Geldwäscherei
Gaddafi-Sohn bestochen: Bundesstrafgericht verurteilt Geschäftsmann

Wegen Bestechung und Geldwäscherei hat das Bundesstrafgericht in Bellinzona am Mittwoch einen tunesisch-kanadischen Geschäftsmann zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt. Er hat sich um 40 Millionen Franken bereichert.

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Saadi al-Gaddafi, ein Sohn des früheren libyschen Diktators Gaddafi, der auch Regierungsfunktionen ausübte, hatte der Geschäftsmann laut Bundesanwaltschaft in unrechtmässiger Weise beeinflusst, um sich Infrastrukturaufträge im nordafrikanischen Land zu sichern. (Archiv)

Saadi al-Gaddafi, ein Sohn des früheren libyschen Diktators Gaddafi, der auch Regierungsfunktionen ausübte, hatte der Geschäftsmann laut Bundesanwaltschaft in unrechtmässiger Weise beeinflusst, um sich Infrastrukturaufträge im nordafrikanischen Land zu sichern. (Archiv)

Keystone

Der Geschäftsmann wurde in der Schweiz angeklagt, weil er Konten in Genf für die Veruntreuung der Gelder nutzte, die er aus und nach Libyen transferierte. Sein ehemaliger Arbeitgeber, die kanadische Baufirma SNC Lavalin, gehörte zu den Klägern. Der Verurteilte war seit 1985 für SNC Lavalin tätig – seit 2007 kümmerte er sich als einer ihrer Geschäftsführer vorwiegend um das Nordafrikageschäft.

Die Bundesanwaltschaft sieht es als erwiesen an, dass sich der seit über zwei Jahren in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte zwischen 2001 und 2011 um mindestens 40 Millionen Franken bereichert hat. Mit diesem Geld hatte er unter anderem Immobilien in der Schweiz und in Frankreich gekauft. Ein Teil dieser Liegenschaften werden mit dem Urteil vom Mittwoch konfisziert. Der Verurteilte muss zudem 12,8 Millionen Franken als Entschädigung an seinen ehemaligen Arbeitgeber zahlen.

Die bereits verbüsste Untersuchungshaft von insgesamt 905 Tagen wird auf das Strafmass vom Mittwoch angerechnet: Da die dreijährige Haftstrafe zu 18 Monaten Bewährung ausgesetzt ist, muss der Mann nicht mehr ins Gefängnis, sofern er sich in den kommenden zwei Jahren nichts mehr zu Schulden kommen lässt.

Spuren führen von Tunesien nach Libyen

Laut Anklageschrift besteht eine Verbindung zwischen den Libyen-Geschäften der Baufirma unter dem Gaddafi-Regime und der Familie des ehemaligen tunesischen Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali: Dem in Tunis aufgewachsenen Geschäftsmann war es über den Ehemann einer der Töchter Ben Alis gelungen, eine Verbindung zu Saadi al-Gaddafi in Libyen herzustellen.

Den Sohn des Diktators, der auch Regierungsfunktionen ausübte, hatte der Geschäftsmann laut Bundesanwaltschaft in unrechtmässiger Weise beeinflusst, um sich Infrastrukturaufträge im nordafrikanischen Land zu sichern. Saadi al-Gaddafi wurde laut Berichten des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" im März vom Niger an die libysche Übergangsregierung ausgeliefert. Der Diktatorensprössling soll während der Gaddafi-Ära eine Eliteeinheit der libyschen Armee geführt haben. Ausserdem strebte er Anfang der 2000er-Jahre erfolglos eine Karriere als Profifussballer in Italien an.

Erstes Urteil zum "Arabischen Frühling"

Zum ersten Mal wurde in der Schweiz ein Urteil gefällt, das die Bestechung von ehemaligen Funktionären der Staaten des "Arabischen Frühlings" betrifft, so die Bundesanwaltschaft in ihrer abschliessenden Stellungnahme. Laut Berichten des öffentlich-rechtlichen kanadischen Fernsehsenders CBC, der sich seit zwei Jahren mit dem Fall beschäftigt und beim Prozess ebenfalls anwesend war, erwartet den tunesisch-kanadischen Geschäftsmann ein weiteres Verfahren in Kanada.