YB gegen FCB
Fanmarsch angekündigt: Muttenzerkurve sorgt in Bern für Nervenflattern

Die Fans des FC-Basels rufen dazu auf, nicht per Sonderzug ans Spiel gegen YB zu reisen – dieser fährt direkt ins Stadion. Stattdessen sollen die Rotblauen individuell anreisen und geeint durch die Stadt marschieren – gegen den Willen der Behörden.

Rinaldo Tibolla
Drucken

Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass es heute Mittag in Bern wieder einmal heiss zu- und hergehen wird. Ein Fussball-Klassiker ist angesagt: Die Berner Young Boys treffen im Stade de Suisse auf den FC Basel.

Hooligan-Konkordat: Beide Basel sind gegen Verschärfung

Das verschärfte Hooligan-Konkordat sieht im Gegensatz zum ursprünglichen vor, dass Fussball- und Eishockeyspiele der obersten Ligen einer Bewilligungspflicht unterstehen. Gemeinden können Bewilligungen an Auflagen knüpfen, beispielsweise, dass Fans mit Zügen anreisen müssen oder ein Alkoholverbot im Stadion gilt. 16 Kantone haben es angenommen (darunter Bern), bei fünf ist es noch offen, beide Basel haben es abgelehnt. Graubünden, Glarus und Schwyz haben sich noch nicht damit befasst. (rit)

Aber nicht das Sportliche, sondern einige Fans sorgen für Zündstoff. Die Muttenzerkurve – die Fan-Szene des FCB – hat im Internet dazu aufgerufen, individuell nach Bern zu reisen, ab Mittag in «RotBlau» die Beizen der Innenstadt einzunehmen und dann zum Stadion zu marschieren. Erinnerungen an die Ausschreitungen im Vorfeld des diesjährigen Cupfinals in Bern werden wach. Damals entstand beim Marsch der Anhänger des FC Zürich durch die Stadt Sachschaden in der Höhe von 40 000 Franken. Bern entschied, in Zukunft keine Cupfinals mehr auszutragen.

Nun steht ein gewöhnliches Meisterschaftsspiel an – und alle Augen richten sich erneut auf Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause. Das verschärfte Hooligan-Konkordat (siehe Kasten) erlaubt ihm, Bedingungen an ein Spiel zu knüpfen. Über eine hat die Berner Polizei nun die Basler Fans informiert: «Fanmärsche werden nur noch zwischen dem Bahnhof Wankdorf und dem Stade de Suisse toleriert.» Wenn es einen Aufmarsch im Bahnhof Bern gebe, sei er unbewilligt, sagt Nause. Die reguläre Anreise führe über Bern Wankdorf. «Wir haben nun alles in unserer Macht Stehende getan», fügt er an. Der Kontakt mit der Fanarbeit habe aber punkto Anreise leider keinen Erfolg gebracht.

«Kein Öl ins Feuer giessen»

Auch mit den Klubverantwortlichen habe man geredet, sagt Nause. Es bleibe ihm im Vorfeld eigentlich nur noch der Appell an die Fans. Diesen formuliert er so: «Es wäre allen gedient, wenn wir am Samstagabend ein spannendes Meisterschaftsspiel und ein Fussballfest erleben, das friedlich und gut über die Bühne geht.»

Was passiert, wenn der Appell nicht wirkt? Darüber möchte sich Nause nicht auslassen. «Ich möchte kein Öl ins Feuer giessen», sagt er. Sollte es aber tatsächlich zu Problemen kommen, könnte dies für künftige Spiele Konsequenzen haben. «Wir würden uns Gedanken machen müssen, von Kombitickets, geschlossenen Gästesektoren oder Spielabsagen Gebrauch zu machen», sagt er.

Bei den SBB hofft man weiterhin, dass möglichst viele FCB-Fans den Extrazug benützen, weil sie vom vergünstigten Spezialbillett profitieren wollen. «Genau dafür ist der Stadionbahnhof Bern Wankdorf geschaffen worden», sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig.

Gegen den Aufruf, individuell anzureisen, könne das Bahnunternehmen nichts unternehmen. «Juristisch gesehen gilt die Transportpflicht, die SBB transportieren alle Kunden mit einem gültigen Billett», so Ginsig.

So oder so: Zugreisende werden ab heute Mittag den Rummel im Bahnhof Bern mitbekommen. «Wir beobachten die Situation und werden mit einem entsprechenden Polizeiauf­gebot präsent sein», sagt Nause.

Aktuelle Nachrichten