damals noch wuchtig hinter Lauber.

Wahl findet im Dezember statt

Auch 2011, als es um die Nachfolge von Erwin Beyeler als Bundesanwalt ging und Lauber gegen 16 andere Bewerber das Rennen machte, wurden ebenfalls keine Assessments durchgeführt. Hätte es damals Assessments gegeben, wäre Lauber kaum je Bundesanwalt geworden: Lauber, zuvor im Liechtensteiner Bankensektor tätig, hatte keine Erfahrung in der Strafverfolgung, er erfüllte die wichtigste Anforderung nicht.

Das immerhin soll diesmal nicht mehr passieren. In der Stellenausschreibung stand: «Sie haben mehrjährige Erfahrung in einer ähnlichen Funktion und fundierte Kenntnisse in der Strafverfolgung.» Bald beugt sich die Gerichtskommission über die Bewerbungsdossiers. Die Wahl soll im Dezember durch das Bundesparlament erfolgen.

Nach wie vor gibt es Leute, die gerne einen Übergangs-Bundesanwalt als Lauber-Nachfolger sähen. Denn klar ist, dass die Behörde und ihre Aufsicht reformiert werden müssen. Die SP etwa verlangt ein Dreiergremium an der Spitze und die Straffung des Aufgabengebiets der Behörde.

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