Zweitwohnungen

Franz Weber: Landschaftsschützer mit Leidenschaft

Ans Aufhören denkt er nicht: Franz Weber (Archiv)

Ans Aufhören denkt er nicht: Franz Weber (Archiv)

Erst die dreizehnte Volksinitiative hat ihm den ganz grossen Erfolg gebracht. Doch Franz Weber beeinflusst die Umweltpolitik in der Schweiz schon lange. Im Sommer wird er 85 Jahre alt. Ans Aufhören denkt nicht - ein Porträt

Franz Weber lancierte zwölf eidgenössische Volksinitiativen. Jene gegen den «uferlosen Zweitwohnungsbau» hat es am Sonntag geschafft und wurde von Volk und Ständen gutgeheissen. «Das ist sensationell - ich bin stolz auf die Schweiz», kommentierte Weber am Sonntag seinen Sieg. Die «Lügenpropaganda der gewissenlosen Bauwirtschaft» habe nicht verfangen.

Weber kam am 27. Juli 1927 in Basel zur Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging er nach Paris, um Schriftsteller zu werden. Er studierte an der Sorbonne Linguistik und Philosophie und verdiente sein Geld als Korrespondent für verschiedene Zeitungen.

In den 60er-Jahren begann sich Weber für den Umweltschutz zu interessieren. Jene Zeit des Wirtschaftswachstums erlebte er als «goldenes Zeitalter der Investitionen, der Produktivität, der Verschwendung, des Bauens und des Betonierens». Zusammen mit Brigitte Bardot engagierte er sich damals auch gegen die Robbenjagd.

Offenbarung im Oberengadin

Der Durchbruch als Umweltschützer gelang Weber im Jahr 1965: Er setzte sich für die Seelandschaft von Surlej im Oberengadin ein und verhinderte, dass aus dem 30-Seelen-Ort eine Stadt für 25'000 Einwohner wurde. Dieser Widerstand sei seine «Offenbarung» gewesen, sagte er später.

Weber gab den Journalismus auf und zog an den Genfersee nach Montreux. Dort gründete er im Jahr 1975 die Stiftung Franz Weber, wo heute auch seine Tochter Vera engagiert ist. Vera Weber, ausgebildete Touristikerin, war es auch, die die Kampagne für die Zweitwohnungsinitiative geführt hatte.

Neben der Stiftung, die international agiert, gründete Weber die Organisation Helvetia Nostra für Anliegen in der Schweiz. Mit Helvetia Nostra lancierte Weber etwa die eidgenössischen Volksinitiativen «Tiere sind keine Sachen!» (2002 wegen indirektem Gegenvorschlag zurückgezogen) oder «Gegen Kampfjetlärm in Tourismusgebieten» (2008 an der Urne abgelehnt).

Kampf für den Lavaux seit 30 Jahren

Erfolge an der Urne konnte Franz Weber mit seinen kantonalen Initiativen zum Schutz des Waadtländer Weinbaugebietes Lavaux feiern. Mit der ersten Initiative erreichte im Jahr 1977, dass der Schutz des Lavaux in die Waadtländer Kantonsverfassung aufgenommen wurde.

Ein zweites kantonales Volksbegehren lancierte der nimmermüde Weber, als der Schutz wieder aus der Verfassung gestrichen wurde - und erreichte dessen erneute Verankerung. Mit einer dritten Lavaux- Initiative will Weber nun Neubauten im Lavaux einschränken. 2007 wurde das Gebiet ins Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen.

Giessbach-Grandhotel gerettet

Seinen 80. Geburtstag feierte Weber im historischen Giessbach- Grandhotel oberhalb des Brienzersees. Das Hotel aus der Blütezeit des Berner Oberländer Tourismus hatte er in den 1980er Jahren vor dem Abbruch bewahrt. Er liess es restaurieren und wieder in Betrieb nehmen.

Im Berner Oberland hat Weber weiter erreicht, dass durch das Simmental keine Autobahn gebaut wird. Auch in Lausanne half Webers Widerstand verhindern, dass die Autobahn bis ans Seeufer geführt wird.

Neben seinem Einsatz in der Schweiz wirkte Weber stets auch immer im Ausland. Sein Einsatz für das antike Delphi brachte ihm sogar die Ehrenbürgerschaft der griechischen Stadt ein. Der Gemeinderat von Montreux hingegen lehnte es vor einigen Jahren ab, ihn zum Ehrenbürger zu machen.

Gar nichts zu lachen hatte Weber einst im Wallis, als er gegen Bauprojekte im Val d'Anniviers kämpfte: Eine Frau leerte Gülle über seinem Kopf aus. Mit Anfeindungen aller Art hat Weber leben gelernt. Und sie bremsen ihn nicht in seinem euphorischen Kampf für Landschaft, Natur und Heimat.

Noch am Sonntag kündigte Weber an, seine Initiative gegen Zweitwohnungsbau sei nicht die letzte gewesen - «sie war vielmehr eine von vielen, die noch kommen werden.» Seine Kraft schöpfe er aus der Schönheit der Landschaften.

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