Bern

Frühling ist deprimierend braun – oder wenn die dürren Rotbuchen ums Bundeshaus grünen

Frühlingserwachen in Bern: Braune Rotbuchen vor dem Bundeshaus. Dennis Bühler

Frühlingserwachen in Bern: Braune Rotbuchen vor dem Bundeshaus. Dennis Bühler

Landauf, landab ist der Frühling eingezogen – nur um das Bundeshaus macht er derzeit einen grossen Bogen.

Vor dem Bundeshaus in Bern sind dieser Tage Passanten zu beobachten, die fassungslos innehalten. Ungläubig starren sie das braune Gestrüpp an, das in quadratischen Beeten die «Ehrenhöfe» vor den Bundeshäusern Ost und West verunstaltet. Ein älterer Herr brach sich jüngst schier das Genick, als er zu erkunden suchte, ob im dürren Unterholz womöglich Leben steckt.

Es ist Frühling, Bern grünt und blüht derzeit an allen Ecken und Enden. Nur vor dem Bundeshaus herrscht jämmerliche, deprimierende Dürre.

Zuständig für das Bild, das Staatsgästen, Touristen und Passanten gleichermassen aufs Gemüt schlägt, ist das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL).

Dahinter steckt ein Konzept

Auf die Frage, ob dieser «Bepflanzung» ein Konzept zugrunde liege, erläutert eine BBL-Sprecherin: «Die Bepflanzung gehört zum Konzept Umgebungsgestaltung Bundeshäuser. Dieses ist das Ergebnis eines Wettbewerbs, der im offenen Verfahren nach WTO- und SIA-Regeln durchgeführt wurde. Den Jurybericht finden Sie im Anhang.»

Aus diesem Jurybericht geht hervor, dass 2011 eine Berner Landschaftsarchitektenfirma (wir verzichten hier aus Pietätsgründen auf Namensnennung) diesen Wettbewerb gewann. Nicht unterdrücken können wir den Namen des eingereichten Projekts, das das Preisgeld von 30 000 Franken gewann. Er lautet: «Zwei schöne Seiten».

Frühling 2017:

Der Zufall wollte es, dass gestern just jene Landschaftsgärtner am Tatort sich aufhielten, die die Bepflanzung vollbracht haben. Die jungen Leute geben an, dass es sich beim braunen Gehölz um die einheimische Rotbuche handle. Ein Gärtner schwört, dass die Bäumchen – es dürfte sich um etwa 6000 Stück vor beiden Bundeshäusern handeln – im Laufe der nächsten Wochen beginnen, Knospen zu treiben. Grüne Knospen, wohlgemerkt. Schon in einer Woche, versichert er keck, biete sich hier ein ganz anderes Bild.

Dass der Lenz vor dem Berner Bundeshaus mit Verspätung Einzug hält (wenn überhaupt), dafür hat der Gärtner eine simple Erklärung: «Wir haben die Buchen letzten Herbst in den gefrorenen Boden gepflanzt.»

Dann können wir also hoffen, dass die braunen Stauden in künftigen Jahren früher grünen? «Ja», sagt der Gärtner begeistert, «etwa eine Woche früher.»

Derweil greift das BBL zu Überbrückungsmassnahmen. Die Gärtner karrten gestern jedenfalls grosse Kübel mit bunten Frühlingspflanzen an, um sie vor den Bundeshäusern aufzustellen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1