Wahlen 2019

Frischgebackene SVP-Nationalrätin Friedli über sich und Ehemann Toni Brunner: «Wir sind grün im Herz»

Sie ist eines der neuen SVP-Gesichter: Die St. Galler Parteisekretärin Esther Friedli, 42, wurde in den Nationalrat gewählt. Die Lebenspartnerin von Ex-Parteipräsident Toni Brunner über Ursachen und Folgen der SVP-Verluste.

Überwiegt bei Ihnen nach der Wahl die Freude oder der Frust?

Esther Friedli: Es ist nicht wegzudiskutieren, dass die SVP deutlich Wählerprozente verloren hat, und darüber bin ich sehr enttäuscht. Dass ich selber gewählt wurde, freut mich natürlich.

Was hat die SVP falsch gemacht?

Im Moment gibt es in ganz Europa einen grünen Trend. Der Klimaschutz ist nicht unser Hauptthema, obwohl auch wir hier gute Antworten haben. Leider sind die anderen Parteien dem EU-Thema ausgewichen, aber dieses wird wieder kommen. Sicher ist auch, dass der grüne Hype wieder verschwinden wird.

Ihre Partei hat verloren, obwohl sie nichts falsch gemacht hat?

Wir haben ungenügend mobilisiert, das ist eindeutig.

Als Ihr Lebenspartner Toni Brunner Parteichef und Christoph Blocher noch aktiv war, hat die SVP das Volk besser gespürt. Hat sie ein Führungsproblem?

Albert Rösti hat einen hervorragenden Job gemacht. Er ist ein anderer Typ als Toni, das ist klar, und auch Adrian Amstutz ist anders, doch er hat als Wahlkampfchef die Kantone unterstützt und motiviert. Es wäre ungerecht, die Verluste primär der SVP-Führung anzulasten.

Bei der Klimapolitik agierte sie ungeschickt. Die ländliche SVP-Basis sorgt sich um die Umwelt. Mit Relativierung des Klimawandels holt man Ihre Leute nicht ab.

Wir SVPler sind alle grün im Herzen. Wir lieben das Land und die Tiere und halten Sorge zur Natur – ich lebe auf einem Bauernhof und versuche da mit gutem Beispiel voranzugehen. Was wir nicht wollen, ist eine Klimapolitik, die einfach mehr Verbote, mehr Gesetze, mehr Abgaben bedeutet. Das wollen die linken Grünen, wir nicht! Klimaschutz funktioniert nur, wenn jeder bei sich selbst anfängt.

Heisst das, dass Sie die SVP für die wahren Grünen halten?

Wir sind diejenigen, die eigenverantwortlich etwas fürs Klima tun! Unsere Leute, unser Gewerbe investiert in Innovationen und handelt ökologisch. Mich stört bei den Linksgrünen, dass sie oft nur vom Klimaschutz reden, selber aber gedankenlos in die Ferien fliegen. Und dass sie den anderen ihr Denken aufzwingen wollen. Gegen diese Umerziehungspolitik wehren wir uns. Unser Motto ist: Leben und leben lassen – und lieber selber mit dem guten Beispiel vorausgehen.

Was spricht gegen Anreize für klimafreundliches Verhalten?

Die aktuell diskutierte Erhöhung von Benzin und Diesel um 12 Rappen belastet die ländliche Bevölkerung überdurchschnittlich. Wir sind nun mal aufs Auto angewiesen, hier gibt es keine lenkende Wirkung. Und da die Löhne auf dem Land tiefer sind, belastet uns dies überdurchschnittlich.

Grün ist das Thema der Stunde. Muss ein Bundesratssitz für die Grünen geprüft werden?

Ich bin grundsätzlich eine Befürworterin der Konkordanz. Das bedeutet, dass die vier stärksten Parteien im Bundesrat vertreten sind. Ein inhaltliches Programm gibt es ja nicht. Die SVP kämpfte lange dafür, gemäss Parteienproporz vertreten zu sein. Wenn es nun grössere Verschiebungen zugunsten der Grünen gibt, bin ich offen, über diese Frage zu diskutieren.

Wie kommt die SVP auf die Erfolgsspur: mit mehr Opposition oder mit mehr Zusammenarbeit?

Ich selber bin sicher kein «Polteri», obwohl es die auch braucht. Lösungen mit unseren bürgerlichen Partnern sind ganz wichtig. Das bedingt aber auch, dass sie nicht ausgrenzen.

Es war eine Klima- und auch eine Frauenwahl. Hier hat die SVP noch Potenzial.

Es wurden verschiedene SVP-Frauen gewählt, so auch Neue wie Monika Rüegger in Obwalden oder Martina Bircher im Aargau. Ich setze mich immer wieder dafür ein, Frauen parteiintern zu fördern und für die Politik zu begeistern. Was ich hingegen klar ablehne, sind Frauenquoten.

Im Kanton St. Gallen wurde über eine Abwahl des 27-jährigen Mike Egger spekuliert, nun hat er das zweitbeste Resultat gemacht, nach Lukas Reimann. Ist er der nächste Toni Brunner?

Mike Egger ist Mike Egger. Er ist nicht Toni Brunner. Aber er ist ein engagierter Politiker. Für mich war klar, dass er das beste oder zweitbeste Resultat machen wird.

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