Froschschenkel

Froschschenkel sind grüner Nationalrätin ein Dorn im Auge

Die Schweiz importiert jährlich das Fleisch von 10 Millionen Fröschen. Nationalrätin Maya Graf und der Schweizer Tierschutz fordern nun ein Einschreiten des Bundes.

Von Daniel Ballmer

Essen wie Gott in Frankreich. Sie ist berühmt, die französische Küche. Berühmt gerade auch wegen gewöhnungsbedürftiger Gaumenfreuden wie Froschschenkeln. Auch in der Schweiz werden sie mancherorts als Delikatesse angeboten. In der Romandie kann der Gast in jedem zweiten Restaurant Froschschenkel bestellen. Maya Graf ist dies ein Dorn im Auge. Nun hat die Sissacher Nationalrätin der Grünen eine Interpellation eingereicht, die sie zusammen mit dem Schweizer Tierschutz erarbeitet hat. Darin fordert sie den Bundesrat auf zu prüfen, wie die Einfuhr und der Verzehr von Froschschenkeln in der Schweiz reduziert werden können.

Weil es in der Schweiz keine Froschzucht gibt und frei lebende Amphibien geschützt sind, werden entweder verarbeitete Schenkel oder lebende Frösche importiert; etwa aus Indonesien. Und das in grossen Mengen: Gemäss Statistik der Eidgenössischen Zollverwaltung werden jährlich rund 150 Tonnen Froschschenkel eingeführt. «Das entspricht gegen zehn Millionen Fröschen», sagt Graf. Dass rund 80 Prozent des Froschleibs weggeworfen würden und für eine kleine Portion Froschschenkel etwa sechs Frösche sterben müssten, kann sie nicht nachvollziehen: «Wir haben ja wirklich genug gutes Fleisch hier.» Sie will vom Bundesrat denn auch wissen, wie er sich generell zu dieser «fragwürdigen Delikatesse» stellt.

Auch die Grossverteiler nehmen Abstand: Während Coop und Globus schon seit Jahren auf den Verkauf verzichten, hat die Migros Froschschenkel im Sortiment - aber nur in den Westschweizer Filialen. Darüber ist man auch beim Genossenschaftsbund nicht glücklich: «Uns wäre lieber wenn Stopflebern oder Froschschenkel in der ganzen Schweiz nicht im Sortiment wären», sagt Migros-Sprecher Urs Peter Naef. Der Genossenschaftsbund habe denn auch einen entsprechenden Antrag gestellt. «Die Welschen aber haben sich dagegen gewehrt.» Die Westschweizer Genossenschaften seien in ihrer Sortimentierung zu 20 Prozent völlig unabhängig. Naef: «Da haben wir gar nichts zu sagen.»

In der Westschweiz rechtfertigt man sich: Froschschenkel entsprächen einer Nachfrage. Würden sie nicht in den Migros-Filialen angeboten, würden sich die Kunden die Schenkel anderswo besorgen. Beim Genossenschaftsbund betont man aber, dass die aus Zuchten stammenden Importe alle regelmässig auf die Einhaltung sämtlicher Vorschriften des Tierschutzes und der verschärften Migros-gültigen Richtlinien hin kontrolliert würden.

Doch dies alleine reicht Nationalrätin Graf nicht. Zwar verlangt sie kein generelles Importverbot («Dies wäre die allerletzte Massnahme»), doch hofft sie, dass sich über Aufklärung die Zahlen senken lassen. Sie fordert vom Bundesrat daher auch einen Bericht dazu, woher die Frösche stammen und unter welchen Bedingungen sie dort geschlachtet werden. Anders als beispielsweise bei Eiern von Käfighühnern müssen die Importeure nach Schweizer Gesetz keine Deklaration dazu abgeben. «Es ist also möglich, dass den Fröschen bei lebendigem Leib die Beine ausgerissen werden», sagt Graf. Zudem befürchtet sie, dass in den Herkunftsländern ganze Ökosysteme in Gefahr sind. «Die Leute sollen sich bewusst sein, welche Auswirkungen der Verzehr von Froschschenkeln hat.»

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